{"id":3462,"date":"2020-05-21T06:31:57","date_gmt":"2020-05-21T04:31:57","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3462"},"modified":"2020-05-21T06:31:57","modified_gmt":"2020-05-21T04:31:57","slug":"die-schauspielerin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-schauspielerin\/","title":{"rendered":"DIE SCHAUSPIELERIN"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anne Enright: Die Schauspielerin, Aus dem Englischen von Eva Bonn\u00e9, Penguin Verlag, M\u00fcnchen 2020, 304 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-328-60134-0<\/strong><br \/>\n<code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3328601341\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3328601341&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=ee9431eb6bb99dcf1d3f18e4ab6671be\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3328601341&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3328601341\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eAls Teenager verwendete ich meine Energien darauf, vor meiner Mutter wegzulaufen beziehungsweise zu ihr zur\u00fcck. Wir hatten schon zu zweit mehr als genug Liebe und \u00c4rger, wir waren st\u00e4ndig miteinander besch\u00e4ftigt und hatten keinen Bedarf an einem &#8222;Vater&#8220;, der sich eingemischt h\u00e4tte und eingeschritten w\u00e4re. Wir kamen ziemlich gut ohne ihn zurecht, besser gesagt ohne sie alle: den guten Mann, den b\u00f6sen Mann, den Geliebten, das Monster, den Vampir, den Ritter in der schimmernden R\u00fcstung, diese vielen unterschiedlichen M\u00e4nner, die die Abwesenheit meines Vaters freigesetzt hatte.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Wie lebt es sich mit einer ber\u00fchmten Mutter, deren Gesicht alle kennen und jeder sich ein Urteil erlauben darf? Vor allem k\u00f6nnen fremde Menschen \u00fcber die Mutter schreiben, ohne sie wirklich zu kennen. Norah kann das nicht mehr dulden. Sie ist selbst Schriftstellerin und so beginnt sie ihr Projekt: Das Leben der eigenen Mutter zu erz\u00e4hlen. Sie berichtet von sich als<em> \u201eTochter von Katherine O&#8217;Dell\u201c.<\/em> Pr\u00e4sentiert hat sich die Mutter immer als Irin, ihr schien das f\u00fcr eine Karriere in Hollywood interessanter. Dabei wurde die Mutter in England als Spross einer Schauspielerfamilie geboren. So schnell wie der Flug ihrer Karriere nach oben ging, so schnell sauste die Mutter auch wieder in die Vergessenheit. Bereits mit f\u00fcnfundvierzig Jahren war sie vom Alkohol gezeichnet und sie verstarb 1986 mit achtundf\u00fcnfzig Jahren.<\/p>\n<p>Anne Enright l\u00e4sst ihre Erz\u00e4hlerin nie chronologisch berichten. Sie springt in ihren Reflexionen und Gedankenstr\u00f6men mal in die Zukunft, dann wieder in die Vergangenheit. Klar wird nach und nach wie kompliziert das Leben der Mutter war und so auch ihre Beziehung zur Tochter, aber auch zu M\u00e4nnern. Immer wieder kommt die Mutter mit ihren Ansichten zu Wort und immer schwankt sie zwischen dem realen Dasein mit all seinen Freuden, aber auch Abgr\u00fcnden und dem Scheinleben einer Frau auf der B\u00fchne oder im Film.<\/p>\n<p>Die Tochter spricht in ihren Aufzeichnungen immer ihren Ehemann an, mit dem sie bereits lang verheiratet ist, und sucht so sein Verst\u00e4ndnis als auch das des Lesenden.<br \/>\nImmer wieder kommt zur Sprache, dass die Mutter 1980 den Filmproduzenten Boyd O&#8217;Neill angegriffen und in den Fu\u00df geschossen hat. Zu diesem Zeitpunkt war die Tochter achtundzwanzig Jahre alt.<\/p>\n<p>In detailreichen Recherchen der Tochter bl\u00e4ttert sich das wechselvolle Leben der Mutter zwischen den USA und Irland auf. So begegnete der Mutter angeblich Orson Welles, um sie kurz in Augenschein zu nehmen. Das amerikanische Studio kreierte f\u00fcr Katherine wie schon bei anderen Schauspielern, wie Elizabeth Taylor, eine Scheinehe mit einem anderen Schauspieler, Philip Greenfield. Eine Trag\u00f6die wie so oft. Greenfield war schwul und Katherine versorgte sich ihn mit Schlaftabletten und Alkohol. Auch nach der Scheidung hielt sie loyal zu ihrem Ex-Ehemann, nahm nebenher Schauspielunterricht und lebte als Puppe ein choreografiertes, glamour\u00f6ses Leben in Hollywood.<\/p>\n<p><em>\u201eMeine Mutter konnte sich m\u00fchelos in eine Figur verwandeln und wieder zur\u00fcck, vor meinen Augen. Sie verschob eine Schulter, senkte die Mundwinkel, ver\u00e4nderte den Blick.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Zur\u00fcck nach Irland kehrt Katherine 1952 mit einem Baby. Doch wer ist der Vater? Die Tochter wird dieser Frage nachgehen und verzweifelt vor Haust\u00fcren und M\u00e4nnern stehen, die sie abweisen.<br \/>\nDie Karriere der Mutter stagniert nun, obwohl sie Liebhaber hat und eigentlich auch reich h\u00e4tte heiraten k\u00f6nnen. Geld ist immer ein Problem, erst f\u00fcr den <em>\u201ealten Hurenbock\u201c<\/em>, den Schauspielervater von Katherine, der einfach ein gro\u00dfer K\u00fcnstler war und doch viele Schulden hinterlie\u00df und sp\u00e4ter f\u00fcr das eigene Leben.<\/p>\n<p>Das eigene Leben in den Griff zu bekommen, wenn man nur \u201edie Tochter von &#8230;\u201c ist, scheint eine Qual zu sein. Ein weiteres gutes Beispiel aus dem wahren Leben w\u00e4re die Tochter von Marlene Dietrich, die ihren Frieden mit der Mutter auch erst nach ihrem Tod schlie\u00dfen konnte.<\/p>\n<p><em>\u201eKaum etwas \u00e4rgerte mich an meiner Mutter mehr als das Beharren darauf, dass sie anderswo h\u00e4tte gl\u00fccklicher sein k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anne Enright: Die Schauspielerin, Aus dem Englischen von Eva Bonn\u00e9, Penguin Verlag, M\u00fcnchen 2020, 304 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-328-60134-0 \u201eAls Teenager verwendete ich meine Energien darauf, vor meiner Mutter wegzulaufen beziehungsweise zu ihr zur\u00fcck. 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