{"id":3437,"date":"2020-05-18T08:26:21","date_gmt":"2020-05-18T06:26:21","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3437"},"modified":"2020-05-18T08:26:21","modified_gmt":"2020-05-18T06:26:21","slug":"der-brennende-see","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/der-brennende-see\/","title":{"rendered":"DER BRENNENDE SEE"},"content":{"rendered":"<p><strong>John von D\u00fcffel: Der brennende See, Dumont Buchverlag, K\u00f6ln 2020, 319 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-8321-8122-2<\/strong><br \/>\n<code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B082352416\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B082352416&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=9400cdcf74e86595e47b4cb4fe36050d\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B082352416&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B082352416\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eAber seine Geschichte war nicht ihre Geschichte. Ihr Vater hatte nicht sich, sondern sie ausgel\u00f6scht. Die Entscheidung war immer schon da gewesen &#8211; ( \u2026 ) Hannah hatte sie nicht getroffen, sie war gefallen, ohne dass sie gefragt worden war.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Hannah sucht ihn wieder auf, den Ort ihrer Kindheit irgendwo in Brandenburg, aber auch die Wohnung ihres Vaters. Sonderlich nah stand sie ihm nicht, auch wenn sie nach der Scheidung der Eltern bei ihm gewohnt hatte. Er, ein Schriftsteller, hat sich nicht sonderlich um sie gek\u00fcmmert, es war auch ihr letztes Schuljahr vor dem Auszug. Und doch, er war ihr Vater, mit dem sie in aller Stille rauchen konnte und sich vielleicht doch verbunden f\u00fchlte. Hannah reist mit leichtem Gep\u00e4ck, das hat sie von ihrem Vater gelernt, dessen Wohnung spartanisch eingerichtet ist, obwohl er hier f\u00fcnfunddrei\u00dfig Jahre gelebt hat. Als Schriftsteller unterwarf er sich einer t\u00e4glichen Disziplin. Fr\u00fch aufstehen, bei jedem Wetter im Baggersee schwimmen, schreiben. Am Ende waren Pflegekr\u00e4fte da, die Hannah offenbar nicht kennengelernt hat. Sie wusste auch nicht, dass ihr Vater das Testament ge\u00e4ndert hat. Hannah erwartet kein gro\u00dfes Erbe, denn die B\u00fccher des Vaters verkauften sich zum Ende hin nicht besonders gut. Erstaunt registriert Hannah, die allein lebt, mittlerweile Mitte vierzig ist und als \u00dcbersetzerin arbeitet, dass ihr Vater eine Stiftung gr\u00fcnden wollte. Das finanzielle Polster erwartete sich der Vater vom Rechteverkauf seines vorletzten Buches, obwohl er sein letztes Buch \u201eDas Wolkenbuch\u201c, ein Stillleben der besonderen Art, eigentlich f\u00fcr viel bedeutender hielt. Doch die Filmfirma lie\u00df sich von ihm nicht umstimmen.<\/p>\n<p>Anwalt L\u00fcders, mit dem Hannah etwas hatte, versucht sie nun zu \u00fcberreden, dass sie das Testament nicht anfechtet und als Beraterin im Sinne ihres Vaters beim Film arbeiten k\u00f6nne. Hannah f\u00fchlt sich hintergangen. Nie ging es ihr um Geld oder ein reiches Erbe, sondern durch die Verkehrung der Ereignisse um die Frage: Warum hat der Vater sich so entschieden? Wer stand an seiner Seite und hat ihn umgestimmt?<br \/>\nIm Ort trifft Hannah ihre Jugendfreundin Vivien. Vivien lebt mit Mann Matthias und den Kindern Julia und Marvin wieder im Heimatort. Eigentlich wollten beide ein Pferdegest\u00fct mit Schulungszentrum aufziehen, aber daraus wurde nichts. Nun sollen direkt am See altersgerechte Wohnungen gebaut werden. Ja, der Baggersee. Er wird zum Zankapfel zwischen Matthias und dem Stadtrat. Dabei will Matthias den See nur retten, denn in Planung ist eine M\u00fcllkippe im See genau vor Matthias Grundst\u00fcck. Matthias sieht nur eine M\u00f6glichkeit, er will den See kaufen, denn die Angst vor Wasserknappheit und D\u00fcrre lassen ihn nicht schlafen. Nach und nach versteht Hannah auch, dass Julia engen Kontakt zu ihrem Vater hatte. Julia hat mit ihren sechzehn Jahren eine Umwelt-Gruppe gegr\u00fcndet, die ziemlich aggressiv vorgeht.<br \/>\nHannah n\u00e4hert sich der k\u00e4mpferischen Julia, die ihre eigene Mutter auf Distanz h\u00e4lt. Sie erkennt, dass Julia glaubt, sie sei die leibliche Tochter von Hannahs Vater.<\/p>\n<p><em>\u201eJulia war nicht wie sie in jung, aber wenn sie noch einmal jung w\u00e4re, w\u00fcrde sie gern Julia sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Den Roman zur rechten Zeit k\u00f6nnte man John von D\u00fcffels \u201eDer brennende See\u201c nennen. Der Autor und das Wasser, beides geh\u00f6rt auf eine bestimmte Weise zusammen.<br \/>\nDie Geschichte spielt in einem besonders hei\u00dfen April, die Wetterdaten stehen zu Beginn jedes Kapitels. Die Natur befindet sich durch die extremen Sommer im Ausnahmezustand und in einer Ver\u00e4nderungsphase, denn wie lange, so die Bef\u00fcrchtung des fiktiven Autors im Roman werden wir Wolken in all ihrer Pracht bewundern k\u00f6nnen?<br \/>\nNeben der Resignation vor wirtschaftlichen Entscheidungen steht aber auch der Mut, gegen die Zerst\u00f6rung der Natur vorzugehen. Die Widerspr\u00fcche unserer Zeit stehen ganz klar im Mittelpunkt und so sagte John von D\u00fcffel in einem Interview:<\/p>\n<p><em>\u201eWir wachsen in einem System auf, in dem wir viel leisten und viel konsumieren sollen. Und am besten danach ganz schnell sterben.\u201c <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John von D\u00fcffel: Der brennende See, Dumont Buchverlag, K\u00f6ln 2020, 319 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-8321-8122-2 \u201eAber seine Geschichte war nicht ihre Geschichte. Ihr Vater hatte nicht sich, sondern sie ausgel\u00f6scht. 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