{"id":3409,"date":"2020-04-15T14:13:59","date_gmt":"2020-04-15T12:13:59","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3409"},"modified":"2020-05-19T08:37:10","modified_gmt":"2020-05-19T06:37:10","slug":"je-tiefer-das-wasser","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/je-tiefer-das-wasser\/","title":{"rendered":"JE TIEFER DAS WASSER"},"content":{"rendered":"<p><strong>Katya Apekina: Je tiefer das Wasser, Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit, Suhrkamp Verlag, Berlin 2020, 396 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-518-42907-5<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3518429078\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3518429078&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=a091af5a8f810ea664b39bb10b475bbf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3518429078&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3518429078\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eIn jenem Fr\u00fchling war Dad das Einzige, was f\u00fcr mich z\u00e4hlte. Ich wollte ihm nur gefallen. Ich wollte st\u00e4ndig seine Aufmerksamkeit. Wenn seine Gedanken bei Mom waren- und das waren sie oft -, dann wurde ich eben Marianne.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Von einem Tag auf den anderen werden die Schwestern Edith und Mae 1997 von Louisiana nach New York verfrachtet. Zw\u00f6lf Jahre hat sich der Vater, Dennis Lomack, ein ber\u00fchmter Schriftsteller, nicht um seine Kinder gek\u00fcmmert. In ihrer Lesart, und die Mutter hat mit ihren Erz\u00e4hlungen dazu beigetragen, hat er sie wortlos verlassen. Die damals vierj\u00e4hrige Edith hat schmerzhafte Erinnerungen an die Sehnsucht nach dem Vater, Mae war zwei Jahre alt, als er ging. Marianne, die depressive Mutter der beiden M\u00e4dchen, eine begabte Lyrikerin, landet nach einem erneuten Selbstmordversuch in der Psychiatrie.<\/p>\n<p>Die amerikanische Autorin Katya Apekina blickt multiperspektivisch auf alle Figuren. Die Hauptfiguren Edith und Mae erz\u00e4hlen aus unterschiedlichen Zeiten, Edith ist nah am realen Geschehen und Mae berichtet aus der Erinnerung. Sie arbeitet als Fotografin und berichtet u.a. von ihren Ausstellungen. Im Original lautet der Titel des Buches <em>\u201eThe Deeper the Water the Uglier the Fish\u201c<\/em>. Je tiefer der Leser in die Geschichte eindringt, um so seltsamer und ja, ekliger wird es.<br \/>\nEdith f\u00e4hrt von Anfang an die Krallen gegen den Vater aus, von dem sie nach wie vor zutiefst entt\u00e4uscht ist. Er glaubt durch die pausenlose N\u00e4he zu den Teenagern, sie m\u00fcssen ihn sogar zum Postkasten begleiten, etwas von ihnen zu erfahren. Eingepfercht in die kleine, dicht mit B\u00fcchern voll gestellte Wohnung w\u00e4chst der Unmut Ediths und die wachsende Zuneigung Maes. Als gut aussehender Mann umschw\u00e4rmen Frauen den Autor, was die Schwestern nicht goutieren.<\/p>\n<p>Parallel zur Familienzusammenf\u00fchrung erf\u00e4hrt der Leser aus verschiedenen Quellen, Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und R\u00fcckblicken wie sich Dennis und Marianne kennengelernt haben, warum sie oder er sich voneinander entfernt haben und was andere Personen, z.B. Rose, die Schwester von Dennis, Fred, der einstige Freund von Dennis oder Doreen, die angebliche Freundin von Marianne denken. Ein Geflecht aus Abh\u00e4ngigkeiten offenbart sich und es wird klar, dass zwischen Dennis und Marianne eine symbiotische Beziehung bestand, die ihn inspirierte und sie zerst\u00f6rte. Als er seine k\u00fcnftige, traumhaft sch\u00f6ne Frau kennenlernte war sie neun oder zehn, mit siebzehn hat er sie mit einem Altersunterschied von f\u00fcnfzehn Jahren geheiratet.<br \/>\nMae ist das Abbild von Marianne, sie ist das geliebte Kind, Edith f\u00fchlt sich immer vernachl\u00e4ssigt.<br \/>\nMarianne hatte den M\u00e4dchen Briefe aus der Psychiatrie geschrieben.<\/p>\n<p><em>\u201eEigentlich war es kein Brief. Da stand kein \u201eliebe\u201c oder \u201eeure\u201c. Es war ein Gedicht. Wie raffiniert von Mom, so undurchsichtig mit uns zu kommunizieren und zu verlangen, dass wir errieten, was sie uns sagen wollte, als w\u00e4re sie eine schei\u00df Sylvia Plath.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Als Edith den Nachbarn Charlie in New York \u00fcberreden kann, mit ihr in den S\u00fcden, nach Hause zu fahren, gilt ihr erster Besuch der Mutter. Deren erste Frage betrifft Mae. Eine tiefe Entt\u00e4uschung f\u00fcr die \u00c4lteste, die immer Verantwortung \u00fcbernehmen musste.<br \/>\nMae indessen bleibt beim Vater. Dass dieser unter dem Zwang steht, seinen n\u00e4chsten Roman abzugeben und auch Geld zu verdienen ( Immerhin hat er die Familie auch in seiner Abwesenheit finanziert.) , kann sie nicht wissen. Auf eine seltsam p\u00e4dophile Art und Weise erwartet er von seiner j\u00fcngsten Tochter, dass sie ihn inspiriert, in Erinnerung an die Mutter. Als w\u00fcrden sich die Grenzen zwischen den Figuren aufl\u00f6se<\/p>\n<p>Doch der Vater ist nur ein Autor, der seine Umgebung mit seinem Charisma und seiner alle vergiftenden Kraft aussaugt, alles verarbeitet und Menschen hintergeht. Seine j\u00fcngste Tochter nimmt sich egoistisch kindisch, was sie schon immer ersehnte, einen liebenden Vater und dabei begibt sie sich in Gefahr.<br \/>\nDas Ende der Kindheit bedeutet f\u00fcr beide M\u00e4dchen Entwurzelung und Einblick in eine dysfunktionale Familie, die eigentlich nicht mal eine Familie ist.<\/p>\n<p>Fantastisch unterhaltsam geschriebener Seelenschmerz, wobei die Trag\u00f6die ausbleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katya Apekina: Je tiefer das Wasser, Aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit, Suhrkamp Verlag, Berlin 2020, 396 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-518-42907-5 \u201eIn jenem Fr\u00fchling war Dad das Einzige, was f\u00fcr mich z\u00e4hlte. Ich wollte ihm nur gefallen. 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