{"id":3371,"date":"2020-04-15T12:17:16","date_gmt":"2020-04-15T10:17:16","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3371"},"modified":"2020-04-15T12:17:16","modified_gmt":"2020-04-15T10:17:16","slug":"home-girl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/home-girl\/","title":{"rendered":"HOME GIRL"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alex Wheatle: Home Girl, Aus dem Englischen von Conny L\u00f6sch, Verlag Antje Kunstmann, M\u00fcnchen 2020, 253 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-95614-355-7<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3956143558\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3956143558&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=b30397950e96e03d708defc1aa5653de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3956143558&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3956143558\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eIch hatte mein Kuschelerdm\u00e4nnchen nicht dabei, aber ich wollte das, was Colleen, Tony und Louise hatten. Ein echtes Zuhause mit viel Liebe drin.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Wenn die vierzehnj\u00e4hrige Naomi Brisset etwas will, dann redet sie nicht lang herum, sondern fordert es in einem frechen wie respektlosen Ton. Sie wei\u00df, dass sie sich durchsetzen muss und niemand ihr etwas schenkt. Nat\u00fcrlich sind alle Pflegefamilien nur auf das Geld aus und die V\u00e4ter alle p\u00e4dophil. Freundin Kim hat schon recht, wenn sie behauptet, dass die Sozialarbeiterinnen viel Geld verdienen und ordentlich f\u00fcr ihre Klienten arbeiten sollten. Dabei verf\u00fcgt Louise, Naomis Betreuerin, sicher \u00fcber kein dickes Bankkonto. Naomi kann die Betten schon gar nicht mehr z\u00e4hlen, in denen sie bei fremden Leuten im englischen Ashburton geschlafen hat. Ins Heim m\u00f6chte sie jedoch auch nicht zur\u00fcck. Am liebsten w\u00e4re es Naomi, wenn sie eine eigene Wohnung bek\u00e4me. Immerhin hat sie sich um ihren Vater gek\u00fcmmert, nachdem ihre depressive Mutter sich vor vier Jahren umgebracht hat. Allerdings ist, niemand wei\u00df, wo er sich aufh\u00e4lt, Naomis Vater ein gewohnheitsm\u00e4\u00dfiger Trinker. Um an Lebensmittel und Alkohol zu gelangen, hat er mit Naomi in Gesch\u00e4ften geklaut.<br \/>\nZur Schule geht das M\u00e4dchen in einer Sondereinrichtung und wenn sie den Mund \u00f6ffnet, dann wird klar, dass sie nicht viel gelernt hat. An der Tagesordnung sind an Naomis Schule doch eher Gewaltausbr\u00fcche als Unterrichtstunden mit Substanz.<\/p>\n<p>Louise will nun, dass Naomi vor\u00fcbergehend bei der schwarzen Familie Golding wohnt. F\u00fcr Naomi kein Problem, so lange sie in ihrem Zimmer einen Fernseher und einen DVD-Player vorfindet und Tony Golding unten bleibt, wenn sie oben im Haus duscht. Zu den Goldings geh\u00f6ren noch zwei adoptierte schwarze Kinder, Sharyna und Pablo. Beide sind j\u00fcnger als Naomi und somit f\u00fchlt sie sich manchmal wie eine \u00e4ltere Schwester. Als sie ihnen jedoch einen absolut gruseligen Horrorfilm zumutet, gibt es erste Streitereien mit Tony. Colleen kann etwas schlichten, aber Naomi versteht die Aufregung nicht, denn f\u00fcr sie sind diese Art Filme ihr Unterhaltungsprogramm seit Kindertagen.<\/p>\n<p>Naomi ist keine Sympathietr\u00e4gerin, sie ist vulg\u00e4r, laut und vor allem distanzlos. All ihre Gedanken kreisen um Sex zwischen Erwachsenen und auch Jugendlichen in einer unertr\u00e4glichen F\u00e4kalsprache. So ist eine der ersten Fragen, die sie an ihre neue Pflegemutter stellt, ob der Geschlechtsverkehr mit ihrem Mann nicht wehtun w\u00fcrde. Colleen bleibt erstaunlich ruhig und versucht mit dem Kind, dass offenbar trotz Kuscheltier Erdm\u00e4nnchen keines mehr ist, \u00fcber Liebe zu sprechen. Andererseits plagen Naomi die Erinnerungen an das blut\u00fcberstr\u00f6mte Bad, in dem ihre Mutter gefunden wurde und die Sehnsucht nach ihrem Vater. Ab und zu besucht Naomi ihre Nan, ihre Urgro\u00dfmutter, die allerdings an Demenz leidet.<\/p>\n<p>Colleen und Tony finden \u00fcber Gespr\u00e4che langsam Kontakt zu ihrer Pflegetochter. Auch Colleen kennt das Leben im Heim. Louise stellt Naomi dann Susan Hamilton vor, eine wohlhabende Frau mit Architekten-Ehemann, die in sozialen Einrichtungen gearbeitet hat. Leider geht das Wochenende bei Susan v\u00f6llig schief, denn sie kann Naomi nicht so nehmen wie ist. Sie versucht ihr einzureden, dass alle beruflichen T\u00fcren f\u00fcr sie offen st\u00fcnden. Dabei m\u00f6chte Naomi nur tanzen und bei niemandem wohnen, der etwas von ihr fordert.<\/p>\n<p>Als Ich-Erz\u00e4hlerin l\u00e4sst Naomi den Leser nah an sich heran. Er versteht, dass sie Erwachsenen nicht mehr trauen kann und nur auf ihre lesbische Freundin Kim h\u00f6rt, die wiederum mit ihrer eifers\u00fcchtigen Freundin Auseinandersetzungen hat. Dass Naomi in einer Familie leben soll, die nicht schwarz ist, kann Louise nicht genau begr\u00fcnden. Als Naomi sich Z\u00f6pfe wie schwarze M\u00e4dchen flechten l\u00e4sst, entbrennt in der Schule eine eklatante Wuttirade eines schwarzen M\u00e4dchens gegen Naomi.<br \/>\nAuch in Tonys Familie kocht ein Konflikt erneut hoch. Tonys Vater hatte nach seiner Ankunft in Gro\u00dfbritannien genau zu sp\u00fcren bekommen, dass er als Farbiger f\u00fcr die Mehrheitsgesellschaft minderwertig ist. F\u00fcr ihn hat sich nach dieser tiefen Dem\u00fctigung die Welt nicht weitergedreht. Er ist nach wie vor der Meinung, dass eine Wei\u00dfe immer ein besseres Leben h\u00e4tte als er, auch Naomi. Als Naomi den Freundinnen von Tonys Vater und seinen Ansichten erz\u00e4hlt, ist allen klar, wer der Rassist ist. Naomi kann nicht mehr bei den Goldings bleiben.<\/p>\n<p>Alex Wheatle rei\u00dft viele soziale und ethnisch relevante Themen an, die in der englischen Gesellschaft offensichtlich von Bedeutung sind. Es ist eine Gradwanderung, auf die sich der Autor mit seiner tempo- und dialogreichen Handlung begibt, die zwar hoffnungsfroh endet, aber bei allen Erfahrungen nicht realistisch ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alex Wheatle: Home Girl, Aus dem Englischen von Conny L\u00f6sch, Verlag Antje Kunstmann, M\u00fcnchen 2020, 253 Seiten, \u20ac18,00, 978-3-95614-355-7 \u201eIch hatte mein Kuschelerdm\u00e4nnchen nicht dabei, aber ich wollte das, was Colleen, Tony und Louise hatten. 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