{"id":3362,"date":"2020-03-20T15:01:29","date_gmt":"2020-03-20T14:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3362"},"modified":"2020-03-20T15:01:29","modified_gmt":"2020-03-20T14:01:29","slug":"darueber-reden-wir-spaeter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/darueber-reden-wir-spaeter\/","title":{"rendered":"DAR\u00dcBER REDEN WIR SP\u00c4TER"},"content":{"rendered":"<p><strong>Cornelia Achenbach: Dar\u00fcber reden wir sp\u00e4ter, Wunderraum by Wilhelm Goldmann Verlag, M\u00fcnchen 2020, 226 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-336-54817-0<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B07ZTG61K5\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B07ZTG61K5&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=5175650b51ec8af8bd40646552ee46d0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B07ZTG61K5&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B07ZTG61K5\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eUnd das wirft sie sich in manchen Momenten vor. Nicht mutig genug gewesen zu sein. Das Leben einfach abgesessen zu haben und sich am Ende fragen zu m\u00fcssen, was ihr wohl entgangen sein mag.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Um Margrets Leben dreht sich dieser schmale Roman, um ein Hausfrauendasein mit Teilzeitjob, H\u00e4uschen, Mann und zwei Kindern, die allerdings bereits das Zuhause verlassen haben. Anna arbeitet als Volont\u00e4rin, Journalistin und Michael geht seiner Arbeit als Augenarzt in Hamburg nach.<br \/>\nAls Gert, Margrets Mann, einen Schlaganfall im Garten erleidet, sorgt der Nachbar f\u00fcr schnelle Hilfe. Nun liegt der in den letzten Jahren wortkarg gewordene Gert im Koma und Margret sp\u00fcrt verunsichert ihren Gef\u00fchlen nach:<\/p>\n<p><em>\u201eDa ist nur eine Leere, ein Hohlraum, in dem man sich verlieren kann. Sie ruft in sich hinein, aber nichts kommt zur\u00fcck.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ihr Bruder Bernhard f\u00e4hrt mit teurem Auto vor, will der j\u00fcngeren Schwester zur Seite stehen und bringt ihr auch noch den Erinnerungskoffer ihrer Mutter. Der Sohn hat alles Pers\u00f6nliche nach dem Tod der Mutter zusammengetragen, inklusive der wenigen Aufzeichnungen. Die \u00e4lteste Schwester Ingrid hat den Kontakt zur Familie generell abgebrochen. Nur mit dem Neffen Michael tauscht sie E-Mails.<\/p>\n<p>Margret wandert nun in ihren Gedanken in die Vergangenheit zur\u00fcck, sie rekonstruiert das schwierige Leben ihrer Mutter in den Kriegszeiten, die eigene Kindheit und sie trauert melancholisch verpassten Momenten hinterher. Dass sie mit Gert, der als Forstwirt arbeitete, auf dem toten Gleis H\u00e4uschen mit Zaun an einem Wendehammer enden w\u00fcrde, war eigentlich vorauszusehen. Trotz aller Freiheiten entschieden sich viele in dieser Generation f\u00fcr den materiellen Wohlstand und die Sicherheit. Was h\u00e4tte anderes passieren k\u00f6nnen? Als Germanistikstudentin hat sie nach der ersten Schwangerschaft trotz Aufmunterungen und Unterst\u00fctzungen des Ehemannes, was sicher im sch\u00f6nen Schwarzwald um diese Zeit nicht konform mit der Meinung der Mehrheit ging, ihre Doktorarbeit nie beendet. Das zweite Kind kam und um finanziell auch etwas beizutragen, hat Margret eine Teilzeitstelle in einem Spielwarenladen angenommen. Nur ein Mann, Andreas, Literaturdozent an der Uni, hatte Bedeutung f\u00fcr sie, obwohl sie nie richtig verstanden hat, warum. Es kam nie zu intimer N\u00e4he und doch verband die beiden etwas, was ihn nach Margrets zweiter Schwangerschaft nicht mehr interessierte. Zur Beerdigung seiner Mutter n\u00e4hert sich Margret diesem Mann nach drei\u00dfig Jahren und erlebt eine bittere Entt\u00e4uschung. Ein schmales Novellen-B\u00fcchlein hatte Margret mit Andreas&#8216; Hilfe ver\u00f6ffentlicht, immer war sie zu zaghaft, zu feige, um einen weiteren Roman zu schreiben, eine echte berufliche Karriere zu beginnen.<\/p>\n<p>Beim Lesen schwankt der Leser zwischen Sympathie und Antipathie f\u00fcr diese passive Hauptfigur, die beobachtend ihre Umgebung beschreibt, aber nie etwas f\u00fcr sich selbst einfordert oder umsetzt. Warum sie sich diesen schmerzlichen Trip in vergangene unwiderrufliche Zeiten antut, bleibt offen. Der Sohn heiratet, sie kennt die Schwiegertochter kaum. Die Tochter hat einen Freund, einen Schriftsteller. Sie liest sein Buch und ist doch distanziert.<br \/>\nWarum verlieren sich die Familienmitglieder so aus den Augen? Warum finden keine Gespr\u00e4che zwischen den Eheleuten statt und vor allem, warum nehmen sie sich keine Zeit zum gedanklichen Austausch? Wenn gesagt wird, das bereden wir sp\u00e4ter, wird es in den meisten F\u00e4llen, nie getan.<\/p>\n<p>In vielen Momenten beschreibt Cornelia Achenbach mit ihrer klaren unverstellten Erz\u00e4hlweise ganz genau die Tiefen des Alltagslebens, was schmerzt. Wenn etwas ausgesprochen wird, dann f\u00fchrt es in der Familie von Margret zu pers\u00f6nlichen Verletzungen. So spricht Gert kein Wort mehr mit der Tochter, nachdem diese ihm seine <em>\u201eGeschw\u00e4tz\u201c<\/em> \u00fcber Politik vorgeworfen hat. Auch Margret braucht die innere Stimme, um \u00fcber sich nachdenken zu k\u00f6nnen. Mag Ingrid am Ende \u00fcber vieles reden, den inneren Konflikt, den Margret mit sich austr\u00e4gt, wird sie nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Warum \u00fcberwiegt das Ungesagte in dieser Nachkriegsfamilie und nicht die positiven Augenblicke? Gew\u00fchlt wird immer nur im Negativen, in Erinnerungen, in denen es um Zur\u00fcckweisung, Gewalt oder Ablehnung geht. Sogar der eigene Bruder offenbart der Schwester nicht die Wahrheit \u00fcber sein eigenes Schicksal und das seiner Frau.<\/p>\n<p>Tiefgr\u00fcndige, lohnenswerte Lekt\u00fcre, die noch lang nachklingt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cornelia Achenbach: Dar\u00fcber reden wir sp\u00e4ter, Wunderraum by Wilhelm Goldmann Verlag, M\u00fcnchen 2020, 226 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-336-54817-0 \u201eUnd das wirft sie sich in manchen Momenten vor. Nicht mutig genug gewesen zu sein. 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