{"id":3350,"date":"2020-03-20T14:13:41","date_gmt":"2020-03-20T13:13:41","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3350"},"modified":"2020-03-20T14:13:41","modified_gmt":"2020-03-20T13:13:41","slug":"die-langen-abende","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-langen-abende\/","title":{"rendered":"DIE LANGEN ABENDE"},"content":{"rendered":"<p><strong>Elizabeth Strout: Die langen Abende, Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth, Luchterhand Literaturverlag, M\u00fcnchen 2020, 349 S., <\/strong><strong>\u20ac 20,00, 978-3630-87529-3<\/strong><br \/>\n<code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B07ZTFCCC3\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B07ZTFCCC3&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=ceb04a2ced7062ad01fc87a020770e83\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B07ZTFCCC3&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B07ZTFCCC3\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eSie setzte sich Andrea gegen\u00fcber, obwohl sie aus dem Ausdruck des M\u00e4dchens Ablehnung herauszulesen meinte. Aber Olive war alt, sie hatte zwei Ehem\u00e4nner begraben, was scherte sie so etwas? Keinen Pfifferling scherte es sie.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Mit dem Roman <em>\u201eOlive Kitteridge\u201c<\/em> gewann die US-Amerikanerin Elizabeth Strout 2009 den renommierten Pulitzer-Preis. Elf Jahre sp\u00e4ter schreibt sie eine Fortsetzung.<\/p>\n<p>Die ziemlich korpulente Olive Kitteridge ist als Mathematiklehrerin l\u00e4ngst pensioniert, sie hat den fetten, tief gefallenen Jack Kennison, einst Professor in Harvard, geheiratet. Acht Jahre haben die beiden mal mehr mal weniger harmonisch miteinander gelebt. Zu alt, um sich noch etwas vorzumachen, sagt Olive Kitteridge allen auf den Kopf zu, was sie denkt. Dabei kann sie so widerspr\u00fcchlich sein, dass man beim Lesen nicht schlau aus ihr wird. Mal ist sie extrem r\u00fccksichtslos, hartherzig, geizig, unsympathisch, aber dann auch wieder mitf\u00fchlend, sensibel und liebenswert burschikos. Auch Jack hat sich entschlossen, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Er ruft seine lesbische Tochter Cassie an und outet sich als <em>\u201eegozentrisches Arschloch\u201c<\/em>. Die Sorgen um die Kinder verbinden Jack und Olive und die Liebe zu den langen Abenden in Maine. Als Olives Sohn Christopher endlich mit seiner neuen Familie von New York nach Maine, Crosby, reist, benimmt sich Olive unglaublich gemein und lieblos, was sie selbst gar nicht bemerkt. Sie grenzt die beiden Kinder, die Christophers Frau Ann in die Ehe mitgebracht hat, einfach aus. Sie beachtet und beschenkt ihren Enkelsohn Henry, benannt nach ihrem ersten Mann. Das zweite Enkelkind ist noch ein Baby und in Olives Armen \u00e4u\u00dferst ungl\u00fccklich. Als Olive sich endlich traut ihrem Sohn zu sagen, dass sie heiraten will, flippt dieser total aus. Ann weist ihn darauf hin, dass er sich nicht so kindisch benehmen soll und Olive erkennt, wie viele Gemeinsamkeiten sie mit ihrer Schwiegertochter, die sie doch eigentlich auch nicht mag, verbinden.<\/p>\n<p>In Innen- und Au\u00dfenperspektiven betrachten unterschiedliche Figuren Olive in all ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit. Um nicht nur Olives Leben zu umkreisen, \u00f6ffnet Elizabeth Strout im K\u00fcstenort viele T\u00fcren und l\u00e4sst den Leser an den Schicksalen der Bewohner mit ihren Unzul\u00e4nglichkeiten und Schw\u00e4chen teilhaben. Es gibt wenig zu lachen, ganz im Gegenteil, die meisten Familiengeschichten erz\u00e4hlen von Einsamkeit, Demenz, Verletzungen, Entt\u00e4uschungen, Benachteiligungen und auch innerer Armut.<br \/>\nMal taucht Olive in den Geschichten auf, mal stehen die Personen f\u00fcr sich. Gegen das Leben in der Provinz setzt die Autorin die Weltstadt New York. Leben in Maine die offenbar geistig umnachteten Leute, die den gegenw\u00e4rtigen Pr\u00e4sidenten w\u00e4hlen, was Olive auf die Palme bringen kann, so kommt aus New York, z.B. der reiche Bruder Jim mit seiner Frau Helen, die zu viel trinkt, und in der beengten, armseligen Wohnung von Bob und Margaret st\u00fcrzt und sich den Arm und zwei Rippen bricht. Nach diesem Besuch wird nur noch Bob einmal im Jahr seinen Bruder Jim besuchen.<\/p>\n<p>Zeitlich l\u00e4sst die amerikanische Autorin die Jahre vergehen und auch Olive wird \u00e4lter, aber nicht weiser. Sie erlebt die peinliche Begegnung zwischen Jack und seiner viel j\u00fcngeren einstigen Mitarbeiterin an der Universit\u00e4t, die durch ihn Karriere machen wollte. Als sie nicht das erreichen konnte, was sie anstrebte, hat sie Jack des sexuellen Missbrauchs bezichtigt und damit seine berufliche Laufbahn und erste Ehe zerst\u00f6rt. Olive kann nicht an sich halten und sagt, was sie \u00fcber diese Frau denkt. Nach diesem Gespr\u00e4ch hasst Jack nicht nur sich selbst, sondern auch seine zweite Frau.<br \/>\nEs bleiben viele Leerstellen, die der Leser mit eigenen Gedanken \u00fcber die Menschen in Maine f\u00fcllen kann. Die Weite des Meeres \u00f6ffnet nicht automatisch alle Herzen, aber der Ort kann Heimat werden.<br \/>\nWortkarg, z\u00e4nkisch, fehlbar und nachtragend sind viele Figuren in diesen so eindringlichen, wie realistischen Geschichten. Und auch Olive muss die Wahrheit ertragen, nachdem sie eine der wenigen ber\u00fchmten Menschen aus Maine, die sogar in ihrer Klasse war, getroffen hat. Andrea L&#8217;Rieux ist nicht nur eine bekannte Lyrikerin, sie hat sogar den letzten Pr\u00e4sidenten getroffen.<br \/>\nAls Olive ein Gedicht \u00fcber sich zu lesen bekommt, stockt ihr der Atem.<br \/>\nGemein k\u00f6nnen auch andere sein.<\/p>\n<p>Ohne Besch\u00f6nigungen schaut Elizabeth Strout als genaue Erz\u00e4hlerin auf Lebensl\u00fcgen, Zweifel und<br \/>\nLeidensf\u00e4higkeit. Sie zeigt, wie ihre Figuren aufrecht mit dem Schicksal ringen oder sich einfach aus dem Staub machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elizabeth Strout: Die langen Abende, Aus dem Amerikanischen von Sabine Roth, Luchterhand Literaturverlag, M\u00fcnchen 2020, 349 S., \u20ac 20,00, 978-3630-87529-3 \u201eSie setzte sich Andrea gegen\u00fcber, obwohl sie aus dem Ausdruck des M\u00e4dchens Ablehnung herauszulesen meinte. Aber Olive war alt, sie&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-langen-abende\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3350"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3350"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3350\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3352,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3350\/revisions\/3352"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3350"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3350"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3350"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}