{"id":3325,"date":"2020-02-24T13:51:20","date_gmt":"2020-02-24T12:51:20","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3325"},"modified":"2020-02-26T10:13:47","modified_gmt":"2020-02-26T09:13:47","slug":"bis-wieder-einer-weint","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/bis-wieder-einer-weint\/","title":{"rendered":"BIS WIEDER EINER WEINT"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eva Sichelschmidt: Bis wieder einer weint, Rowohlt Verlag \/ Hundert Augen, Hamburg 2020, 476 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-498-06293-4<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/349806293X\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=349806293X&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=1806cd8134f01d7fd5a369874ea22ffe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=349806293X&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=349806293X\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eDer Tagesablauf im gro\u00dfelterlichen Haushalt, die festen Essenszeiten und alten Rituale, in diesem Ger\u00fcst heilten die Alltagswunden \u00fcber das Wochenende ab. Doch der innere Frieden hielt immer nur bis zum Abschiedskuss. Dann ging der Belagerungszustand aus schlechten Noten, den Anfeindungen der Klassenkameraden und Vaters willk\u00fcrliche Bestrafungen und unvorhersehbaren, mich \u00fcberfordernden Liebesbekundungen wieder von vorn los.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Suse bekommt vom Gro\u00dfvater, wenn er sich seinen Mittagsschlaf genehmigt, ein St\u00fcck Kinderschokolade. Dabei mag sie diese gar nicht mal so sehr. Die Schnapspralinen, die der Opa isst, schmecken ihr viel besser. Der Gro\u00dfvater, der als Augenarzt arbeitet, legt sich ohne Hose, aber mit Hemd ins Bett. Er bewegt sich kaum beim Schlafen, damit das Hemd nicht knittert. Wenn der Gro\u00dfvater von Suse redet, spricht er immer vom <em>Es,<\/em> eine ungew\u00f6hnliche Art und Weise mit nahestehenden Menschen umzugehen. Es sind diese kleinen Details, die beim Lesen dieses Roman einfach im Ged\u00e4chtnis haften bleiben. Die Gro\u00dfeltern von Suse lieben das Ritual des Kaffeetrinkens, das abendliche Fernsehen und die Ruhe im Besonderen.<\/p>\n<p>Eva Sichelschmidt erz\u00e4hlt in ihrem Roman aus zwei Perspektiven, die in sich verschachtelt sind und doch chronologisch aufeinander zulaufen. Zum einen berichtet Suse aus der Ich-Perspektive von ihrer wechselvollen Kindheit bei den Gro\u00dfeltern in einer Kleinstadt. Erst als sie schulreif ist, muss sie beim fremden Vater, der eine Firma leitet, und der garstigen sieben Jahre \u00e4lteren Schwester Asta leben. Auf der zweiten Erz\u00e4hlebene geht es in der Adenauer-Zeit um das Kennenlernen und die wenigen Ehejahre vom wohlhabenden Wilhelm und der bildsch\u00f6nen Inga, den Eltern von Suse und Asta. Inga wird mit drei\u00dfig Jahren an Leuk\u00e4mie sterben. Da ist Suse gerade mal zehn Monate alt. In finanziell sicheren Verh\u00e4ltnissen landet Inga allerdings in einer langweiligen Ehe.<\/p>\n<p><em>\u201eLetzten Sommer hat sie den ersten Platz bei der Wahl der &#8218;Miss sch\u00f6nsten Beine&#8216; belegt und als Preis acht Paar Feinstrumpfhosen der Marke Triumph nahtlos mit nach Hause genommen. Doch nicht nur ihr Liebreiz, neuerdings Charme genannt, ist es, was Wilhelm begeistert. Ihr Vater hat studiert. Sie stammt aus einem Arzthaushalt, in dem man klassische Musik h\u00f6rt und nicht den Wetterbericht. Sie sind f\u00fcreinander mehr als nur eine gute Partie. Sie hat den Stil und er das Geld.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wilhelm baut fernab von seiner Mutter, die einer Freikirche angeh\u00f6rt, ein neues Haus. Inga und die Schwiegermutter k\u00f6nnen sich nicht ausstehen, Inga verliert durch Wilhelms l\u00e4ssigem Umgang in Erziehungsfragen den Kontakt zu ihrer Tochter Asta. Alle Hoffnungen setzt Inga nun auf das zweite Kind und muss sterben.<\/p>\n<p>Suse sp\u00fcrt die Liebe der Gro\u00dfmutter, aber \u00fcber Gef\u00fchle spricht niemand. Immer wenn die Gro\u00dfmutter verunsichert ist, reagiert sie besonders streng. Suse muss in ihrer Kindheit Ohrfeigen, Pr\u00fcgel von \u00e4lteren Kindern und sogar die Schl\u00e4ge des sp\u00e4teren Freundes vom Vater ertragen. Nie setzen sich die Erwachsenen f\u00fcr das eigenwillige Kind ein, immer wird Suse, auch vom Vater, vermittelt, dass sie die Schuldige in jeder Situation ist. Offenbar an Legasthenie leidend, greift niemand ein, als klar wird, wie schwer Suse es in der Schule hat. Oft allein gelassen, bedient sich Suse beim Alkohol. Immer wenn sie Vertrauen zu Erwachsenen fasst und Zuneigung erhofft, wird sie vor den Kopf gesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch das Leben mit den Gro\u00dfeltern ist gekennzeichnet von rigiden Regeln und Erwartungen, die Suse nicht erf\u00fcllen kann. Spannend ist dieser Blick auf den Umgang mit Kindern, die nebenher laufen und sich den Regeln der Erwachsenen ohne lange Diskussionen unterzuordnen haben. Niemand fragt sie nach ihren W\u00fcnschen und so suchen sie sich die Freir\u00e4ume und Verbotszonen. V\u00f6llig fremd ist den Gro\u00dfeltern Enkelin Asta, die diese feindlich wie Fremde behandelt. Auch das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Vater Wilhelm und den Schwiegereltern ist nicht herzlich. Ohne das Kind darauf vorzubereiten, muss Suse ab der ersten Klasse beim Vater, dessen Launen und L\u00fcgen f\u00fcr den Leser unerkl\u00e4rlich bleiben, wohnen. Dass er ein Geheimnis h\u00fctet, ahnt das Kind schon lang.<br \/>\nGepr\u00e4gt ist die Kindheit von Suse aber auch durch den Medikamentenmissbrauch des Vaters und seine Unf\u00e4higkeit, die Firma durch Krisen zu f\u00fchren. Immer ist der Bruder von Wilhelm, Albert, der bessere Sohn, obwohl sich dieser nie um die Mutter k\u00fcmmert. Suse wird an den Wochenenden bei den Gro\u00dfeltern nie verlauten lassen, wie schwer ihr Leben in der Woche mit dem unberechenbaren Vater, der ab und zu gemeinen Asta und den Qu\u00e4lereien in der Schule ist.<\/p>\n<p>Bereits Inga sp\u00fcrte, dass Wilhelm sie mit L\u00fcgen abspeiste und von angeblichen Reisen nach Kanada erz\u00e4hlte. Dabei hielt er sich mit seinem Freund Uli in der Stadt auf.<br \/>\nZwischen einem Leben in der Villa des Vaters, ausreichend Alkohol und Einsamkeitsgef\u00fchlen schwankt Suses Leben hin und her. Wenn sie keine Freundin hat, dann behauptet der Vater, es m\u00fcsse ja an ihr liegen. Seltsam starr wirken all diese Lebensmodelle in der Adenauer-Zeit und auch sp\u00e4ter. Die Geheimnisse l\u00fcften sich langsam im Laufe der Handlung, als die homosexuellen Neigungen des Vaters und sein Hang zu Depressionen nicht mehr verborgen bleiben. Nur das schwesterliche Verh\u00e4ltnis zwischen Asta und Suse wendet sich zum Positiven.<br \/>\nAm Ende ist der Vater gestorben, das gesamte Verm\u00f6gen dahin und die dysfunktionale Familie v\u00f6llig zerfallen. Aus dem Innenleben geschildert, besticht Eva Sichelschmidt durch die detailgenauen Beschreibungen der Familienszenen, die widerspr\u00fcchlichen und doch auch liebenswerten Figuren, die sicher auch autobiografisch eingef\u00e4rbt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eva Sichelschmidt: Bis wieder einer weint, Rowohlt Verlag \/ Hundert Augen, Hamburg 2020, 476 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-498-06293-4 \u201eDer Tagesablauf im gro\u00dfelterlichen Haushalt, die festen Essenszeiten und alten Rituale, in diesem Ger\u00fcst heilten die Alltagswunden \u00fcber das Wochenende ab. 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