{"id":3254,"date":"2019-11-10T07:25:42","date_gmt":"2019-11-10T06:25:42","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3254"},"modified":"2019-11-10T07:25:42","modified_gmt":"2019-11-10T06:25:42","slug":"emily-allein-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/emily-allein-2\/","title":{"rendered":"Emily, allein"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stewart O&#8217;Nan: Emily, allein, Aus dem Englischen von Thomas Gunkel, TB,  Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2012, 384 Seiten \u20ac9,99, 978-3-499-25629-5<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B008FG1FRI\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B008FG1FRI&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=955eb4e17becd1804555680d82c79964\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B008FG1FRI&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B008FG1FRI\" border=\"0\"><\/code><br \/>\n<em><br \/>\n\u201eSie dachte, es sollte mehr Dinge geben, f\u00fcr die man lebte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wie ist es, wenn die Kinder und die bereits erwachsenen Enkelkinder nicht in der N\u00e4he wohnen, der Ehemann und die beste Freundin gestorben sind und nun Zeit bleibt f\u00fcrs Nachdenken und allein sein in einer beschaulichen, sozial intakten Wohngegend in Pittsburgh bleibt?<\/p>\n<p>Die 80-j\u00e4hrige Emily Maxwell, finanziell abgesichert, st\u00fcrzt sich nicht auf ihre Krankheiten, sondern umsorgt ihren uralten Hund Rufus mit Liebe und Humor, geht mit ihrer Schw\u00e4gerin Arlene, einer \u00e4u\u00dferst schlechten wie kurzsichtigen Autofahrerin, zu Ausstellungen, in die Kirche oder zu Seniorenbrunches. Sie l\u00e4sst sich von der umg\u00e4nglichen Betty im Haushalt helfen, den sie allein nicht mehr bew\u00e4ltigen w\u00fcrde. Die alte Frau ist in der kirchlichen Gemeinde eingebunden, obwohl sie in letzter Zeit mehr zu Beerdigungen gehen muss als gewollt und erkennt, dass sie bald im Bekanntenkreis die letzte sein wird. Als Arlene einen Schw\u00e4cheanfall erleidet und ins Krankenhaus eingeliefert wird, beschlie\u00dft Emily, den 25 Jahre alten Wagen von Henry, ihrem Ehemann, aus der Garage fahren zu lassen und sich einen neuen kleinen Subaru anzuschaffen. Das gibt ihr Auftrieb und sie ist pl\u00f6tzlich wieder beweglich und nicht mehr von Arlene, obwohl sie sowieso vieles zusammen unternehmen, abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Geistig auf der H\u00f6he und interessiert an allem was geschieht, f\u00fchlt sie Emily allerdings aufs Abstellgleis geschoben. Diejenigen, um die sie sich sorgt und ernsthaft Gedanken macht, wollen kaum etwas h\u00f6ren, was sie zu sagen hat. Auch wenn sie die Hypotheken ihrer Tochter Margaret zahlt, hat sie kaum Anteil an ihrem Leben. Margaret, das Sorgenkind, die trockene Alkoholikerin besucht die Mutter mit den Enkelkindern \u00fcber Weihnachten. Doch alle Vorfreude schwindet als klar wird, wie gro\u00df die Distanz zwischen Mutter und Tochter bereits geworden ist. Emily erinnert sich an ihre Tochter als das m\u00fcrrische, dickliche Kind, das st\u00f6rrisch geblieben ist bis in die Pupert\u00e4t. Nachdem sie ihr Studium geschmissen hat, Ehe, Kindererziehung und Scheidung hinter sich hat, hangelt sie sich nun von einem Job zum n\u00e4chsten.<br \/>\nEmily will unbedingt die letzten Dinge regeln, wenn sie mal nicht mehr ist. Ihr Sohn Kenneth, der es allen recht machen will, ist nur am Telefon pr\u00e4sent und speist sie mit  freundlichen Antworten ab. Zu Lisa, ihrer Schwiegertochter, hat sie eher ein gespanntes Verh\u00e4ltnis, denn sie ist diejenige, die fast nie mit ihr spricht. Die Kommunikation mit den Enkeln pl\u00e4tschert so dahin. Ihre Lieblingsenkelin entpuppt sich als Lesbe und auch an ihrem Leben wird Emily, bei aller tiefen Zuneigung, wenig Anteil haben. Emily erkennt, die Zeit, in der sie noch einen Spielraum f\u00fcr Illusionen hatte, ist endg\u00fcltig vorbei.<br \/>\nBleibt die Sorge um Rufus, der immer dicker wird. Emilys Radius wird immer kleiner, weniger Freunde, eine sich ver\u00e4ndernde Wohnumgebung, immer mehr Fremdes.<br \/>\nEmily als treue Republikanerin hadert mit den Wahlen, h\u00e4lt Barack Obama f\u00fcr einen Platit\u00fcdenredner und kann sich auch f\u00fcr ihren Kandidaten nicht erw\u00e4rmen.<br \/>\nSie geh\u00f6rt zu der Generation, die noch ein \u00fcbersichtliches, abgesichertes Leben f\u00fchren wird. Ihre Kinder und Kindeskinder werden eine andere Zukunft erleben. Nichts Au\u00dferordentliches geschieht an den Tagen, die beschrieben werden, es wird auch nichts Ereignisreiches passieren. Der Sommer kommt und Emily kann im Garten werkeln. Ein Lichtblick, dem als Highlight in Emilys Leben die kurzen Besuche der Kinder, die Telefonate folgen. Emily hadert nicht, macht sich nichts vor, sie wei\u00df, was sie erwartet: Einsamkeit und Perspektivlosigkeit.<\/p>\n<p>Stuart O&#8217;Nan versetzt sich einf\u00fchlsam in die Situation seiner hochbetagten, aber noch r\u00fcstigen Protagonistin und schafft es, den Leser atmosph\u00e4risch ganz nah und fast f\u00fchlbar an Emilys unaufgeregtes, zwischen Melancholie und Selbstironie schwankendes Leben heranzuf\u00fchren. Er entwickelt seine Figur aus ihrem Inneren heraus, versetzt den Leser in eine fast kontemplative Stimmung und l\u00e4sst ihn teilhaben an Emilys t\u00e4glichen M\u00fchen, den Listen, die sie schreibt, den Erinnerungen an l\u00e4ngst vergangene gute, aber auch nicht mehr gut zu machende Entscheidungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stewart O&#8217;Nan: Emily, allein, Aus dem Englischen von Thomas Gunkel, TB, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2012, 384 Seiten \u20ac9,99, 978-3-499-25629-5 \u201eSie dachte, es sollte mehr Dinge geben, f\u00fcr die man lebte.\u201c Wie ist es, wenn die Kinder und die&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/emily-allein-2\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3254"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3254"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3256,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3254\/revisions\/3256"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}