{"id":3236,"date":"2019-11-10T06:40:40","date_gmt":"2019-11-10T05:40:40","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3236"},"modified":"2019-11-10T06:40:40","modified_gmt":"2019-11-10T05:40:40","slug":"das-letzte-rote-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-letzte-rote-jahr\/","title":{"rendered":"Das letzte rote Jahr"},"content":{"rendered":"<p><strong>Susanne Gregor: Das letzte rote Jahr, Frankfurter Verlagsanstalt, Franfurt a.Main 2019, 224 Seiten, \u20ac22,00 , 978-3-627-00263-3 <\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B07RWRG81P\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B07RWRG81P&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=e2a6723b42c618cff955de466cd5b0e4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B07RWRG81P&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B07RWRG81P\" border=\"0\"><\/code><br \/>\n<em><br \/>\n\u201e&#8230;. , genauso wie ich Ritas inneren R\u00fcckzug f\u00fcrchtete und Slavkas Gef\u00fchle f\u00fcr Genosse Blan\u00edk, am liebsten h\u00e4tte ich uns drei in eine Zeitkapsel gesperrt, in der wir f\u00fcr immer die Kinder blieben, die zusammen in die Schule gingen und auf dem Spielplatz Handstand \u00fcbten und denen es nichts ausmachte, wenn ihnen dabei der Rock \u00fcber den Kopf fiel.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Rita, Slavka und die Erz\u00e4hlerin Mi\u0161a sind alle im gleichf\u00f6rmigen Plattenbau in der kleinen tschechischen Stadt \u017dilina aufgewachsen. Sie trafen sich in ihren Kinderzimmern, spielten zusammen und beobachteten die Erwachsenen, die bei Alkohol und Kuchen ihren Unmut \u00fcber den unf\u00e4higen Staat, seine Repressalien und der Realit\u00e4t des Mangels austauschen. Die gewohnten Reden von Frieden und Fortschritt interessierten niemanden mehr, obwohl die Besuche des Parteisekret\u00e4rs vom Vater jedesmal die Familie beunruhigte. Auch Rita l\u00e4uft noch parteigl\u00e4ubig zu den Veranstaltungen der Pioniere. Slavka perfektioniert ihr Talent als Gymnastin und Mi\u0161a liest ein Buch nach dem anderen, denn sie sucht nach Antworten, die ihr die Erwachsenen nicht geben k\u00f6nnen. Faszinierend ist ihre Begeisterung f\u00fcr Christa Wolfs Roman \u201eDer geteilte Himmel\u201c, den sie mehrmals liest. Immer wieder versucht ihr Vater sie f\u00fcr technische Berufe zu begeistern und zerrt sie an die frische Luft.<\/p>\n<p>Doch nun sind die M\u00e4dchen vierzehn Jahre alt und es ist das Jahr 1989. Alles scheint sich zu ver\u00e4ndern, nicht nur die regide Politik der Ostblockstaaten ger\u00e4t ins Wanken, auch die Freundschaft und der Zusammenhalt der drei ist nicht mehr so stabil wie noch vor Jahren. Rita entfernt sich von Mi\u0161a bis diese erkennt, dass Rita ein intimes Verh\u00e4ltnis mit ihrem schweigsamen und ziemlich arroganten Bruder Alan hat, der ein Studium beginnen soll. Ihr Vater, ein Arzt, versinkt immer mehr in Resignation, trinkt und schl\u00e4gt die Tochter. Slavka schw\u00e4rmt f\u00fcr ihren Geschichtslehrer und auch hier scheint sich ein Verh\u00e4ltnis anzubahnen.<br \/>\nMi\u0161a vergr\u00e4bt sich immer mehr in ihren B\u00fcchern und beobachtet aus der Ich-Perspektive das Geschehen. Die neue Errungenschaft des Vaters, eine Satellitensch\u00fcssel, \u00f6ffnet ein Tor zur Welt, auch wenn die meisten Leute im Wohngebiet nur die bunte Westwerbung sehen wollen. Reisen in den Westen finden f\u00fcr die V\u00e4ter der M\u00e4dchen, au\u00dfer Slavkas, er hat bereits illegal das Land verlassen, statt, sind aber auch immer Anlass zu Irritationen und Pl\u00e4nen. So sollen Mi\u0161a und ihr Bruder endlich Deutsch lernen. Slavka wird zum Jahresende mit Schwedisch beginnen. Die einzige in der Familie, die sich von all dem nicht beirren l\u00e4sst, ist Oma Aniko. Sie kommt alle paar Monate, wohnt bei Mi\u0161a im Zimmer und schmei\u00dft den Haushalt. Sie putzt, r\u00e4umt alles um und macht die W\u00e4sche. Mi\u0161as Mutter lehnt alles Weibliche ab, sie erwartet auch von Mi\u0161a, dass sie nur Hosen tr\u00e4gt und die Haare kurz tr\u00e4gt. Als Mi\u0161a zum ersten Mal einen Jungen nach Hause mitbringt, scheint dies die Katastrophe zu sein. Immerhin hat sie ihn schon gek\u00fcsst, aber das darf die Mutter auch nicht wissen. Die Eltern verbergen vieles vor dem M\u00e4dchen, immer mit dem Hinweis auf ihr Alter. Slavka sieht durch einen Sportunfall ihre Karriere zerst\u00f6rt und Mi\u0161a bekommt mit, dass ihr Bruder Alan und Rita wirklich gemeinsam verschwinden wollen. Die Grenze in Ungarn ist nach \u00d6sterreich schon l\u00e4ngst offen und eine Welt ist im Untergang.<\/p>\n<p>Susanne Gregor zeichnet in ihrem Roman ein gesellschaftlich-politisches Abbild des Jahres 1989 verbunden mit den pers\u00f6nlichen Geschehnissen in drei Familien. Deren innige Gemeinschaft war nicht sozialistisch vorgeschrieben und hat doch stattgefunden. Zusammenbrechen wird sie im Laufe des Jahres. Ohne moralische Wertungen beschreibt die junge Mi\u0161a \u00fcberzeugend das letzte Jahr der Kindheit und das letzte Jahr im Sozialismus.<\/p>\n<p>Die Autorin wurde 1981 geboren, noch jenseits des Eisernen Vorhangs in der heutigen Slowakei. Ihre Familie \u00fcbersiedelte kurz nach der Wende nach \u00d6sterreich, und sie wuchs dort auf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Susanne Gregor: Das letzte rote Jahr, Frankfurter Verlagsanstalt, Franfurt a.Main 2019, 224 Seiten, \u20ac22,00 , 978-3-627-00263-3 \u201e&#8230;. , genauso wie ich Ritas inneren R\u00fcckzug f\u00fcrchtete und Slavkas Gef\u00fchle f\u00fcr Genosse Blan\u00edk, am liebsten h\u00e4tte ich uns drei in eine Zeitkapsel&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-letzte-rote-jahr\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3236"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3236"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3236\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3238,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3236\/revisions\/3238"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3236"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3236"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}