{"id":3221,"date":"2019-11-10T06:00:56","date_gmt":"2019-11-10T05:00:56","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3221"},"modified":"2019-11-10T06:00:56","modified_gmt":"2019-11-10T05:00:56","slug":"luzies-erbe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/luzies-erbe\/","title":{"rendered":"Luzies Erbe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Helga B\u00fcrster: Luzies Erbe, Insel Verlag, Berlin 2019, 288 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-458-17814-9 <\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3458178147\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3458178147&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=50c8d2981c91d662e8a6ed787505a99e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3458178147&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3458178147\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p><em><br \/>\n\u201eMit so einem Vater konnte man keinen Staat machen. Ohne ihn h\u00e4tten seine Kinder vielleicht eine Chance in diesem Dorf. Luzie war wieder angekommen, ob es dem Dorf passte oder nicht. Sie kam dar\u00fcber hinweg, er nahm die Schuld auf sich.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Mit 97 Jahren ist Luzie Mazur gestorben, eine Frau, die die Familie als Matriarchin bezeichnet und die ihr Leben in einem Dorf bei Bremen verbrachte. Gepr\u00e4gt ist die Familie durch das sogenannte Mazursche Schweigen, althergebrachte Vorurteile und den st\u00e4ndigen Gedanken daran, was die Leute wohl sagen w\u00fcrden.<br \/>\nGepflegt wurde Luzie von der ruhigen und gebeugten siebzigj\u00e4hrigen Thea und deren Tochter Johanne. Johanne h\u00e4tte das Dorf verlassen k\u00f6nnen, hatte studiert und als Journalistin gearbeitet. Aber als die Mutter an Krebs erkrankte, kehrte sie schnell zur\u00fcck und blieb. Zum Studium ist jetzt ihre Tochter Silje gegangen und vor mehr als drei\u00dfig Jahren schon die arrogante und stets fordernde Helene, die in zweiter Ehe mit Norbert verheiratet ist. Johanne kann Helene, die j\u00fcngste Tochter von Luzie, und ihre hochfahrende Art nicht ertragen. Thea kuscht vor ihr und beugt sich ihrem Diktat und ihren Anweisungen, in denen es immer darum geht, dass sie, Helene, ja kein Geld f\u00fcr die Familie ausgeben muss. Arm war die Familie, ohne Frage.<\/p>\n<p>Als Thea am Totenbett der Mutter sitzt, verabschiedet sie sich und erinnert sich an mehr als schmerzliche Szenen und das Schweigen aus ihrer Kindheit. Sicher mussten die Frauen auf dem Land hart arbeiten, aber das war nicht der Grund, weshalb sie ihre Kinder nicht lieben konnten. \u00dcber nichts wurde geredet, denn: <em> \u201eKummer, dat ist wat for feine L\u00fc\u00fcr.\u201c<\/em><br \/>\nNur der Gro\u00dfvater hat Thea zum Angeln mitgenommen, wenn im Dorf ein Fest war. Allen Kummer \u00fcber die selbst gew\u00e4hlte Abschottung scheint Luzie, an den Kindern ausgetobt zu haben. <em>\u201eEr\u201c<\/em> hat sie verlassen, der Vater von Thea und Helene, \u00fcber den nie gesprochen wurde.<\/p>\n<p>Im Zeitenwechsel erz\u00e4hlt Helga B\u00fcrster nun aus Johannes Perspektive vom Abschied der Familie von Luzie und der Kriegszeit, in der Luzie ihren Jurek kennen und lieben gelernt hat. Jurek kam als polnischer Fremdarbeiter, der Deutsch sprechen konnte, im Zweiten Weltkrieg ins Dorf. Luzie jedoch war mit August verlobt. Es hie\u00df, August ist verschollen und so kommen sich Jurek und Luzie n\u00e4her. Eine Verbindung, die bei Entdeckung und Denunzierung den Tod f\u00fcr den Fremdarbeiter und KZ f\u00fcr die deutsche Frau bedeutete. Zwei Kinder wird Luzie noch in der Kriegszeit zur Welt bringen, eins wird nach dem Krieg kurz nach der Geburt sterben. Wie auf Messers Schneide lebt die junge Frau, die L\u00fcgen erfindet, unter den D\u00f6rflern und immer in der Angst verraten zu werden. Aber auch im Dorf w\u00e4chst die Unsicherheit dar\u00fcber, was man sagen sollte oder auch nicht. Auch wenn Jurek und Luzie heiraten, sie werden zusammen nie im Dorf akzeptiert. Eine schmerzliche Erfahrung, die Jurek nicht verkraftet. R\u00fcckblickend war es kein gl\u00fcckliches Leben, weder f\u00fcr Luzie, noch f\u00fcr Jurek, den Johanne aufsuchen wird. Auch Thea sp\u00fcrte zeitlebens die tiefe Abneigung der eigenen Mutter, die immer nur arbeiten musste, und den Schmerz, den sie an ihre Tochter Johanne, die sich im Keller verkrochen hat, weitergab. Entspannt k\u00f6nnen nur Silje und Oma Thea miteinander umgehen.<\/p>\n<p>Ber\u00fchrend liest sich dieser Roman, in dem Helga B\u00fcrster vom Schicksal ihrer eigenen Gro\u00dfeltern erz\u00e4hlt. Vieles blieb auch hier im Verborgenen und musste verfremdet und durch die Fantasie der Autorin im Handlungsverlauf erg\u00e4nzt werden. Schonungslos flie\u00dft in die Handlung aber auch Gewalt und vor allem Bildungsferne ein, die gerade M\u00e4dchen zu sp\u00fcren bekamen, wenn sie wagten, ein Buch anzufassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helga B\u00fcrster: Luzies Erbe, Insel Verlag, Berlin 2019, 288 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-458-17814-9 \u201eMit so einem Vater konnte man keinen Staat machen. Ohne ihn h\u00e4tten seine Kinder vielleicht eine Chance in diesem Dorf. 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