{"id":3190,"date":"2019-11-09T18:26:50","date_gmt":"2019-11-09T17:26:50","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3190"},"modified":"2019-11-09T18:27:29","modified_gmt":"2019-11-09T17:27:29","slug":"3190","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/3190\/","title":{"rendered":"Kuss"},"content":{"rendered":"<p><strong>Simone Meier: Kuss, Kein &amp; Aber Verlag, Z\u00fcrich 2019, 256 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-0369-5794-4<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B07MMNQ4H5\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B07MMNQ4H5&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=049e335e5409e6f64409eb1ef8273a4e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B07MMNQ4H5&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B07MMNQ4H5\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eSie hatte ihm die Wahrheit gesagt. Dass sie arbeitslos war und im Grunde keine Lust hatte, sich einen neuen Job zu suchen, es aber dennoch tun w\u00fcrde, gleich als Erstes im neuen Jahr, weil sie Yann gegen\u00fcber ein schlechtes Gewissen hatte. Und weil ein Job ihrer geistigen Gesundheit zutr\u00e4glicher war als die schon fast vorst\u00e4dtische Einsamkeit der Hausfrau. \u2026 Und dass ihr das Haus keine Arbeit mehr bot.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wie lebt die Generation in den Drei\u00dfigern und was sind so ihre Vorstellungen vom guten Leben? Simone Meier schaut in die Seelen von Gerda, sie ist Anfang Drei\u00dfig, Yann Ende Drei\u00dfig und dessen Kollegen Alex, der ebenfalls in dem Alter ist. Eher desillusioniert ist die zweiundf\u00fcnfzigj\u00e4hrige Valerie, die als Nachbarin das P\u00e4rchen Gerda und Yann beobachtet und aus ihrer Sicht beurteilt.<\/p>\n<p>Seit gut drei Jahren liiert, mieten Gerda und Yann ein Haus, genau an dem Tag als Gerda als Grafikerin in der Agentur gek\u00fcndigt wird. Was nun? Den Freunden wird erz\u00e4hlt, sie habe sich eine Zeit lang unbezahlten Urlaub genommen, zu peinlich die Tatsache, dass sie entlassen wurde und nun wie in den f\u00fcnfziger Jahren dem Ehepartner auf der Tasche liegt. Dabei genie\u00dft Yann zu Beginn die Idee, dass er ins traute Heim und gemachte Nest nach einem langen Arbeitstag im Institut zur\u00fcckkehrt. Als Ern\u00e4hrer f\u00fcllt er seine Rolle mit immer mehr Skepsis aus und der Gedanke, dass Gerda schwanger werden k\u00f6nnte, begl\u00fcckt eher ihn als sie. Eigentlich m\u00f6chte sie kein Kind und ihre Tagtr\u00e4ume schwirren auch nicht wie Yanns um ein kleines M\u00e4dchen, dass im Garten herumh\u00fcpft.<br \/>\nGerda st\u00fcrzt sich mit Vehemenz auf das alte Haus, dass sie allerdings nur in Ma\u00dfen ver\u00e4ndern kann. Der Vermieter stimmt einigem zu, W\u00e4nde herausrei\u00dfen ist jedoch nicht drin. Gerda ist es gewohnt, mit wenig Geld auszukommen, denn als Kind einer alleinerziehenden Mutter, die jetzt als \u00dcbersetzerin drittklassiger skandinavischer Krimis arbeitet, kennt sie das Gef\u00fchl, wenig zu besitzen und auch bitter, nicht geliebt zu werden. Yanns Familie dagegen erscheint ihr als die Bilderbuchfamilie, die sie gern gehabt h\u00e4tte. Sie mag es bei Besuchen, am Morgen mit Yanns Vater Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr alle zu machen.<\/p>\n<p>Mit Yann lebt sie ein harmonisches und sexuell nun nicht mehr so aufregendes Leben. Sie schaut mit Vorliebe Reportagen \u00fcber Hausfrauen, HBO-Serien oder Geschichten von Aussiedlern, die unweigerlich scheitern. Die Siedlung langweilt Gerda ziemlich schnell und die schreiende Nachbarin, die Kette rauchend ins Telefon br\u00fcllt, nennt sie einfach nur die \u201eKr\u00e4he\u201c.<br \/>\nValerie hei\u00dft die \u201eKr\u00e4he\u201c, die im Haus der Gro\u00dfmutter f\u00fcr einige Zeit wohnt, bis sie sich doch entschlie\u00dft, dieses zu verkaufen. Aus Valeries n\u00fcchterner Perspektive offenbart die Autorin eine schonungslose Sicht auf die Gro\u00dfstadtmenschen, die sich in der Vorstadt verirrt haben.<\/p>\n<p>Gerda f\u00fcllt ihre verbleibende einsame Zeit mit immer mehr mit Tagtr\u00e4umen aus. Sie malt sich aus, wie sie ihre ungeliebte Mutter t\u00f6ten oder mit Alex ein erf\u00fclltes Sexleben haben k\u00f6nnte. Und nach einem gemeinsamen Essen mit dem attraktiven Alex arrangiert es Gerda so, dass sie mit ihm allein ist.<\/p>\n<p><em>\u201eNein, das war kein Kuss, eher ein Zufall, ein Versehen, sie h\u00e4tte genauso gut ein Kind oder eine Katze auf die Nasenspitze k\u00fcssen k\u00f6nnen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Diese Szene hatte nat\u00fcrlich Valerie bemerkt und findet nur Spott f\u00fcr die Nachbarin. Als Yann auf Dienstreise in Berlin ist, treffen sich wieder ganz durch Zufall Gerda und Alex, der sich angeblich von seiner Familie losgesagt hat, aber durch die Hintert\u00fcr vom Geld seines Vaters lebt, denn der sponsert das Politik-Institut. Alex wohnt im Prostituiertenviertel in einer WG und gef\u00e4llt sich in der Rolle des Au\u00dfenseiters.<\/p>\n<p>Die Gesellschaftsschicht der sogenannten politisch korrekten Hipster sprachlich auf den Punkt und extrem unterhaltsam zu sezieren, das ist Simone Meiers Thema. Sie schaut hinter die Fassaden ihrer Protagonisten und legt offen, was diese denken und vor der Au\u00dfenwelt verbergen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simone Meier: Kuss, Kein &amp; Aber Verlag, Z\u00fcrich 2019, 256 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-0369-5794-4 \u201eSie hatte ihm die Wahrheit gesagt. 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