{"id":3159,"date":"2019-11-09T17:44:17","date_gmt":"2019-11-09T16:44:17","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3159"},"modified":"2019-11-09T17:44:17","modified_gmt":"2019-11-09T16:44:17","slug":"ein-anstaendiger-mensch-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/ein-anstaendiger-mensch-2\/","title":{"rendered":"Ein anst\u00e4ndiger Mensch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jan Christophersen: Ein anst\u00e4ndiger Mensch, Mare Verlag, Hamburg 2019, 349 Seiten, \u20ac18,99, 978-3-86648-607-2<\/strong><\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B07QLSF4XB\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B07QLSF4XB&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=5b1bb93b9541ea43b5f56182f3a09c1e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B07QLSF4XB&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B07QLSF4XB\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p><em>\u201eDas Leben sei kurz, warum sich einschr\u00e4nken, Freiraum f\u00fcr Experimente m\u00fcsse zwischen uns selbstverst\u00e4ndlich sein \u2026. Das alles sagte ich, obgleich ich selbst keinerlei Bed\u00fcrfnis versp\u00fcrte nach anderen Frauen, nach M\u00e4nnern oder was wei\u00df ich: damals wie heute nicht.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Steen Friis ist der eloquente Erz\u00e4hler des Romans, sein Gedankenfluss, alle seine Fantasien, Tagtr\u00e4ume und selbstverliebten wie ironischen \u00c4u\u00dferungen teilt er dem Leser bis ins noch so kleinste Detail mit, dazu geh\u00f6rt nicht nur der Anblick einer sich windenden Zecke, sondern auch philosophische Exkurse und Schlaumeiereien. Denn Friis ist ein erfolgreicher, etwas selbstgef\u00e4lliger  Autor von Werken \u00fcber die Fragen des Anstands und ein gern gesehener Gast in Talkshows und zur Stelle, wenn es um Radiointerviews geht. Friis lebt mit Frauke, einer Psychotherapeutin, in Hamburg und besitzt ein H\u00e4uschen auf einer d\u00e4nischen Insel versteckt im Wald, in das er sich zur\u00fcckzieht, wenn er schreiben und einfach Ruhe haben will. Beider Tochter Bea ist achtzehn und auf Sinnsuche in England.<\/p>\n<p>Steen und Frauke haben f\u00fcr das Wochenende Ute, Steens gute Bekannte aus dem Verlag, und ihren neuen Freund Gero, einen IT-Menschen, eingeladen. Von Anfang an baut sich zwischen den M\u00e4nnern eine Spannung auf, die kaum zu erkl\u00e4ren ist. Parliert Steen \u00fcber eine altbekannte Sage von einem Riesen, die auf seiner Insel spielt, so ergie\u00dft sich Gero in Erz\u00e4hlungen \u00fcber sein Segelboot, das Steen nicht mal betreten wollte. Steen und Ute verbindet ein Geheimnis, dass etwas pikant ist. Da sie als Verlagsvertreterin diverse skandinavische Krimis lesen muss, behauptet Steen in seiner etwas arroganten Art, dass es leicht sei, diese zu schreiben. Durch eine Wette mit Ute ist er nun gezwungen, einen Krimi unter Pseudonym zu schreiben, ansonsten m\u00fcsste er ihr ein Nacktfoto von sich schenken. Da er die H\u00fcrde nimmt, das Buch sogar erfolgreich ver\u00f6ffentlicht und verfilmt wird, ist er im Besitz eines Nacktfotos von Ute.<br \/>\nFrauke findet Gero, der wohl \u00c4hnlichkeit mit Robert Redfort hat, ziemlich anziehend und teilt Steen unverhohlen mit, dass sie gern mit Gero schlafen w\u00fcrde. Da beide eine offene Ehe f\u00fchren und nun nach Beas Auszug alles wieder m\u00f6glich ist, kann Steen nichts einwenden. Aber es g\u00e4rt in ihm, er w\u00fcnscht in seinen Tagesfantasien dem Nebenbuhler den Tod an den Hals, zumal er kein vern\u00fcnftiges Gespr\u00e4ch mit ihm f\u00fchren kann.<br \/>\nWeiterhin ist ein Artikel im Spiegel erschienen, in dem ein einstiger Weggef\u00e4hrte ihn und seine Ansichten \u00fcber den Anstand in der Gesellschaft zur Schnecke macht. Zu allem \u00dcberfluss hat der Verlag auch noch ein positives Statement von Steen auf die R\u00fcckseite des neuen Buches dieses Freundes gedruckt, das er nie so abgegeben hat. Steens Stimmung steuert auf einen Tiefpunkt zu, den auch die wunderbare Landschaft der d\u00e4nischen Insel nicht auffangen kann. Au\u00dferdem beginnt Frauke von Steens \u00c4ngsten vor den Freunden zu erz\u00e4hlen und die Schieflage des Wochenendes steuert auf ein Fiasko zu. Als Ute auch noch das Krimigeheimnis l\u00fcftet und Gero ihr Nacktfoto sieht, unterstellt Gero ihr ein Verh\u00e4ltnis mit Steen. In dieser aufgeheizten Konstellation, die den Wahlverwandtschaften in Goethes Roman gleicht, spielt ein Pilzessen eine besondere Rolle. Steen als Experte f\u00fcr Pilze und Kartoffeln, er k\u00f6nnte auf dieser Insel auch allein \u00fcberleben, kontrolliert er die gesammelten Fundst\u00fccke. Er sortiert Giftiges aus und vielleicht im Unterbewusstsein oder in Gedanken nimmt er die Aufgabe nicht allzu ernst.<\/p>\n<p><em>\u201eIch vermied es, ihm in die Augen zu schauen. ( Die Klingen der K\u00fcchenmesser blitzen verf\u00fchrerisch in der Sonne.)\u201c <\/em><\/p>\n<p>Auf jeden Fall beendet das Pilzmahl das gemeinsame Wochenende und alle, au\u00dfer Ute, landen im Krankenhaus.<\/p>\n<p>Jan Christophersen umkreist in einer eleganten Sprache mit d\u00e4nischen Einsprengseln und bissigen Seitenhieben die moderne Ehe, das ziemlich entspannte, um nicht zu sagen, sorgenfreie Leben eines schreibenden Philosophen, der immer die passenden Zitate zur Hand hat, Verlags- und Medienwelten, die Angst des Protagonisten vor Ver\u00e4nderungen und ein Schweigen zwischen den Eheleuten, dass nicht mehr anst\u00e4ndig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Christophersen: Ein anst\u00e4ndiger Mensch, Mare Verlag, Hamburg 2019, 349 Seiten, \u20ac18,99, 978-3-86648-607-2 \u201eDas Leben sei kurz, warum sich einschr\u00e4nken, Freiraum f\u00fcr Experimente m\u00fcsse zwischen uns selbstverst\u00e4ndlich sein \u2026. 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