{"id":3110,"date":"2019-11-09T16:31:09","date_gmt":"2019-11-09T15:31:09","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=3110"},"modified":"2019-11-09T16:31:09","modified_gmt":"2019-11-09T15:31:09","slug":"kuehn-hat-hunger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/kuehn-hat-hunger\/","title":{"rendered":"K\u00fchn hat Hunger"},"content":{"rendered":"<p>Jan Weiler: K\u00fchn hat Hunger, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2019, 413 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-492-05876-6<\/p>\n<p><code><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3492058760\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492058760&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=274d9980805dc8579db557d8009b92ac\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3492058760&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3492058760\" border=\"0\"><\/code><\/p>\n<p>\u201eBereits auf dem Weg zur Weberh\u00f6he stieg Scham in ihm hoch. Diese Di\u00e4t ver\u00e4nderte ihn, nicht unbedingt zum Guten. Wie kam er eigentlich dazu, seine Kinder anzubr\u00fcllen? Und warum drehte er durch, blo\u00df weil jemand seine Avocado gegessen hatte? Er kam sich direkt kindlich vor, als habe ihm jemand im Sandkasten das F\u00f6rmchen weggenommen. Und au\u00dferdem war es gar nicht seine Avocado.\u201c<\/p>\n<p>Martin K\u00fchn, Anw\u00e4rter auf den Posten des ersten Kriminalhauptkommissars wird mit seinen f\u00fcnfundvierzig Jahren langsam dick. Das Bindegewebe ist leicht schwabbelig und die Konflikte, gerade mit seiner Frau f\u00fchrt er auch darauf zur\u00fcck, dass er f\u00fcr sie als Mann nicht mehr attraktiv ist. M\u00e4nnlichkeit, die Rolle des Mannes in der Familie und Gesellschaft, der Mann als Herr des Geschehens, der die Richtung angibt \u2013 darum kreist dieser unterhaltsame Krimi, der wie immer von einem speziellen Fall und auch K\u00fchns Familienleben in seinem langsam vom Schimmel zerfressenen Keller erz\u00e4hlt. Aber die Hausgemeinschaften auf der Weberh\u00f6he haben inzwischen eine Sammelklage gegen Reformbau in den USA auf den Weg gebracht und hoffen auf eine hohe Entsch\u00e4digungssumme.<\/p>\n<p>K\u00fchn ackert momentan an vielen Fronten. Zum einen hat er sich die Streitschrift eines Belgiers namens Ferdie Caparacq zu Gem\u00fcte gef\u00fchrt. Dieser pl\u00e4diert f\u00fcr eine Di\u00e4t, die den wahren Mann wieder auf die Beine stellt und ihm das alte Selbstbewusstsein zur\u00fcckgibt, was ihm irgendwie im Laufe der letzten Jahre mit der zunehmenden Konkurrenz durch Frauen verlorengegangen ist. Mit ekligen Matchospr\u00fcchen baut dieser M\u00e4nnerversteher in seinem Traktat den Leser auf, liefert ihm eine Anleitung in Sachen Speckabbau, sicherem Auftreten als Mann mit passender Kleidung. Auf der anderen Seite muss sich K\u00fchn gegen seinen Konkurrenten, Thomas Steierer, durchsetzen, der sich ebenfalls f\u00fcr die ausgeschriebene Stelle beworben hat. Und dann nervt ihn noch die fortschreitende Technik, zumal ihn sein Sohn Nico als \u201eanalogen Greis\u201c bezeichnet. K\u00fchn ermannt sich nun und startet die radikale vier Tage Hungerdi\u00e4t, die ihn zunehmend an den Rand des Wahnsinns treibt. Pl\u00f6tzlich wird ihm bewusst, wie viele Gesch\u00e4fte ihn zum Essen animieren und au\u00dferdem stehen auch noch auf dem Konferenztisch bei Besprechungen Kekse, denen er fr\u00fcher nie widerstehen konnte. Aber K\u00fchn bleibt auch nach den vier Tagen bei hei\u00dfem Wasser mit Ingwer, Gem\u00fcsebr\u00fche und trockenem Blumenkohl stark und hungrig.<br \/>\nEin neuer Fall lenkt etwas ab, denn eine Frauenleiche wurde auf einer Baustelle in Obermenzig gefunden.<br \/>\nParallel zu K\u00fchns Privat- und Arbeitsumfeld lenkt Jan Weiler den Blick zu einem jungen Polizisten. Sebastian Pflug, Anfang zwanzig, arbeitet im Hauptbahnhof. Er ist ganz vernarrt in den Duft der jungen Frauen, die in den Tabledancebars die M\u00e4nner zum Trinken und Gaffen verf\u00fchren. Noch wohnt der junge Mann bei seinen Eltern au\u00dferhalb von M\u00fcnchen, noch w\u00fcnscht er sich eine Freundin, eine eigene Familie. Auch au\u00dferhalb seiner Dienstzeit stalkt der Mann die Frauen, er w\u00fcrde sagen, er besch\u00fctzt sie. Pflug trifft im Hauptbahnhof auch einen Frauenbeobachter und offenbar Seelenverwandten, Hartmut G\u00e4rtner, der auf einem Campingplatz wohnt. Beide M\u00e4nner freunden sich an und das Unheil ist vorprogrammiert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend f\u00fcr K\u00fchn die Ermittlungsarbeit beginnt, wei\u00df der Leser bereits, was mit dem Opfer geschehen ist und wo die beiden M\u00e4nner die junge Frau aus Estland kennengelernt haben.<br \/>\nW\u00e4hrend K\u00fchn die Anweisungen vom belgischen Einpeitscher befolgt und immer grummeliger wird, arbeitet er sich langsam an den Fall heran. Steinchen f\u00fcr Steinchen wird umgedreht, bis klar wird, woher die junge Frau stammt und wo sie in M\u00fcnchen gearbeitet hat. Auch die Umst\u00e4nde ihres Todes werden rekonstruiert. Ber\u00fchrend, und hier bleibt K\u00fchn im Gegensatz zu Steierer Mensch, sind die inneren Monologe, die der Ermittler mit dem Opfer f\u00fchrt. Als T\u00e4ter sch\u00e4lt sich ein M\u00e4nnertyp heraus, der in der Fachsprache als Incel bezeichnet wird, d.h. unfreiwillig enthaltsam. So nennen sich M\u00e4nner, die keine Frau abbekommen und denen der Sex ihrer Meinung nach verweigert wird.<\/p>\n<p>\u201eNoch viel mehr als v\u00f6gelnde M\u00e4nner verabscheuen sie aber die Frauen, die sie nicht kriegen k\u00f6nnen. Also praktisch alle.\u201c<\/p>\n<p>Aber nicht nur K\u00fchn verfolgt seine Spuren, auch der Betreiber der Bars am Hauptbahnhof, Arslan Avi, f\u00fcr den Frauen eigentlich nur Waren sind, macht sich auf die Spur von Sebastian Pflug. Er will nicht f\u00fcr etwas verurteilt werden, was er ausnahmsweise mal nicht begangen hat.<br \/>\nMit psychologischer Beobachtungsgabe, viel Sympathien f\u00fcr den gebeutelten Mann und ohne gro\u00dfe Herumratereien, wer denn nun der oder die T\u00e4ter sind, laufen die Ermittlungen extrem unterhaltsam in diesem Fall auf eine Katastrophe zu. Wie immer bleibt man als Leser gern an K\u00fchns Seite und leidet mit ihm mit. Seine Probleme sind f\u00fcr jeden Mann und auch jede Frau nachvollziehbar und seine Schw\u00e4chen einfach nur menschlich. Seine St\u00e4rken, sich selbst mal in Frage zu stellen und an seinen technischen Defiziten zu arbeiten, machen ihn so sympathisch. Auch wenn die h\u00f6her dotierte Stelle eine Frau bekommt, K\u00fchn klagt nicht. Ganz im Gegenteil, vielleicht kittet ja gerade diese Personalentscheidung seine alte M\u00e4nnerfreundschaft zu Steierer.<\/p>\n<p>K\u00fchn muss unbedingt weitermachen, denn irgendwie will man doch wissen, wohin er und seine Familie in den Urlaub fahren. Auch ohne Geldsegen aus den USA!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Weiler: K\u00fchn hat Hunger, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2019, 413 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-492-05876-6 \u201eBereits auf dem Weg zur Weberh\u00f6he stieg Scham in ihm hoch. Diese Di\u00e4t ver\u00e4nderte ihn, nicht unbedingt zum Guten. 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