{"id":2793,"date":"2019-06-23T09:29:09","date_gmt":"2019-06-23T07:29:09","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2793"},"modified":"2019-06-23T09:29:09","modified_gmt":"2019-06-23T07:29:09","slug":"das-geburtstagsfest","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-geburtstagsfest\/","title":{"rendered":"Das Geburtstagsfest"},"content":{"rendered":"<p><strong>Judith W. Taschler: Das Geburtstagsfest, Droemer Verlag, M\u00fcnchen 2019, 350 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-426-28188-8<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3426281880\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3426281880&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=e223c3518440edd4ab78ec232a0d37bf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3426281880&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3426281880\" border=\"0\"><\/p>\n<p><em>\u201eAls er die Entenfarm verlie\u00df, hatte er sich geschworen, niemals von seinen Erlebnissen zu erz\u00e4hlen. Schon damals hatte er begriffen, dass er seine Kindheit v\u00f6llig abstreifen musste, um ein neues Leben beginnen zu k\u00f6nnen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die absolute Verdr\u00e4ngung wurde zum Lebensprinzip von Kim Mey, der nun als angesehener Architekt mit eigener Firma und gl\u00fccklicher Familie mit drei Kindern auf dem \u00f6sterreichischen Land lebt. Sein f\u00fcnfzigster Geburtstag steht vor der T\u00fcr und Sohn Jonas hat hinter seinem R\u00fccken als \u00dcberraschung die einstige Freundin der Familie, Tevi Gardiner, eingeladen. Warum diese Frau im Leben Kims eine Rolle spielte, erz\u00e4hlt zeitversetzt und in R\u00fcckblenden Judith W. Taschler.<\/p>\n<p>Die Handlung beginnt mit der T\u00f6tung einer Ente, das T\u00f6ten, und das wei\u00df Kims Familie nicht, geh\u00f6rte zu Kims Kindheit, denn er wurde als Sohn eines Fischers von den Roten Khmer als Kindersoldat angeheuert. Ausf\u00fchrlich und zum Teil unertr\u00e4glich lesen sich die Abschnitte \u00fcber die gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen in den 1970er Jahren in Kambodscha. Als Fl\u00fcchtling gelangte Kim nach dem Eingreifen der Vietnamesen nach Thailand, an seiner Seite, Tevi. Er hatte sie halbtot gerettet und auf seinem R\u00fccken aus dem Land des Terrors hinausgetragen.<\/p>\n<p>Wenn Kims Kinder nach der Kindheit des Vaters in Kambodscha fragen, bekommen sie keine Antworten oder nur die schmallippige Antwort, dass er angeblich auf einer Entenfarm gearbeitet habe. Aber in Wirklichkeit war alles anders. Gleich zu Beginn wird klar, dass Kim nicht vor Mord zur\u00fcckschreckt, ob nun befohlen oder in Thailand an einem Soldaten der Roten Khmer, Son, der f\u00fcr seine perfiden Axtmorde bekannt war und dem Kim nun eigenh\u00e4ndig die Kehle durchschneidet.<\/p>\n<p>Durch einen Asylantrag landen Kim und Tevi nicht in Australien, sondern in Austria. Da ist Kim vierzehn Jahre alt. Die alleinstehende Monika, die auf einem Hof mit ihrer Mutter lebt, nimmt die beiden Kinder aus Kambodscha auf und die einsame Ines, deren Tochter, hat nun einen gleichaltrige Freundin. Steil und schnell ist der Aufstieg Kims, der durch seinen Ehrgeiz und Lernwillen auff\u00e4llt. Als die Familie Urlaub in Frankreich macht, entdeckt sie durch Zufall, dass Tevis Tante v\u00e4terlicherseits in Rouen lebt. Da Tevi aus einer wohlbetuchten Familie stammte, hatten die Roten Khmer bei ihrem Umsiedlungsprogramm kein Mitleid. Alle Familienmitglieder wurden get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Ausf\u00fchrlich erz\u00e4hlt Judith W. Taschler die Lebensgeschichten von allen Personen, von Kim, Tevi, Ines, aber auch ihrer Tochter Lea und nat\u00fcrlich erspart sie dem Leser nicht die Geschichte des Pol Pot \u2013 Regimes und deren blutige Taten.<br \/>\nAls Monika die Pflegschaft f\u00fcr die Kinder \u00fcbernimmt, sind beide sehr sch\u00fcchtern und unsicher. Doch das \u00e4ndert sich schnell. Mit dem Umzug von Tevi nach Frankreich zerbricht auch die Freundschaft zu Ines. Tevi entwickelt sich zu einer \u00e4u\u00dferst egoistischen und arroganten Person, die nach au\u00dfen hin lebt und mit einem Fotografen nach Kambodscha reisen wird, um sich als Model zu pr\u00e4sentieren. Sie erz\u00e4hlt immer wieder von den Greultaten der Roten Khmer und dem Schicksal ihrer Familie. Auch den Kindern von Kim berichtet der \u201e\u00dcberraschungsgast\u201c vom Leben in Kambodscha. Kim ist nicht begeistert und ger\u00e4t mit Tevi in Streit. In seiner Studentenzeit hatte er ein Verh\u00e4ltnis mit Tevi und sie war schwanger. Eines Tages ist sie einfach so verschwunden.<br \/>\nNach und nach brechen Konflikte auf, die Kim v\u00f6llig aus der Bahn werfen, sein Prinzip des Schweigens wird ihm nun zum Verh\u00e4ngnis, denn nichts stimmt mehr in seinem Leben.<\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichische Autorin erz\u00e4hlt spannend und ber\u00fchrend von einem ungew\u00f6hnlichen Lebensweg von Asien nach Europa und der Innenwelt eines Migranten, der angekommen zu sein scheint und es doch nicht ist. Als Kind missbraucht, als Erwachsener nun innerlich zerrissen, bricht ein Lebensmodell auseinander, das einst als stabil galt.<br \/>\nAm Ende wird Kim, ob f\u00fcr immer ist nicht klar, nach Kambodscha reisen und nach seinem Bruder suchen. Man kann seine Kindheit nicht einfach beiseite schieben, denken, es g\u00e4be keine Wurzeln.<br \/>\nSehr aktuell wirkt dieser Roman, der die Befindlichkeiten der heutigen Zeit aufnimmt und Fragen aufwirft, die nicht nur Menschen besch\u00e4ftigt, die ihre Heimat, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, aufgeben mussten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Judith W. Taschler: Das Geburtstagsfest, Droemer Verlag, M\u00fcnchen 2019, 350 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-426-28188-8 \u201eAls er die Entenfarm verlie\u00df, hatte er sich geschworen, niemals von seinen Erlebnissen zu erz\u00e4hlen. 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