{"id":2778,"date":"2019-06-21T12:26:58","date_gmt":"2019-06-21T10:26:58","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2778"},"modified":"2019-06-21T13:30:57","modified_gmt":"2019-06-21T11:30:57","slug":"ein-bruder-zu-viel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/ein-bruder-zu-viel\/","title":{"rendered":"Ein Bruder zu viel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Linde Hagerup: Ein Bruder zu viel, Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2019, 144 Seiten, \u20ac14,95, 978-3-8369-5678-9<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3836956780\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3836956780&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=5b59fb851d0c5887b253679b5acbe8c6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3836956780&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3836956780\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\"><\/p>\n<p><em>\u201eDenn das hatte ich inzwischen begriffen.<br \/>\nDass Steinar uns eigentlich irgendwie leidtun musste.<br \/>\nIm tiefsten Herzen wusste ich das.<br \/>\nObwohl ich es nicht laut sagte.<br \/>\nMan muss ja nicht immer alles laut sagen, was man wei\u00df.<br \/>\nIch wusste auch, das Steinar Leute brauchte, zu denen er mit seinem Gejammer gehen konnte.<br \/>\nIch konnte es nur nicht ertragen, dass ausgerechnet wir das sein mussten.<br \/>\nAber wir waren das und wir w\u00fcrden es auch bleiben.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Konsequent aus der Sicht der neunj\u00e4hrigen Sara erz\u00e4hlt Linde Hagerup von den Geschehnissen in ihrer Familie. Saras Eltern arbeiten viel, nehmen sich aber auch Zeit, um mit den Kindern, Sara hat noch eine \u00e4ltere Schwester, liebevoll zu kuscheln, B\u00fccher vorzulesen oder gemeinsam Filme zu sehen. Als die enge Freundin von Saras Mutter pl\u00f6tzlich stirbt, hinterl\u00e4sst sie den f\u00fcnfj\u00e4hrigen Steinar, den Sara \u00fcberhaupt nicht mag. Beide Kinder kennen sich von gemeinsamen Festen und immer spielt sich der Junge, den Sara egoistisch, verw\u00f6hnt und nervig findet, in den Mittelpunkt.<br \/>\nNach der Beerdigung, das hatten Saras Eltern und die Freundin seit Steinars Geburt so besprochen,<br \/>\nkommt der Junge in die Familie. Sara ist entsetzt und v\u00f6llig gegen Steinars Einzug. Zu allem Ungl\u00fcck muss sie auch noch mit Steinar ihr Zimmer teilen. Nun ist sie nicht mehr die Kleine, die von Mama und Papa umsorgt wird. Steinar wacht oft auf und ruft nach seiner Mama und diese ist nun Saras Mama. Sara kann sich zu keinem guten Wort f\u00fcr Steinar durchringen, obwohl sie ahnt, was der kleine Kerl durchmacht. Er bringt f\u00fcr sie nur alles durcheinander, er st\u00f6rt in allem, was er auch anstellt. So gibt es auf einmal jeden Tag Schokocreme zum Fr\u00fchst\u00fcck, nur weil Steinar es so fordert. Und die Eltern, die auf eine gesunde Ern\u00e4hrung achten und Schokocreme ansonsten nur selten genehmigen, sagen zu allem, was das Kind will, ja.<br \/>\nJeder Satz, den er sagt, beginnt mit: Ich will&#8230;.<br \/>\nEmilie kann viel eher Empathie mit dem kleinen neuen Bruder empfinden.<br \/>\nAls Sara ihre Eltern belauscht, schnappt sie auf, dass diese denken, dass f\u00fcr Steinar ein gro\u00dfer Bruder vielleicht besser gewesen w\u00e4re. Aber nun ist es, wie es ist. Auch wenn der Papa von Sara erwartet, dass sie ihren neuen Bruder lieb haben soll, Sara kann sich nicht \u00fcberwinden den Eindringling als ihren Bruder anzuerkennen. Sie k\u00f6nnte es nur als eine andere Person und in diese verwandelt sich das M\u00e4dchen. Sie schneidet ihre langen Haare ab und nennt sich von nun an innerhalb der Familie Alfred und behauptet, sie sei der \u00e4ltere Bruder von Steinar.<br \/>\nNur durch diesen Identit\u00e4tswandel ertr\u00e4gt sie die Anwesenheit des fremden Kindes, das f\u00fcr sie der Eindringling in die f\u00fcr sie so harmonische Familienwelt ist.<br \/>\nAlle in der Familie sind geschockt, nur Steinar nimmt Alfred als Bruder an. Auf dieser Basis schaffen es die beiden Kinder, dass sie ins Gespr\u00e4ch kommen, gemeinsame Spiele spielen und einen Draht zueinander finden. Alfred kann zu Steinar freundlich sein, obwohl er am Tisch sabbert, rumheult und quengelt. Sara k\u00f6nnte es nicht.<br \/>\nSchnell gehen die Eltern auf Saras Scharade ein, nur Emilie glaubt, dass Sara den Verstand verloren hat.<br \/>\nDoch dann entbrennt zwischen Alfred und Steinar ein Kampf um die kleinen Geschenke im Adventskalender und wieder versucht Steinar, der sich an Alfreds bestem Geschenk am 1. Dezember bereits vergreift, seinen Willen durchzusetzen. Als er dies sogar mit der Hilfe seines neuen Papas schafft, scheint die Schmerzgrenze, was Gerechtigkeit und R\u00fccksichtnahme aus der Sicht von Sara anlagt, \u00fcberschritten. Auch Saras Papa wei\u00df, dass er einen Fehler gemacht hat. Er h\u00e4tte sich diesmal auf Saras Seite stellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Trotz aller guten Absichten, auch Erwachsene sind fehlbar und sie k\u00f6nnen trotz Verstand und Gewissen nicht alles von ihren Kindern heutzutage verlangen. Einem Kind zu sagen, es m\u00fcsse das neue Familienmitglied annehmen und lieben, funktioniert einfach nicht. Sara weigert sich vehement, aber sie wei\u00df auch, dass sie mit der neuen Situation irgendwie umgehen muss. Und keine Frage, Kinder k\u00f6nnen absolut grausam sein und sie haben ihre eigenen Regeln, um sich zu wehren oder auch nicht.<br \/>\nLinde Hagerup treibt es in ihrer Geschichte nicht zum \u00c4u\u00dfersten, aber sie zeigt auch, dass Steinar Erfahrungen im Kindergarten machen muss, die einfach wehtun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linde Hagerup: Ein Bruder zu viel, Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2019, 144 Seiten, \u20ac14,95, 978-3-8369-5678-9 \u201eDenn das hatte ich inzwischen begriffen. Dass Steinar uns eigentlich irgendwie leidtun musste. Im tiefsten Herzen wusste ich das. Obwohl&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/ein-bruder-zu-viel\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[7],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2778"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2778"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2778\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2878,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2778\/revisions\/2878"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}