{"id":2744,"date":"2019-06-23T09:18:52","date_gmt":"2019-06-23T07:18:52","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2744"},"modified":"2019-06-23T09:18:52","modified_gmt":"2019-06-23T07:18:52","slug":"das-verschwinden-der-stephanie-mailer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-verschwinden-der-stephanie-mailer\/","title":{"rendered":"Das Verschwinden der Stephanie Mailer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jo\u00ebl Dicker: Das Verschwinden der Stephanie Mailer, Aus dem Franz\u00f6sischen von Amelie Thoma und Michaela Me\u00dfner, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2019, 666 Seiten, \u20ac25,00, 978-3-492-05939-8<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3492059392\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492059392&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=c428a2004c22e24f1ae68a819c854e80\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3492059392&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3492059392\" border=\"0\"><\/p>\n<p><em>\u201eOrphea befand sich im Ausnahmezustand. Die Nachricht, dass ein Theaterst\u00fcck die Identit\u00e4t eines nie \u00fcberf\u00fchrten M\u00f6rders enth\u00fcllen sollte, hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Jo\u00ebl Dicker feierte mit seinem Roman<em> \u201eDie Wahrheit \u00fcber den Fall Harry Quebert\u201c<\/em> seinen ersten Erfolg.  Erz\u00e4hlen kann der frankophone Schweizer auf jeden Fall und einen Romananfang schreiben, der jeden Leser verf\u00fchrt.<br \/>\nIn einem Interview sagte Jo\u00ebl Dicker, dass man sein neues Buch als Krimi lesen kann, aber auch als <em>\u201eGeschichte um eine ganze Reihe von Menschen, die w\u00e4hrend eines Sommers in der fiktiven Stadt Orphea in den Hamptons aufeinandertreffen. Und jeder von ihnen hat eine pers\u00f6nliche Wunde, die heilen muss.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Alles beginnt mit dem Abschied von Captain Jesse Rosenberg von seinem Polizeidienst. Mit seinen f\u00fcnfundf\u00fcnfzig Jahren will der Ermittler in den verdienten Ruhestand gehen und vielleicht auch etwas Neues beginnen. Als die Journalistin Stephanie Mailer bei seiner Feier an ihn herantritt und behauptet, dass er als junger Kriminalist bei dem spektakul\u00e4ren Mordfall 1994, bei dem vier Menschen get\u00f6tet wurden, etwas \u00fcbersehen hat, kann er sich nicht verabschieden. Er nimmt den Fall mit seinem Partner, Derek Scott, wieder auf.<br \/>\nIn R\u00fcckblenden erz\u00e4hlt Derek Scott nun, dass vor zwanzig Jahren in dem beschaulichen Ort am Atlantik vier Menschen am Er\u00f6ffnungstag des Theaterfestivals ermordet wurden. Es war die Familie des B\u00fcrgermeisters Gordon und eine Joggerin, die wahrscheinlich zur falschen Zeit am falschen Ort war. Auch 2014 soll wieder das Theaterfestival, ein kultureller Magnet und eine Einnahmequelle der Stadt stattfinden. Neu im Ort ist die Anna Kanner, Deputy Chief der Polizei, die jedoch ihren m\u00e4nnlichen Kollegen ein Dorn im Auge ist.<br \/>\nAnna, Jesse und Derek beginnen erneut zu recherchieren, sie \u00fcberpr\u00fcfen Aussagen von damals und erkennen, dass sie wirklich vieles nicht in Betracht gezogen haben. Als die Leiche von Stephanie Mailer gefunden wird, nimmt die Handlung Fahrt auf.<br \/>\nImmer mehr Personen tauchen im Zusammenhang mit dem Mord auf. In einer in sich verschachtelten Handlung berichten diese vom vergangenen und gegenw\u00e4rtigen Geschehen, mal befindet sich der Leser vor Ort 1994, dann wieder 2014. Mal l\u00e4sst der Autor sie aus der Ich-Perspektive erz\u00e4hlen, mal w\u00e4hlt er die personale Erz\u00e4hlweise.<br \/>\nEs stellt sich heraus, dass der so angesehene ermordete B\u00fcrgermeister Gordon zum einen absolut korrupt war, zum anderen wohl an diesem Abend auf der Flucht. Sein Stellvertreter hielt die Er\u00f6ffnungsrede f\u00fcr das Festival und durch den Tod des B\u00fcrgermeisters konnte ein schreibender Polizist, Kirk Harvey, doch noch sein St\u00fcck auf die B\u00fchne bringen. Ein v\u00f6lliges Desaster. Gnadenlos wurde es vom Theaterkritiker Ostrowski in der Luft zerrissen.<br \/>\nAlle diese Figuren greifen auch in die Handlung 2014 ein und spielen ihr Spiel auf recht seltsame Weise. Immer umfangreicher und komplizierte wird dieser Fall, bei dem m\u00f6glicherweise 1994 die Ermittler Fehler gemacht haben und nicht verstanden, dass die eigentliche Zielperson nicht der B\u00fcrgermeister war, sondern die Joggerin Meglan Padalius, eine einfache B\u00fccherh\u00e4ndlerin. Doch warum musste die junge Frau, die eine gute Ehe f\u00fchrte und allgemein beliebt war, sterben?<br \/>\nWieder suchen die Polizisten nach dem Motiv und k\u00f6nnen es genauso wenig wie 1994 finden.<br \/>\nAn einigen Stellen kreuzen sich die in jeweils abwechselnden Erz\u00e4hlstr\u00e4ngen entfalteten Schicksale und dabei wirken einige Verbindungen doch konstruiert, die Figuren durchgeknallt und wenig glaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Jo\u00ebl Dicker streift in seinem Roman so einige Krisen unserer Zeit, z.B. die Krise der Zeitschriften, besonders die der Literaturzeitschriften und er zeigt das Theaterleben als dilettantischen Zirkus, der allerdings auch Talente hervorbringen kann.<\/p>\n<p>St\u00e4ndig setzt der Autor neue Reizpunkte in seinen kurzen Kapiteln, baut Cliffhanger ein und inszeniert Plot-Twists. So entsteht ein ziemlich kurzweiliges Leseerlebnis, das einen allerdings nicht so gefangen nimmt, wie es eine gut erz\u00e4hlte, die Tiefe der Figuren auslotende Handlung gemeinhin vermag. Vor dem inneren Auge sieht der Leser bereits den Mehrteiler und die Handlung k\u00f6nnte, ob nun bei Netflix oder anderswo, wie der Erfolgsroman<em> \u201eDie Wahrheit \u00fcber den Fall Harry Quebert\u201c<\/em> in Serie gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jo\u00ebl Dicker: Das Verschwinden der Stephanie Mailer, Aus dem Franz\u00f6sischen von Amelie Thoma und Michaela Me\u00dfner, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2019, 666 Seiten, \u20ac25,00, 978-3-492-05939-8 \u201eOrphea befand sich im Ausnahmezustand. 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