{"id":2740,"date":"2019-06-23T09:17:35","date_gmt":"2019-06-23T07:17:35","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2740"},"modified":"2019-06-23T09:17:35","modified_gmt":"2019-06-23T07:17:35","slug":"eine-wohnung-in-der-stadt-ein-haus-auf-dem-land","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/eine-wohnung-in-der-stadt-ein-haus-auf-dem-land\/","title":{"rendered":"Eine Wohnung in der Stadt &#8211; Ein Haus auf dem Land"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jan Brandt: Eine Wohnung in der Stadt  &#8211;   Ein Haus auf dem Land, DuMont Buchverlag, K\u00f6ln 2019, 424 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-8321-8356-1<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3832183566\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3832183566&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=95455b63c49a496b5723f7d0fe518b84\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3832183566&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3832183566\" border=\"0\"><br \/>\n<em><br \/>\n\u201eDie meisten wohnten noch immer zur Miete, einer h\u00f6heren Miete als damals ( und in besseren Wohnungen ), wir lebten immer noch prek\u00e4r, aber wir machten immer noch das, was wir wollten. War es nicht das, was wir uns ertr\u00e4umt hatten? Wir konnten gl\u00fccklich sein, und das waren wir auch. Aber Berlin hatte sich ver\u00e4ndert, und wir sp\u00fcrten, das wir mit dem Tempo, in dem sich die Stadt in Zukunft ver\u00e4ndern w\u00fcrde, kaum mehr mithalten konnten.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Es ist das Buch zur Stunde und trifft den Zeitgeist der Lebensver\u00e4nderungen im ganzen Land.<br \/>\nDie Vorstellung, dass man in einer Stadt wie Berlin, turnusm\u00e4\u00dfig die Mieten anheben kann, ist absurd, denn L\u00f6hne oder gar Honorare f\u00fcr Freiberufler steigen kaum. Ganz im Gegenteil, Freiberufler, gerade im Medienbereich m\u00fcssen immer wieder mit sogenannten Reformierungen rechnen, deren Ergebnis eine Minderung der Zahlungen bedeutet. Menschen in v\u00f6llig normalen Berufen, wie Busfahrer, Krankenschwester, Friseurin oder Verk\u00e4uferin, die zum Teil auch Aufstocker sind, k\u00f6nnen sich neue Berliner Mieten im Ringbahnbereich der S-Bahn nicht leisten. Wohngeldzahlungen und mehr B\u00fcrokratie k\u00f6nnte sich die Stadt sparen, wenn sie die Menschen f\u00fcr ihre Arbeit in der Hauptstadt einfach mal besser bezahlen w\u00fcrde. Eine Gro\u00dfdemonstration vor einigen Monaten sp\u00fclte den Unmut der Berliner hoch, denn nie war die Aufregung \u00fcber Mietsteigerungen und die Gentrifizierung bestimmter Kieze so auf ihrem H\u00f6hepunkt wie jetzt. Der Senat reagiert mit einem Mietendeckel und doch hei\u00dft es im Tagesspiegel vom 10.06.2019:<\/p>\n<p><em>\u201eDer von der rot-rot-gr\u00fcnen Koalition in Berlin angestrebte \u201eMietendeckel\u201c k\u00f6nnte zun\u00e4chst genau das Gegenteil von dem bewirken, wof\u00fcr er eigentlich vorgesehen ist. Statt die Mieten wie geplant auf gleichbleibendem Niveau zu halten, k\u00f6nnte auf die Berliner in den kommenden zwei Wochen eine Welle von Mieterh\u00f6hungen zukommen.\u201c <\/em><br \/>\n<strong><br \/>\n&#8222;Ein Haus auf dem Land \/ Eine Wohnung in der Stadt: Von einem, der zur\u00fcckkam, um seine alte Heimat zu finden \/ Von einem, der auszog, um in seiner neuen Heimat anzukommen&#8220;<\/strong>, so hei\u00dft der Doppelroman von Jan Brandt. Doppelt, das bedeutet, dass in diesem Buch zwei B\u00fccher stecken. Bis zur Mitte ist es eine Geschichte. Dann muss man das Buch um 180 Grad drehen, um die zweite Geschichte zu lesen. Wie man anf\u00e4ngt, bleibt jedem \u00fcberlassen. Als Mieter beginnt man vielleicht beim Wohnungsteil, chronologisch w\u00e4re das auch der Anfang.<\/p>\n<p>Zog Jan Brandt zum Jahrtausendwechsel nach Berlin, weil die Mieten hier gerade so g\u00fcnstig waren, so ver\u00e4ndert sich diese Situation f\u00fcnfzehn Jahre sp\u00e4ter gravierend. Sein Kiez, wie der Berliner sagt, oder auch Sehnsuchtsort ist das B\u00f6tzowviertel mit seinem Altbaubestand und zentralen Lage zwischen Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Aus Ostfriesland, dem Ort Ihrhove, stammend, findet der Autor in Berlin ziemlich schnell Gleichgesinnte, wie den Dichter Jan Wagner und weitere schreibende Freunde. Lyrik war zu dieser Zeit einfach angesagt, Prosa war out. Man ver\u00f6ffentlicht in linken Literaturzeitungen, schreibt an eigenen Projekten, trifft sich am Abend in der Lieblingskneipe. In der Zeit der nicht durchsanierten Wohnungen, wo die W\u00e4nde noch kahl waren, in den Wohnungen Kachel\u00f6fen standen und gebrauchte M\u00f6bel keine Schande waren, lebte es sich in Berlin nicht schlecht. Sicher steigt auch mit den Jahren der Anspruch. Ab diesem Zeitpunkt bemerkt man Ratten im Haus, laute Mieter sind in Berlin immer eine Plage und Hausverwaltungen, die sich f\u00fcr nichts zust\u00e4ndig f\u00fchlen, keine Seltenheit.<br \/>\nIndem Jan Brandt seinen Lebensweg beschreibt, streift er auch die gesellschaftspolitische Entwicklung in Berlin, denn diese wird gepr\u00e4gt werden von Bankenskandalen und eingefrorenen L\u00f6hnen. Hat Berlin nicht im Zuge der Finanzskandale unter der CDU 140 000 Wohnungen mal so verscherbelt und dann vergessen, dass der soziale Wohnungsbau gerade in Berlin eine wichtige Rolle spielt. Der Autor als Mieter hat so seine Anspr\u00fcche ( mindestens drei Zimmer, 100 m\u00b2, unter  1000 \u20ac Miete ) und kann diese auch verwirklichen, bis sein Vermieter 2015 Eigenbedarf anmeldet.<br \/>\nUnd nun beginnt die ern\u00fcchternde Jagd nach einer Wohnung, die r\u00e4umlich ausreichend und vor allem bezahlbar ist. Wenn sich 200 bis 300 Leute bei Wohnungsbesichtigungen dr\u00e4ngeln, dann sind die Chancen f\u00fcr jemanden mit der Berufsbezeichnung Schriftsteller ziemlich gering. Die Idee, dem Vermieter nachzuweisen, dass er die Wohnung gar nicht beziehen will, schl\u00e4gt ebenfalls fehl.<br \/>\nImmer wieder versucht der Autor, mit den Vermietern eine verbindliche Ebene zu finden, zumal eine der Wohnungen, die er sich ansieht, seine eigene vor einigen Jahren ist. Aber auch diese verzweifelten Hilfsaktionen f\u00fchren nicht zum Erfolg. Die Unsicherheit begleitet den Autor bis ans Ende des ersten Buches, auch wenn er seine eigenen vier W\u00e4nde finden wird. F\u00fcr wie lange steht in den Sternen.<br \/>\nIm zweiten Buch dreht sich alles um die Vorfahren von Jan Brandt und die aussichtslose Hoffnung, das Haus des Urgro\u00dfvaters zu retten. Die finanziellen Mittel fehlen einfach und der Autor selbst fragt sich, warum er diesmal so der Heimat verbunden ist, der er als Jugendlicher immer entfliehen wollte.<\/p>\n<p><em>\u201eDer Sinneswandel, den ich vollzogen hatte, war das Ergebnis meines Lebens: eine aus der eigenen Kinder- und Beziehungslosigkeit resultierenden Sehnsucht nach Stabilit\u00e4t und Kontinuit\u00e4t. Klassische Midlife-Crisis. Ich hatte mein Zuhause verloren, emotional und buchst\u00e4blich, und in Berlin eine existentielle Obdachlosigkeit erfahren \u2026.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Wanderte der Gro\u00dfvater einst in die USA aus und kehrte zur\u00fcck, so f\u00fchlt sich der Autor als Wiederkehrer seines Verwandten. Aber dieser eher emotionale Teil kann nicht \u00fcber die Tatsache hinwegt\u00e4uschen, dass niemand, nicht die Familie, nicht die Facebook-Freunde Geld f\u00fcr ein altes Haus er\u00fcbrigen wollen. Der Abriss ist l\u00e4ngst beschlossen, der Neubau auf dem Grundst\u00fcck ebenfalls.<br \/>\nDiese Mischung aus biografischen Anteilen und sachlicher Fakten machen die Lekt\u00fcre so anregend. Mal registriert Jan Brandt ganz klar, wie die Lage der Dinge ist und dann kippt der Text und pl\u00f6tzlich kommt der Mensch hervor, der sich um seine Existenz und Lebensideale sorgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan Brandt: Eine Wohnung in der Stadt &#8211; Ein Haus auf dem Land, DuMont Buchverlag, K\u00f6ln 2019, 424 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-8321-8356-1 \u201eDie meisten wohnten noch immer zur Miete, einer h\u00f6heren Miete als damals ( und in besseren Wohnungen ), wir&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/eine-wohnung-in-der-stadt-ein-haus-auf-dem-land\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2740"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2740"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2740\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2922,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2740\/revisions\/2922"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}