{"id":2735,"date":"2019-06-23T09:17:58","date_gmt":"2019-06-23T07:17:58","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2735"},"modified":"2019-06-23T09:17:58","modified_gmt":"2019-06-23T07:17:58","slug":"so-schoene-luegen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/so-schoene-luegen\/","title":{"rendered":"So sch\u00f6ne L\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tara Isabella Burton: So sch\u00f6ne L\u00fcgen, Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann, DuMont Buchverlag, K\u00f6ln 2019, 336 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-8321-8370-7<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3832183701\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3832183701&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=2bceef6c4edf01edde7814e7747105ad\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3832183701&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3832183701\" border=\"0\"><br \/>\n<em><br \/>\n\u201eLouise kann nur an eines denken: Dass alles Schreckliche, das ihr jemals jemand zugetraut hat, tats\u00e4chlich in ihr steckt, schon immer in ihr gesteckt hat, und dass es kein Universum gibt, in dem sie nicht irgendwann die Tat begangen h\u00e4tte, die sie begangen hat.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Zwei junge Frauen lernen sich in New York kennen. Die eine, Lavinia Williams, hat sich ein Sabbatjahr genommen, um angeblich ihren Roman zu schreiben und die andere, Louise Wilson, ist von New Hampshire in die Stadt, die niemals schl\u00e4ft, gezogen, um ihren Lebenstraum von der Schriftstellerei schnell wieder aufzugeben. Sie schl\u00e4gt sich mit drei Minijobs von Monat zu Monat und kann manchmal ihre Miete von gut 800 Dollar nicht bezahlen. Die \u00fcberdrehte Lavinia lebt in der ger\u00e4umigen Wohnung ihrer Eltern zwischen Park Avenue und Lex Avenue und hat eine Kreditkarte mit einem Guthaben von \u00fcber 100 000 Dollar. Lavinia, mal v\u00f6llig der Freundin ergeben, dann wieder launisch und unberechenbar, \u00f6ffnet f\u00fcr Louise die T\u00fcren zu sagenhaften Partys, auf denen sich die beiden ma\u00dflos betrinken, kiffen oder auch h\u00e4rtere Drogen nehmen und sich vorgaukeln, gebildet, interessant und am\u00fcsant zu sein. Mimi, eine junge Frau, folgt Lavinia wie ein H\u00fcndchen, andere Bekannte mit ber\u00fchmten Autorenv\u00e4tern geben sich sarkastisch oder auch intellektuell wie Lavinias Jugend- und Ex-Freund Rex Eliot. Lavinia und Louise haben nicht nur \u00e4hnliche Nachnamen, sie gleichen sich auch \u00e4u\u00dferlich. Bei all ihren Abenteuern, ob in Manhattan oder an Str\u00e4nden mitten im Winter, machen sie Selfies, posten ihre Aktivit\u00e4ten auf Instagram oder Facebook und lassen die Welt teilhaben.<br \/>\nImmer enger und wilder wird das Nachtleben der beiden, bei dem Louise finanziell nicht mithalten kann und au\u00dferdem ihre verschiedenen Arbeitsstellen vernachl\u00e4ssigt. Findet die extrovertierte Lavinia, die einfach nicht allein sein kann, Louise mysteri\u00f6s, so hofft Louise durch Lavinia auf beste Kontakte, um endlich auch ihre Geschichten zu ver\u00f6ffentlichen. Beide Frauen vertrauen sich Geheimnisse an und als Louise Lavinias Roman auf ihrem Handy liest, beginnen die L\u00fcgen und werden auch nicht wieder enden. V\u00f6llig sturzbetrunken \u00fcberl\u00e4sst Lavinia der Freundin ihre Kreditkarte mit Pin-Nummer und verf\u00fchrt die st\u00e4ndig vor der Pleite stehende zum Stehlen. Louise flieht vor einem aufdringlichen Typen vor ihrem Haus und wohnt bald bei Lavinia, die sie jedoch, auch wegen der Eigent\u00fcmergemeinschaft, nicht als Untermieterin anmelden kann und einen Schl\u00fcssel besitzen nur Lavinia und ihre j\u00fcngere brave Schwester Cordelia. Nach und nach verliert Louise durch ihre n\u00e4chtlichen Abenteuer und Lavinias Anh\u00e4nglichkeit ihre Jobs und den Boden unter den F\u00fc\u00dfen. Klar ist, dass Lavinias Eltern mit dem Verhalten der Tochter, die ihr Studium in Yale wieder aufnehmen soll, hadern.<\/p>\n<p>Lavinias k\u00f6rperliche N\u00e4he bringt Louise in Gewissenskonflikte, zumal sie sich in Rex, den k\u00fcnftigen Altphilologen, den Ex von ihrer besten Freundin verliebt hat.<br \/>\nEine wissende Erz\u00e4hlerstimme kl\u00e4rt den Leser \u00fcber den dramatischen Fortgang der Geschichte auf. Wobei dies gar nicht notwendig ist, denn in der Figurenkonstellation Lavinia und Louise ist der Konflikt bereits angelegt. Es stellt sich heraus, dass bereits Mimi in der Wohnung von Lavinia gewohnt hat und davor eine anderes M\u00e4dchen. Louise hebt immer mehr Geld von Lavinias Konto ab, l\u00fcgt und gibt vor, arbeiten zu gehen und kann aber bald die Schieflage ihrer Beziehung nicht mehr kitten. Lavinia wird aggressiv und gemein, wenn sie getrunken hat. Doch alles scheint am kommenden Tag vergessen. Als Lavinia Rex und ihre beste Freundin zusammen sieht, eskaliert die Handlung und wie beim \u201etalentierten Mr. Ripley\u201c t\u00f6tet die ums \u00dcberleben k\u00e4mpfende Louise ihre angeblich beste Freundin. War es ein Unfall, war es Absicht? Alles, was Louise nach dem Tod der Freundin unternimmt, ist ausgekl\u00fcgelt und sagenhaft brutal. Mit Hilfe der sozialen Medien kann Lavinia weiterleben, denn Louise konstruiert f\u00fcr sie ein neues Leben fern vom Alkohol und fern von New York.<br \/>\nPl\u00f6tzlich \u00f6ffnen sich f\u00fcr Louise M\u00f6glichkeiten, ihre Geschichten beim angesagten Fiddler \u2013 Onlinedienst anzubieten, und vielleicht auch in der Printausgabe zu platzieren. Ihre Idee, die Stadt mit einem falschen Pass zu verlassen, schwindet immer mehr. Sie beginnt mit Rex eine Aff\u00e4re und wird nachl\u00e4ssig beim Bezahlen bis pl\u00f6tzlich eine Bekannte Lavinias Kreditkarte bei Louise sieht. Sie beginnt diese zu erpressen und dann sitzt Cordelia, Lavinias siebzehnj\u00e4hrige Schwester in der Wohnung und kann nicht glauben, dass ihre Schwester so weit fort sein soll.<\/p>\n<p>Tara Isabella Burton f\u00fchrt den Leser in das New York der angeblich kulturell gebildeten Kreise, die zu viel auf sich halten. Auch wenn sich die beiden jungen Frauen talentfrei oder wenig talentiert <em>\u201eMehr Poesie!\u201c<\/em> als Tattoo stechen lassen, bleiben sie an der Oberfl\u00e4che, wie der zu Beginn temporeich geschriebene Roman auch leider ab der zweiten H\u00e4lfte. Auch wenn die Parallele zu Patricia Highsmith zu hoch gegriffen ist, die Begegnung mit Lavinia holt in Louise die schlechtesten Eigenschaften hervor und die moralische Frage verw\u00e4ssert. Psychologisch kaum nachvollziehbar ist, dass Louise erst nach einem halbem Jahr wahre Gewissensbisse verfolgen, ebenso nicht erkl\u00e4rbar ist, dass sie nun auf einmal literarisch so produktiv ist, dass sie wirklich Aufmerksamkeit erregt. Mag Louise die T\u00e4terin und das Opfer in einer Person sein, so kann doch die gesellschaftliche Ungerechtigkeit, die als Untertext irgendwie doch mitl\u00e4uft, den Leser nicht kalt lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tara Isabella Burton: So sch\u00f6ne L\u00fcgen, Aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann, DuMont Buchverlag, K\u00f6ln 2019, 336 Seiten, \u20ac22,00, 978-3-8321-8370-7 \u201eLouise kann nur an eines denken: Dass alles Schreckliche, das ihr jemals jemand zugetraut hat, tats\u00e4chlich in&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/so-schoene-luegen\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-2735","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-krimi"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2735","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2735"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2735\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2737,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2735\/revisions\/2737"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2735"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2735"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2735"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}