{"id":2731,"date":"2019-06-23T09:24:56","date_gmt":"2019-06-23T07:24:56","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2731"},"modified":"2019-06-23T09:24:56","modified_gmt":"2019-06-23T07:24:56","slug":"jesolo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/jesolo\/","title":{"rendered":"Jesolo"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tanja Raich: Jesolo, Blessing Verlag, M\u00fcnchen 2019, 224 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-89667-644-3<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B07K25NDPY\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B07K25NDPY&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=de986612d0fc816184c3389bdf06db1b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B07K25NDPY&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B07K25NDPY\" border=\"0\"><\/p>\n<p><em>\u201eWenn du \u00fcber Baupl\u00e4ne und Bewilligungen sprichst, wandere ich in Gedanken durch die Wohnung, \u00f6ffne die T\u00fcr, gehe die Treppe hinunter. Ich gehe \u00fcber die Stra\u00dfe, niemand, der mich aufh\u00e4lt, nur meine Schritte auf dem Asphalt. Ich gehe, so weit mich meine F\u00fc\u00dfe tragen k\u00f6nnen. Jeder Schritt tr\u00e4gt mich weiter, jeder Atemzug wird leichter, immer schneller. Aber als ich kurz davor bin, den Ort zu verlassen, holst du mich wieder zur\u00fcck.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Seit der Schule kennen sich die zwei und sind ein Paar. Georg arbeitet in einem Architekturb\u00fcro und die f\u00fcnfunddrei\u00dfigj\u00e4hrige Andrea ist Grafikerin. Er wohnt im Haus der Eltern in einem kleinen Dorf am Waldrand und sie hat ihre eigene kleine Wohnung. Alles beginnt im Urlaub am Strand von Jesolo. Immer wieder reisen die beiden hierher, sie kennen die Gegend, die Hotels. Es ist hei\u00df, Georg hat wie immer einen Sonnenbrand und keine Frage, ginge es nach Andrea, so ist die Luft in der Beziehung einfach raus. Immer wieder best\u00fcrmt Georg seine Freundin, dass sie zu ihm ziehen soll. Doch Andrea mauert, sie m\u00f6chte in der Stadt leben, auf keinen Fall bei den Schwiegereltern und schon gar nicht in einem kleinen Kaff, wo jeder jeden kennt. Vielleicht k\u00f6nnte man mal in Madrid wohnen, den Horizont erweitern. Doch Andreas Tr\u00e4ume sind nicht die von Georg. Sie streiten und legen eine Beziehungspause ein.<\/p>\n<p>Als Andrea nach dem Urlaub feststellt, dass sie schwanger ist, klappt die Familienfalle nach und<br \/>\nnach zu.<\/p>\n<p>Mit nur wenigen Worten und in kurzen Szenen skizziert Tanja Raich das allt\u00e4gliche Leben von Georg und Andi. Ohne Probleme kann der Leser sich den soziokulturellen Hintergrund von Georgs Familie vorstellen und deren Erwartungen. Niemand h\u00e4lt hinter den Berg und ehe sich Andi umdreht, sitzt sie jeden Sonntag, nachdem sie sich hat \u00fcberreden lassen, zu Georg zu ziehen, am Mittagstisch der Schwiegereltern, verbringt sie den M\u00f6belkauf mit der Schwiegermutter und muss  sich Georgs beschwichtigende Worte anh\u00f6ren, wenn die Schwiegermutter ihr Ratschl\u00e4ge erteilt.<br \/>\nAndis Mutter hat die Tochter verlassen, als das M\u00e4dchen zehn Jahre alt war. Zum Vater hat sie ein schlechtes Verh\u00e4ltnis. Georg jedenfalls beginnt mit dem Nestbau. F\u00fcr beide gibt es nur noch zwei Themen, Ausbau des Dachstuhls und Kind. Nach der Aufnahme eines Kredites, auch das wollte Andi nie, und aufwendigen Umbauten zieht sie hochschwanger in die neue Wohnung. Die Schwiegermutter putzt mit vorwurfsvoller Miene die Wohnung, obwohl sie niemand darum gebeten hat. Georg verb\u00fcndet sich mit seinem Vater. Andi beobachtet, dass beide mit offenem Mund kauen und wenn sie aus dem Gasthof kommen, dann klingt Georg wie die Dorfbev\u00f6lkerung, die sich vor den Booten auf dem Mittelmeer f\u00fcrchtet und die Grenzen geschlossen haben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>In Andis Tr\u00e4umen taucht immer wieder die eigene Mutter auf, die nie den Kontakt zur Tochter gesucht hat. Immer tr\u00e4umt sie von Wasser und unheilvollen Katastrophen. Andi ahnt, dass sie ihre Arbeit in der alten Firma nach der Erziehungspause nicht wiederbekommen wird. Aber sie musste sich ja schon die Tiraden der Schwiegermutter anh\u00f6ren, die gar nicht verstehen kann, dass Andi trotz Kind arbeiten m\u00f6chte.<br \/>\nAb und zu wehrt sich Andi gegen die \u00fcbergriffige Schwiegermutter, die es ja nur gut meint. Aber die Aussicht mit Kind und zugegeben auch Frauen aus der Umgebung, die Kleinkinder haben, am Waldesrand zu wohnen, stimmt sie kaum optimistisch.<\/p>\n<p><em>\u201eSie sagen &#8218;mein&#8216; zu ihren M\u00e4nnern. Ihre M\u00fcnder gehen auf und zu, wie Kaulquappen, kleine Luftblasen steigen \u00fcber ihren K\u00f6pfen auf.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Allein der Gedanke, auch wenn die Gro\u00dfeltern bestimmt ganz viel helfen, mit den Schwiegereltern unter einem Dach zu wohnen, ist schon be\u00e4ngstigend. Viel beunruhigender ist die Tatsache, dass sich Georg immer mehr ver\u00e4ndert und nahtlos in der Familiengemeinschaft mit ihrem rechten Gedankengut aufgeht. Wie Frauen mit kleinen Kompromissen und Schweigen in eine Leben rutschen, dass sie eigentlich nicht wollen, davon erz\u00e4hlt dieser bedr\u00fcckend geschriebene Roman.<br \/>\nDenn wie gl\u00fccklich wird man in einer perfekt eingerichteten Wohnung, wenn es keinen Gespr\u00e4chsstoff mehr gibt, der sich nicht mit Hausbau, Anschaffungen, Kreditabzahlungen, Arbeit in Haus und Garten oder Kind besch\u00e4ftigt?<\/p>\n<p>Eine Fortsetzung w\u00e4re interessant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tanja Raich: Jesolo, Blessing Verlag, M\u00fcnchen 2019, 224 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-89667-644-3 \u201eWenn du \u00fcber Baupl\u00e4ne und Bewilligungen sprichst, wandere ich in Gedanken durch die Wohnung, \u00f6ffne die T\u00fcr, gehe die Treppe hinunter. 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