{"id":2715,"date":"2019-06-23T09:13:45","date_gmt":"2019-06-23T07:13:45","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2715"},"modified":"2019-06-23T09:13:45","modified_gmt":"2019-06-23T07:13:45","slug":"alexandra","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/alexandra\/","title":{"rendered":"Alexandra"},"content":{"rendered":"<p><strong>Natasha Bell: Alexandra, Aus dem Englischen von Pauline Kurbasik, Diana Verlag, M\u00fcnchen 2019,<br \/>\n415 Seiten, \u20ac17,00, 978-3-453-29197-3<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3453291972\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3453291972&amp;linkCode=as2&amp;tag=wwwkarinhahnr-21&amp;linkId=7e857a3ba65d92586645a354c08ea529\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=3453291972&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=wwwkarinhahnr-21\" border=\"0\"><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" alt=\"\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=wwwkarinhahnr-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=3453291972\" border=\"0\"><\/p>\n<p><em>\u201eIch wei\u00df nicht, ob ich ausreiche. Ich will K\u00fcnstlerin sein. Ich will, dass mein Leben etwas bedeutet.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Alexandra und Marc Southwood sind seit vierzehn Jahren verheiratet und haben zwei M\u00e4dchen, Charlotte und Lizzie. Sie leben in York, haben ein sch\u00f6nes Haus, Arbeit und Freunde. Sie lieben sich immer noch und alles scheint in bester Ordnung bis zu dem Tag, an dem Alexandra nicht nach Hause zur\u00fcckkehrt. Detective Inspector Jones behandelt das Verschwinden Alexandras mit einer Seelenruhe, die Marc einfach nur hektischer und verzweifelter macht. Tage, Wochen vergehen und niemand meldet sich. Nur der Fund ihrer Sachen am Fluss, ihr Pullover ist blutverschmiert, weisen auf ein Tat hin, die Marc nicht wahrhaben will.<\/p>\n<p>Als Ich-Erz\u00e4hlerin fungiert in diesem Thriller die verschwundene Figur. Alexandra berichtet von den Geschehnissen seit ihrem Verschwinden und sie erinnert sich an die erste Begegnung mit Marc und ihr Leben in York. Denn eigentlich wollte Alexandra nach ihrem zweiten Treffen mit Marc wieder nach Chicago zu ihren Kunstprojekten zur\u00fcckkehren. Aber kurzerhand entschlie\u00dft sie sich zu bleiben. Das wahre Leben hat ihr somit einen Strich durch ihre Pl\u00e4ne gemacht. Marc kann nicht glauben, dass sie wirklich alles f\u00fcr ihn aufgibt, Kinder bekommt und ein b\u00fcrgerliches Leben als Kunstlehrerin im \u00fcbersichtlichen York f\u00fchren wird.<br \/>\nAlles was Alexandra \u00fcber das Leben ihrer Familie berichtet, ist zwar aus erster Hand, aber es ist ihre Sicht. Die Erz\u00e4hlungen \u00fcber das Geschehen nach 2013, ihrem Verschwinden, sind Mutma\u00dfungen.<br \/>\nDoch wo ist sie? Wer ist dieser Mann, der sie ausfragt, zum Reden auffordert, bedroht, festh\u00e4lt?<\/p>\n<p>Die Zeit vergeht und es offenbaren sich immer mehr Zeichen, dass die impulsive und spontane Alexandra vielleicht doch nicht so gl\u00fccklich an Marcs Seite war. In einzelnen Szenen wird klar, dass Alexandra durchaus gegen ihr konformes und angepasstes Leben revoltiert. Sie wollte mit Marc nach der Geburt der Tochter einfach mal so nach Lateinamerika gehen. Das war ihr erster wirklich ernsthafter Streit. Sie ermutigt die Tochter von Freunden zu einem mit Blut \u00fcberstr\u00f6mten Kunstprojekt, damit sie endlich ihre inneren Konflikte freilegen kann. Die Schule ist nicht erfreut. Sie glaubt, dass ein achtj\u00e4hriges Kind freie Entscheidungen auch gegen den Willen der Mutter, wieder eine Freundin von Alexandra, durchsetzen darf. Und sie bemerkt, dass ihre Tochter Lizzie die Andersartigkeit der Mutter mehr als nur verachtet. Sie will unbedingt <em>\u201enormal\u201c<\/em> sein, was Alexandra mehr als aufbringt.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist viel Zeit vergangen und die Polizei denkt auch nach \u00f6ffentlichen Aufrufen durch die Medien an ein T\u00f6tungsdelikt. Marc sucht in den Sachen seiner Frau nach Zeichen f\u00fcr ihren freiwilligen Weggang. Er findet Briefe eine Freundin, Amelia Heldt, aus Chicago, die ihren Weg als K\u00fcnstlerin kompromisslos und radikal \u00fcber die Empfindungen ihrer Bekannten und Freunde hinweg geht.<br \/>\nF\u00fcr sie bedeutet Kunst die Offenlegung wahrer Gef\u00fchle, die nicht mehr im Privaten ihren Platz haben. Sicher denkt man als Leser sofort an Karl Ove Knausg\u00e5rd, der sein Leben in sieben B\u00fcchern und einer eleganten, wie fesselnden Sprache schonungslos und ohne R\u00fccksicht auf Familienangeh\u00f6rige offen gelegt hat. Stellt sich auch die Frage, wo endet die Kunst und ab wann ist der K\u00fcnstler einfach nur ein peinlicher Voyeurist. Amelias Briefe besch\u00e4ftigen Marc, wusste sie doch mehr \u00fcber Alexandras Leben als er. Zumal er nun erfahren hat, dass seine alkohols\u00fcchtige Schwiegermutter, die von Alexandra immer wieder besucht wurde, bereits vor sechs Jahren verstorben ist. Was hat Alexandra in der Zeit gemacht, in der sie angeblich bei der Mutter war.<\/p>\n<p>Etwas plakativ, aber doch spannend umrundet die englische Autorin Natasha Bell die Fragen der b\u00fcrgerlichen Existenz, der Rolle der Frau und vor allem die Frage der Identit\u00e4t. Wie weit darf die Kunst gehen, ist ebenfalls eine Frage, die sich der Leser nach diesem Roman stellt, der bis zum Ende die Spannung h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Natasha Bell: Alexandra, Aus dem Englischen von Pauline Kurbasik, Diana Verlag, M\u00fcnchen 2019, 415 Seiten, \u20ac17,00, 978-3-453-29197-3 \u201eIch wei\u00df nicht, ob ich ausreiche. Ich will K\u00fcnstlerin sein. 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