{"id":264,"date":"2019-06-21T12:25:07","date_gmt":"2019-06-21T10:25:07","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=264"},"modified":"2019-06-21T12:25:07","modified_gmt":"2019-06-21T10:25:07","slug":"dr-chickensoup","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/dr-chickensoup\/","title":{"rendered":"Dr. Chickensoup"},"content":{"rendered":"<p><strong>Renate Welsh: Dr. Chickensoup, Nilpferd im Residenz Verlag, St. P\u00f6lten 2011, 143 Seiten, \u20ac 13,90, 978-3-7017-2099-6<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eFr\u00fcher, wann immer das gewesen war, fr\u00fcher also hatte sie geglaubt, dass sich die Erwachsenen auskannten in der Welt. Jetzt hatte sie das Gef\u00fchl, dass die Erwachsenen nicht wirklich besser Bescheid wussten.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Julia lebt mit ihrer gestressten Mutter allein in Wien. Immer wieder schaut die Oma vorbei und nervt alle mit ihren guten Ratschl\u00e4gen, den aufopferungsvollen Geschichten von gestern und ihren permanenten gut gemeinten Vorw\u00fcrfen. Julias Vater hat der Mutter, die f\u00fcr seine Firma geb\u00fcrgt hat, einen Schuldenhaufen hinterlassen und sich vor Jahren ins Ausland abgesetzt. Allein schon zwei Euro mal so nebenher f\u00fcr die Schule sind f\u00fcr die Mutter ein Belastung. Als Kassiererin wir ihr Gehalt offensichtlich gepf\u00e4ndet und es bleibt wenig zum Leben. Julias Oma benimmt sich wie eine Dampfwalze. Sie hilft zwar hier und da und doch gibt es immer nur Streit. Nie hat die Tochter ihre viel zu hohen Erwartungen erf\u00fcllt und nun diese Entt\u00e4uschung und Misere.<br \/>\nJulia hat keine Freunde in der Klasse, zu Geburtstagen wird sie nicht eingeladen und ist auch froh, denn sie k\u00f6nnte kein Geschenk mitbringen. Mit Freunden im Schwimmbad verabreden ist ebenfalls nicht m\u00f6glich.<br \/>\nDabei glaubte Julia fr\u00fcher immer, dass arm sein etwas sei, dass in die Vergangenheit geh\u00f6rt. Die Oma mit ihren Geschichten vom schweren Arbeiten, arm sein und sparen m\u00fcssen, das leuchtete ihr ein, aber dass es nun sie und ihre Familie trifft, kann sie eigentlich nicht verstehen.<br \/>\nFrau Kronig aus dem Haus f\u00e4ngt Julia immer wiedermal nach der Schule ab und l\u00e4dt sie zur Gulaschsuppe ein. Ihre Geschichten von fr\u00fcher sind eher lustig und nicht so gespickt mit Vorw\u00fcrfen und Ermahnungen.<br \/>\nDabei m\u00f6chte auch Julias Mutter einfach nur leben. Sie \u00f6ffnet ihre T\u00fcr f\u00fcr Marcel, einen optimistischen jungen Mann, der ebenfalls nichts hat, nicht mal einen Job.<br \/>\nAls Leyla aus Kaschmir, die noch kaum deutsch versteht, in Julias Klasse kommt, m\u00f6chte die Lehrerin, dass sich Julia um sie k\u00fcmmert. Die beiden werden Freundinnen.<br \/>\nWie es um die Gef\u00fchle der Erwachsenen steht, erkennt Julia als die Mutter schwer erkrankt. Auch wenn Mutter und Oma wieder einen heftigen Streit, nat\u00fcrlich wegen dem nichtsnutzigen Marcel hatten, ruft Julia die Oma an. Und sie kommt sofort und k\u00fcmmert sich liebevoll um ihr <em>\u201eM\u00e4derle\u201c<\/em>. Schickt Leylas Oma H\u00fchnersuppe f\u00fcr die kranke Mutter, so wird Julias Oma H\u00fchnersuppe kochen als sie erf\u00e4hrt, dass Leylas Opa in der Heimat gestorben ist. Dr. Chickensoup als heilende Medizin f\u00fcr alle Krankheiten, physische und seelische.<\/p>\n<p>Die Wogen gl\u00e4tten sich langsam, nur Julias Mutter wird wirklich entlassen. Vielleicht eine Chance f\u00fcr einen Neubeginn.<br \/>\nRenate Welsh hat einen Kinderroman mitten aus dem Leben geschrieben, denn l\u00e4ngst sind die Themen, die sie anschneidet in der Gesellschaft kaum die gro\u00dfe Ausnahme.<\/p>\n<p>Einf\u00fchlsam erz\u00e4hlt sie aus Julias Blickwinkel von der Einsamkeit des Kindes, dem ausgegrenzt sein und zu schnellen erwachsen werden. Immer wieder bei\u00dfen sich die Erwachsenen auf die Zunge, wenn sie bemerken, dass sie ihre Probleme vor dem Kind ausbreiten. Doch sie haben keine andere Wahl, die Konflikte in der Familie betreffen auch die Kinder und die haben l\u00e4ngst verstanden, was Sache ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Renate Welsh: Dr. Chickensoup, Nilpferd im Residenz Verlag, St. P\u00f6lten 2011, 143 Seiten, \u20ac 13,90, 978-3-7017-2099-6 \u201eFr\u00fcher, wann immer das gewesen war, fr\u00fcher also hatte sie geglaubt, dass sich die Erwachsenen auskannten in der Welt. 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