{"id":2536,"date":"2019-06-23T08:24:13","date_gmt":"2019-06-23T06:24:13","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2536"},"modified":"2019-06-23T08:24:13","modified_gmt":"2019-06-23T06:24:13","slug":"nachtflug","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/nachtflug\/","title":{"rendered":"Nachtflug"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sofie Cramer, Kati Naumann: Nachtflug, TB, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 284 Seiten, \u20ac9,90, 978-3-499-27411-4<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMilan hatte bewusst gelogen. Und ich hatte mich wie ein dummes \u00c4ffchen mit einer Banane aus dem Urwald locken lassen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Zwei v\u00f6llig unterschiedliche Menschen treffen auf engstem Raum, allerdings ist die Business class noch etwas komfortabler als die Economy class, aufeinander. Zum einen ist da Ingrid Meier, eine 56-j\u00e4hrige, v\u00f6llig weltfremde, kompakte Frau, die als Garderobiere in einem Opernhaus arbeitet und zum ersten Mal \u00fcberhaupt ins Ausland fliegt. Und da ist Jakob von Wieding, der weltgewandte Anwalt und Vielflieger zwischen Berlin und New York, der sich f\u00fcr den Flug genug Arbeit vorgenommen hat.<br \/>\nAus beider Sicht jeweils wird nun erz\u00e4hlt und alles beginnt damit, dass Ingrid den Abflug des Flugzeuges nach New York durch ein dubioses Gep\u00e4ckst\u00fcck aufh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Der h\u00f6fliche Jakob kann sich der etwas naiven und m\u00e4chtig nach Parf\u00fcm riechenden Frau, die sofort alle Fotos von ihrem Sohn vom Baby bis zum erwachsenen Mann pr\u00e4sentiert, nicht entziehen und so kommen die beiden ins Gespr\u00e4ch, denn Ingrid wartet mit einer wirklich verwirrenden Geschichte auf. Sie ist angeblich mit zwei M\u00e4nnern verheiratet. Nun gut, von dem einen ist sie hoffentlich bald geschieden, aber mit dem anderen verbindet sie alles, ihre Hoffnungen f\u00fcr die Zukunft und die absurde Idee, sie k\u00f6nne drei\u00dfig Jahre einfach mal so zur\u00fcckholen. Ingrid ist in erster Ehe mit dem Stardirigenten der MET, Milan Bering, verheiratet. Allerdings ist der 71-J\u00e4hrige an Krebs erkrankt und nun hat er sie zu sich eingeladen und ihr dieses teure Flugticket spendiert.<\/p>\n<p>Der zwanzig Jahre \u00e4ltere Milan hat Ingrid zu DDR-Zeiten als Studentin der Musikwissenschaften kennengelernt und sie geheiratet. Als sie ihm von ihrer Schwangerschaft erz\u00e4hlte, war er sichtlich ger\u00fchrt und noch gl\u00fccklicher, da er nun famili\u00e4r gebunden in den Westen reisen durfte und dort blieb. Nie mehr hat Ingrid von ihrem Ehemann geh\u00f6rt, auch nicht nach der Wende. Er hat sich weder um ihr Schicksal, sie wurde exmatrikuliert und sozusagen mit einem anderen Mann auf Gehei\u00df ihrer Familie und der Stasi, einem brutalen Handwerker, verheiratet. Ihr Sohn Christian hat die Musikalit\u00e4t des Vaters geerbt, auch nach ihm hat Milan nie gefragt. Jakob sagt Ingrid sofort auf den Kopf zu, was er von diesem Musikgenie h\u00e4lt. F\u00fcr ihn ist er, Talent und Politik hin oder her, ein egoistischer Mensch und wenn Ingrid ein bisschen realistischer die Sache betrachten w\u00fcrde, k\u00e4me sie zu dem gleichen Schluss.<\/p>\n<p>Aber Ingrid musste sich f\u00fcgen, auch dem Diktat ihrer harten Mutter, um die sie sich heute k\u00fcmmern muss. Der einzige Mensch, der es gut mit ihr meint, ist ihr Schwager Bernd. Aber was kann dieser schon gegen einen ber\u00fchmten Prominenten ausrichten, der der einstigen Ehefrau nun nach drei\u00dfig Jahren sein Verm\u00f6gen zu F\u00fc\u00dfen legt? Im Gespr\u00e4ch mit Ingrid, die nicht umsonst so viele Ratgeber gelesen hat, enth\u00fcllen sich langsam auch Jakobs famili\u00e4re Probleme. Jakobs Frau h\u00fctet die beiden Kinder und verbringt kaum Zeit mit ihrem Ehemann, zumal dieser sich auch noch auf eine Aff\u00e4re mit seiner energischen Chefin eingelassen hat. Aber Jakob wei\u00df, dass er mit seiner Arbeit in New York alles finanzieren muss, das gro\u00dfe Haus, die Anspr\u00fcche und Erwartungen seiner Frau. Als dann das Flugzeug auch noch in ein Unwetter fliegt und Ingrid und Jakob, die sich mal streiten, dann wieder um Harmonie besorgt sind und sich letztendlich sogar das Du anbieten, kann Jakob nicht mehr an sich halten und muss Ingrid unbedingt erz\u00e4hlen, was er \u00fcber ihren heiligen Milan zu wissen glaubt.<\/p>\n<p>Am\u00fcsant und in hohem Tempo spielen sich die beiden gegens\u00e4tzlichen Akteure dieser unterhaltsamen Geschichte die B\u00e4lle zu. Sicher muss man dieses Buch nicht in einem Flugzeug lesen, aber die Lekt\u00fcre verk\u00fcrzt die Flugzeit ungemein. Der altersm\u00e4\u00dfige Abstand zwischen den Gespr\u00e4chspartnern mit unterschiedlichen Herk\u00fcnften und Lebenserfahrungen sorgt auch f\u00fcr Komik, zumal die Stewardess glaubt, Ingrid sei die Mutter von Jakob. Der smarte Anzugtr\u00e4ger ist der hausbackenen Tr\u00e4umerin zum Gl\u00fcck nicht \u00fcberlegen und am Ende finden beide sogar ein Arrangement, bei dem beide vielleicht richtig gl\u00fccklich werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sofie Cramer, Kati Naumann: Nachtflug, TB, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 284 Seiten, \u20ac9,90, 978-3-499-27411-4 \u201eMilan hatte bewusst gelogen. 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