{"id":2513,"date":"2019-06-23T08:28:01","date_gmt":"2019-06-23T06:28:01","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2513"},"modified":"2019-06-23T08:28:01","modified_gmt":"2019-06-23T06:28:01","slug":"vom-ende-eines-langen-sommers","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/vom-ende-eines-langen-sommers\/","title":{"rendered":"Vom Ende eines langen Sommers"},"content":{"rendered":"<p><strong>Beate Teresa Hanika: Vom Ende eines langen Sommers, btb Verlag, M\u00fcnchen 2018, 317 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-442-75707-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIch verstehe es ja selbst nicht. Ich will sagen, dass ich das Kind zweier M\u00f6rder bin, dass ich wei\u00df, wer mein Vater ist, und wei\u00df, wer meine Mutter ist, und dass ich mir w\u00fcnsche, es nicht zu wissen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Jeden Sommer verbringt die Familie von Marielle Fellner den Sommer auf einem Landgut der Verwandten in der Toscana, in Fornocchia. Zum letzten Mal wird die nun bereits Anfang 40-j\u00e4hrige Erz\u00e4hlerin mit ihrer Mutter Franka die Reise von M\u00fcnchen aus in den S\u00fcden Richtung Lucca antreten. Marielle lebt eigentlich in Amsterdam und arbeitet ohne jeglichen beruflichen Erfolg an ihren Skulpturen, dabei h\u00e4tte sie doch mehr Talent als Malerin. Doch ihre Mutter, die sie einst in New York adoptiert hat, hat nur Spott f\u00fcr die Kunst der Tochter \u00fcbrig. Beider Verh\u00e4ltnis ist mehr als distanziert und eher durch Schweigen und Gef\u00fchlsk\u00e4lte charakterisiert. Richtig geliebt wurde das Kind nur von ihrem Kinderm\u00e4dchen Martha, von dem sie einst glaubte, es sei ihre Mutter. Zwar hat sich Marielle auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter, einem angeblich jungen Dienstm\u00e4dchen begeben, aber ohne Erfolg.<br \/>\nUm finanzielle Fragen muss sich Marielle nicht k\u00fcmmern, denn sie lebt von ihrem Erbe. Den Gro\u00dfeltern geh\u00f6rte eine gutgehende Handschuhfabrik.<\/p>\n<p>Nach dem Tod der Mutter, die ihre Krebserkrankung f\u00fcr sich behalten hatte und mit der Tochter nach Italien fuhr, um auch dort zu sterben, erh\u00e4lt Marielle von ihrer Tante Maria de Renzi ein Paket mit Tageb\u00fcchern.<br \/>\nNun erz\u00e4hlt Franka von einem langen Sommer in Italien im Jahre 1944 und sp\u00e4ter dann vom Jahr 1963, einem Jahr bevor Marielle geboren wurde. Marielle liest eher widerwillig die Aufzeichnungen der Mutter, die Marie eigentlich verbrennen sollte. Nach und nach setzt sich jedoch ein neues Bild von der Mutter im Kopf der Tochter zusammen. Auf dem Landgut in den Bergen waren drei deutsche Angeh\u00f6rige des Milit\u00e4rs einquartiert. Trotz deren Anwesenheit l\u00e4sst sich Franka dazu \u00fcberreden, den Partisanen in den Bergen Lebensmittel und Medikamente zu bringen. Dass diese Kollaboration mit dem Feind nicht ohne Folgen bleiben kann, ahnen alle auf dem Landgut, die von Frankas n\u00e4chtlichen Ausfl\u00fcgen wissen. Als Franka sich mit Bruno Nehrlich, der offenbar aber verheiratet ist, einl\u00e4sst, glaubt sie sich auf der sicheren Seite. Sie ahnt nicht, dass die tragischen Geschehnisse eines Abends, in denen sie sich schuldig gemacht hat, ihr ganzes Leben \u00fcberschatten werden.<\/p>\n<p>Beate Teresa Hanika ist eine versierte Erz\u00e4hlerin ( Unvergesslich ihr Jugendroman <em>\u201eRotk\u00e4ppchen muss weinen\u201c<\/em>!), die gekonnt zwischen den Zeitebenen hin- und herspringt, ohne den Leser zu verlieren. Ihre Naturbeschreibungen entfalten jedoch nicht den poetischen, sinnlichen Zauber, den die Sehnsuchtslandschaft Toscana sonst entfacht. Zwar sp\u00fcrt man beim Lesen die Sonne des S\u00fcdens, sieht die Rosmarinpflanzen an einer bestimmten Stelle wachsen und doch w\u00fchlt diese Geschichte nicht emotional auf. Es bliebt eine unerkl\u00e4rliche Distanz, wie die zwischen Franka und Marielle. Vielleicht liegt es am ausf\u00fchrlichen Auserz\u00e4hlen aller Geschehnisse, an der Furcht vor Auslassungen und Ambivalenzen. Diese Stille zwischen Mutter und Tochter erkl\u00e4rt sich vielleicht durch die Schuldgef\u00fchle Frankas und doch hat sie ihr Kind ja behalten und nicht zur Adoption freigegeben. Es bleibt ein Unbehagen nach dem Lesen, vielleicht auch, weil das Massaker in Sant&#8217;Anna di Stezzema, dass die Deutschen als Strafe an den Italienern ver\u00fcbt haben, so schmerzlich nebenher erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beate Teresa Hanika: Vom Ende eines langen Sommers, btb Verlag, M\u00fcnchen 2018, 317 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-442-75707-7 \u201eIch verstehe es ja selbst nicht. 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