{"id":2449,"date":"2019-06-23T08:41:28","date_gmt":"2019-06-23T06:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2449"},"modified":"2019-06-23T08:41:28","modified_gmt":"2019-06-23T06:41:28","slug":"naechste-station","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/naechste-station\/","title":{"rendered":"N\u00e4chste Station"},"content":{"rendered":"<p><strong>Helen Simpson: N\u00e4chste Station, Aus dem Englischen von Michaela Grabinger, Verlag Kein &amp; Aber, Z\u00fcrich 2018, 206 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-0369-5777-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMit \u00fcber achtzig lebt man in einem anderen Land, am Hof des Despoten. Man hofft, der Tag m\u00f6ge so fern wie m\u00f6glich sein, wei\u00df aber, dass man auf der Abschussliste steht.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Von Station zu Station verfolgt die Erz\u00e4hlerin dieser Geschichten Menschen, die sich eher in der zweiten H\u00e4lfte des Lebens befinden. Es sind vor allem Frauen, die auf die gelebten Jahren zur\u00fccksehen, auf gute wie schlechte Zeiten, sie denken an die Kinder und an den Tod. Eine kleine Reisegruppe englischer Pension\u00e4re reist nach Berlin, um sich den <em>\u201eRing der Nibelungen\u201c<\/em> von Richard Wagner anzusehen. Im Zentrum stehen Tracey und Adam, die doch etwas j\u00fcnger sind als ihre Reisegef\u00e4hrten. Eigentlich wollte der verhasste Vater von Adam, ein Wagner-Liebhaber, und seiner Frau diese Fahrt antreten. Beide sind kurz nacheinander verstorben und nun sitzen Sohn und Schwiegertochter auf ihren Pl\u00e4tzen, immerhin war ja schon alles bezahlt. Adam grollt die ganze Zeit und Tracey schauert es vor dem Gedanken, mit diesem Mann bis ans Ende ihrer Tage zu leben, zumal Adam, das wird nicht genau erl\u00e4utert, sich kurzzeitig auf Abwegen befand. In den vier Tagen in Berlin besucht die Gruppe Sehensw\u00fcrdigkeiten, debattiert \u00fcber die deutsche Geschichte und nat\u00fcrlich die Musik Wagners. Tracey wird in ihren Gedankenstr\u00f6men w\u00e4hrend der Auff\u00fchrungen, leider gibt es keine englischen \u00dcbertitel und so sammelt sie deutsche W\u00f6rter und \u00fcbersetzt diese, immer tiefer in den Zauber der Komposition hineingezogen.<\/p>\n<p><em>\u201e Es ist, wie wenn man verliebt ist: faszinierend. Etwas Kraftvolles liegt in der Luft; man kann es weder sehen noch greifen, doch es dominiert alles.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Doch statt sich zu entfernen, wie zu Anfang vermutet, bringt diese Opernfahrt die beiden Eheleute wieder n\u00e4her.<\/p>\n<p>Helen Simpson ist in jeder Geschichte ihren Hauptfiguren sehr nah, ob sie nun in Panik sind, weil sie die Gleitsichtbrille im Zug vergessen haben oder einem russischen Handwerker zunehmen ungeduldig zusehen, wie er in aller Ruhe nach einem Fehler in der Gefriertruhe sucht. Im Dialog aller spiegeln sich gesellschaftliche Konflikte, aber auch Banalit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Von Station zu Station, ob nun in London oder in Berlin streift die Autorin allgemeinmenschliche Themen, in dem sich Protagonisten begegnen, die ihre Interessen teilen, wie in der Geschichte \u00fcber den Literaturzirkel oder weit entfernt, wie in der Geschichte im Krankenhaus, die von einem Gefangenen, der eine Krankheit simulieren m\u00f6chte und einem wirklich Kranken handelt. \\r\\nMal ist es der gelassene Blick auf Vergangenes, dann wieder der ironische. Eins ist klar, der Leser und die Leserin f\u00fchlen sich auf einem literarisch hohen Niveau gut unterhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helen Simpson: N\u00e4chste Station, Aus dem Englischen von Michaela Grabinger, Verlag Kein &amp; Aber, Z\u00fcrich 2018, 206 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-0369-5777-7 \u201eMit \u00fcber achtzig lebt man in einem anderen Land, am Hof des Despoten. 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