{"id":2425,"date":"2019-06-23T08:44:34","date_gmt":"2019-06-23T06:44:34","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2425"},"modified":"2019-06-23T08:44:34","modified_gmt":"2019-06-23T06:44:34","slug":"eine-liebe-in-gedanken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/eine-liebe-in-gedanken\/","title":{"rendered":"Eine Liebe, in Gedanken"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kristine Bilkau: Eine Liebe, in Gedanken, Luchterhand Literaturverlag, M\u00fcnchen 2018, 253 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-630-87518-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eSie will nicht die Wartende sein, die Ungeduldige, aber was soll sie dagegen tun, sie wartet und ist ungeduldig. Sie versteht nicht, und er schrieb ihr ja auch nicht, was ihn davon abh\u00e4lt, ihr den Flugschein zu schicken. Damit sie endlich ihre Unterlagen f\u00fcr das Visum einreichen kann, damit sie wei\u00df, wie es weitergeht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Tonis Tochter ist \u00fcberrascht, als die Nachricht kommt, ihre Mutter ist verstorben, wahrscheinlich im Schlaf. Wie ein roter Faden durchzieht nun das langsame Ausr\u00e4umen der Wohnung und der Umgang mit dem Nachlass der Mutter die Geschichte. Nach und nach setzt die Autorin ein Bild von Tonis Mutter zusammen, einer jungen, lebensfrohen, ja auch unkonventionellen Frau, die an der Ostsee, in der Flensburger F\u00f6rde, mit einer verbitterten und entt\u00e4uschten Mutter und zwei Geschwistern gro\u00df geworden ist. Frei wollte Toni leben, unabh\u00e4ngig sein und eigenst\u00e4ndig. Als sie Edgar Mitte der 1960er Jahre kennenlernt, scheint er, der besonnene, kultivierte und ehrgeizige Mann, der richtige f\u00fcrs Leben zu sein.<br \/>\nNoch wohnt Toni bei ihrer sittenstrengen Untermieterin, noch ist alles im Werden.<\/p>\n<p>Auch Tonis Tochter erinnert sich an die immer wieder erz\u00e4hlten Geschichten der Mutter, besonders an die von Edgar. Immer im Sp\u00e4tsommer f\u00e4hrt die Mutter am Haus Edgars vorbei, dann ist er aus der Ferne zur\u00fcckgekehrt. Doch sie hat keinen Kontakt mehr zu ihm. Einmal noch, nach vierzig Jahren, hat sie wiedergesehen und gesprochen. Doch auch dieses Treffen hat nichts gebracht.<\/p>\n<p>In R\u00fcckblenden bl\u00e4ttert sich langsam die Liebesgeschichte von Toni und Edgar auf. Er schreibt Briefe und Karten, wenn sie getrennt sind. Sie akzeptiert, dass er bereits Vater ist, seinen Sohn jedoch nicht gro\u00dfzieht. Sie beginnt ihre viel versprechende berufliche Karriere und mietet eine kleine Dachwohnung. Sie reist als zweite Assistentin und schl\u00e4gt, wenn sie dann mal Geld hat, gern \u00fcber die Str\u00e4nge. So findet die Tochter sogar in den Papieren der verstorbenen Mutter einen Haftbefehl, dessen Ursache eine Summe knapp unter 400 Euro ist, die die Mutter wohl nicht zahlen wollte.<br \/>\nZweimal wurden die Ehen der Mutter geschieden, bis sie beschlossen hatte, nur f\u00fcr sich zu sein. Die Hoffnung auf den Mann, f\u00fcr den sie alles aufgegeben hatte, begleitet sie bis ins hohe Alter.<\/p>\n<p>Die Welt schien f\u00fcr Toni und Edgar offen und so best\u00e4rkte sie ihn, sich eine berufliche Karriere in Hongkong aufzubauen. Nach Monaten erreichte sie dann ein Telegramm mit der Nachricht, sie solle alle Br\u00fccken abbrechen und zu ihm reisen. Toni folgte diesem Ruf, f\u00fchlte sich verlobt und wartete auf das Flugticket, das nie gekommen war.<\/p>\n<p>Nach dem Tod der Mutter hat die Tochter nur einen Wunsch, sie will mit dem geheimnisvollen Edgar reden, ihn sehen, wenn sie ihm die Nachricht bringt. Wird er ihr eine Antwort auf ihre Fragen geben, warum er ein Telegramm, aber keinen Flugschein geschickt hat, warum er auch sp\u00e4ter, als er Erfolg hatte, die Beziehung nie wieder aufgenommen hat.<br \/>\nBetrachtet die Tochter das Leben der Mutter, dann war es unstet, wechselvoll, vielleicht auch gl\u00fccklich. Die einzige Konstante, das wei\u00df die Tochter, war jeden Sp\u00e4tsommer das Vorbeifahren am Haus von Edgar \u2013 es war und blieb, eine Liebe, in Gedanken.<\/p>\n<p>Kristine Bilkau erz\u00e4hlt unterhaltsam von einer jungen Frau, die in den moralisch etwas verstaubten 1960er Jahren lebt und ihr Lebensgl\u00fcck gefunden zu haben glaubt. Sie setzt sich \u00fcber die \u00fcblichen H\u00fcrden hinweg und scheitert doch, denn nie wird erz\u00e4hlt, wie grausam dieses Jahr des Wartens war, wie schwer es f\u00fcr sie war, wieder Fu\u00df zu fassen, wieder allein ihren Weg zu gehen gegen die Vorhaltungen der Gesellschaft, denen sie gewiss ausgesetzt war.<\/p>\n<p>Viele Leerstellen muss der Leser in Kauf nehmen, kann aber so auch seiner eigenen Fantasie freien Lauf lassen und gemeinsam mit der Tochter das Leben der Mutter rekonstruieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kristine Bilkau: Eine Liebe, in Gedanken, Luchterhand Literaturverlag, M\u00fcnchen 2018, 253 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-630-87518-7 \u201eSie will nicht die Wartende sein, die Ungeduldige, aber was soll sie dagegen tun, sie wartet und ist ungeduldig. 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