{"id":2409,"date":"2019-06-23T08:47:24","date_gmt":"2019-06-23T06:47:24","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2409"},"modified":"2019-06-23T08:47:24","modified_gmt":"2019-06-23T06:47:24","slug":"nachsommer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/nachsommer\/","title":{"rendered":"Nachsommer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Johan Bargum: Nachsommer, Aus dem Schwedischen von Karl-Ludwig Wetzig, mareverlag, Hamburg 2018, 142 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-86648-260-9<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEs war nat\u00fcrlich eine Ausflucht. Ich habe einfach noch immer eine Heidenangst vor ihm wie seit jeher.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die Mutter von Olof und Carl liegt im Sterben. Sie will unbedingt in das Landhaus zur\u00fcck, wo auch ihr Mann vor vielen Jahren gestorben ist. Onkel Tom, der Freund und Liebhaber der Mutter, der auch die Jungen hat aufwachsen sehen, informiert Olof. Er muss nun den um zwei Jahre j\u00fcngeren Bruder Carl in den USA anrufen. Seit gut zehn Jahren haben die Geschwister keinen Kontakt mehr.<\/p>\n<p>Olof, der sich in Zeitspr\u00fcngen an seine Kindheit erinnert, f\u00e4llt dieser Anruf schwer. Wenn sich Carl \u00e4u\u00dfert, dann sind alle seine Worte in einem Kommandoton, leicht gereizt, unsympathisch. Als die Familie am Flughafen ankommt, ist klar, dass Carl in gut einer Woche wieder zur\u00fcckfliegen will.<\/p>\n<p>Als g\u00e4be er seiner Mutter, so Olofs Gedanken, nur eine Woche zum Sterben.<\/p>\n<p>Obwohl Carl der J\u00fcngere ist, scheint er derjenige zu sein, der immer genau wusste, wie er sich gegen den \u00e4lteren Bruder durchsetzen kann, wie er genauestens seine Karriere plant, die in Finnland nicht vorangehen kann. In den Augen der Mutter war Carl der Liebling und Olof derjenige, der die Schuld nie auf den kleinen Bruder schieben durfte. Olof erinnert sich an Kraftproben zwischen den Br\u00fcder, in denen er immer der unterlegene war. Hatte Olof sich bereits auf den Weg zu einer geisteswissenschaftlichen Karriere aufgemacht, so strauchelte er doch und blieb liegen.<\/p>\n<p>In der Strandvilla leben nun alle unter einem Dach, zum einen Olof, Onkel Tom, die Mutter und die Diakonisse Schwester Heidi, zum anderen Carl mit seiner Frau Klara und den S\u00f6hnen Sam, zw\u00f6lf Jahre und Sebastian, acht Jahre. Den hyperaktiven Sebastian schlie\u00dft nur Heidi in ihr Herz, die anderen beobachten nur mit Erstaunen, wie der Junge in K\u00fcrze alles kurz und klein schl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Auch Carl bedr\u00e4ngt alle mit seinen Umbaupl\u00e4nen und seinem Aktionismus.<\/p>\n<p>Zwischen Olof und Carl herrscht eine ablehnende Stille und Anspannung. Im milden Sp\u00e4tsommer scheinen alle auf den Tod der Mutter, die sich in ihrer ma\u00dflosen Anh\u00e4nglichkeit ihrem j\u00fcngeren Sohn gegen\u00fcber recht seltsam verhalten hat, zu warten. Olof sieht nun seine Schw\u00e4gerin Klara wieder. Mit ihr hatte er eine kurze heftige Aff\u00e4re, nach der sich Klara endg\u00fcltig f\u00fcr Carl und die USA entschieden hatte. Olof hat nicht um sie gek\u00e4mpft. Er hat wieder vor dem j\u00fcngeren Bruder gekuscht, sich klein gemacht, sich verleugnet.<\/p>\n<p><em>\u201eAnstatt sie zu \u00fcberreden, zu bitten, sie einzuschlie\u00dfen, zu entf\u00fchren, zu rauben, habe ich mich hinter einer R\u00fcstung aus Feigheit, Angst und Konvention versteckt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Voller Melancholie umkreist der finnisch-schwedische Autor Johan Bargum die letzten Tage der Mutter. Mit wenigen aufgeladenen S\u00e4tzen und kurzen Szenen aus der Kindheit der Jungen charakterisiert er seine Figuren und verdeutlicht dem Leser die offenen Konflikte, die nie gel\u00f6st werden. Sogar bei der Testamentser\u00f6ffnung wird der schmerzlich abwesende Carl von der Mutter \u00fcbervorteilt, obwohl dieser eher glaubte, er sei enterbt. Bitter klingt diese Geschichte, in der die Familie ohne Bindungen und Gef\u00fchle wie ein Kartenhaus zusammenf\u00e4llt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johan Bargum: Nachsommer, Aus dem Schwedischen von Karl-Ludwig Wetzig, mareverlag, Hamburg 2018, 142 Seiten, \u20ac14,99, 978-3-86648-260-9 \u201eEs war nat\u00fcrlich eine Ausflucht. Ich habe einfach noch immer eine Heidenangst vor ihm wie seit jeher.\u201c Die Mutter von Olof und Carl liegt&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/nachsommer\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2409"}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2409"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2411,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2409\/revisions\/2411"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}