{"id":2401,"date":"2019-06-23T08:47:48","date_gmt":"2019-06-23T06:47:48","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2401"},"modified":"2019-06-23T08:47:48","modified_gmt":"2019-06-23T06:47:48","slug":"lars-mein-freund","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/lars-mein-freund\/","title":{"rendered":"Lars, mein Freund"},"content":{"rendered":"<p><strong>Iben Akerlie: Lars, mein Freund, Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger, Deutscher Taschenbuch Verlag, Reihe Hanser, M\u00fcnchen 2018, 252 Seiten, \u20ac12,95, 978-3-423-64039-8<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIch will nicht, dass ich selbst mit hineingezogen werde. Mir w\u00e4re am liebsten, das Problem w\u00fcrde sich von alleine l\u00f6sen, alles w\u00fcrde sich auf magische Weise kl\u00e4ren und in Luft aufl\u00f6sen, ohne dass ich auch nur einen Finger krummmachen oder auch nur Stellung beziehen m\u00fcsste.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Als die Schule wieder beginnt, teilt die Klassenlehrerin, Frau Nielsen, den Sch\u00fclern sogenannte Patenkinder zu. Amanda, Sari und Kay sind Freunde und freuen sich auf die neuen Erstkl\u00e4ssler.<br \/>\nAus Amandas Sicht wird diese Geschichte erz\u00e4hlt, die f\u00fcr junge Leser sicher sehr viel Diskussionsstoff enth\u00e4lt. Amanda ist unsterblich in Adam verliebt, aber der hat nichts besseres zu tun, als sie mit Sprudelwasser nass zu spritzen. Allerdings k\u00fchlt das Amandas Liebe nur ein bisschen. Stocksteif steht sie vor Adam und bekommt einfach keinen Ton heraus, wenn sie aufgeregt ist. Sari und Kay sind sauer auf ihre nervigen Mitsch\u00fcler, aber auch auf Anna und Christina, die nur rumgackern und alle Leute fotografieren oder filmen.<\/p>\n<p>Als Frau Nielsen Amanda er\u00f6ffnet, dass sie sich, weil sie schon so verst\u00e4ndig und reif sei, um den neuen Mitsch\u00fcler mit Down-Syndrom k\u00fcmmern soll, m\u00f6chte das M\u00e4dchen am liebsten im Erdboden versinken. Sie hasst es, Aufmerksamkeit zu erregen, sie m\u00f6chte einfach nur in der Masse der Sch\u00fcler untergehen. Klar ist, Amanda f\u00fcrchtet sich gemobbt zu werden. Warum ihre Klassenlehrerin sie ausgew\u00e4hlt hat, bleibt fraglich. Sari reagiert auf Lars, den behinderten Jungen, ganz nat\u00fcrlich und normal. Amanda kann sich nicht wehren, nicht gegen ihre Gef\u00fchle und auch nicht gegen die Entscheidungen von Erwachsenen.<\/p>\n<p>Als sie Lars dann kennenlernt, ist alles gar nicht so schlimm. Sie schreibt ihm einen Brief, geht mit ihm einmal die Woche nach Hause und ist fasziniert von seiner Spielfreude. Lars ist ein gro\u00dfer Harry-Potter-Fan und Zauberformelerfinder. Amanda mag auch Bent, Lars Vater. In der Schule jedoch zeigt sich Amanda nie mit Lars, denn sie sp\u00fcrt, auch die unsichere Frau Nielsen hat keine Ahnung, wie sie mit Lars umgehen soll.<\/p>\n<p>Als Amanda bemerkt, dass Anna und Christina immer wieder Lars filmen und sich \u00fcber ihn totlachen, ist sie verunsichert. Sie greift nicht ein. Tief in ihrem Inneren m\u00f6chte sie zu den coolen M\u00e4dchen in der Klasse, die nur mit ihren Smartphones spielen, dazugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Und dann entdecken Amanda und Sari, dass ihr Freund Kay von den beiden M\u00e4dchen eine SMS bekommt. Es geht um einen Blog, der retardedmuch hei\u00dft. Sari will sofort die Lehrerin informieren, denn auf dem Blog machen sich die M\u00e4dchen und alle die Zugang dazu haben \u00fcber Lars und seine Behinderung lustig. Amanda jedoch m\u00f6chte nicht, dass Lars von den fiesen Attacken der M\u00e4dchen erf\u00e4hrt. Sie spricht sie mit gro\u00dfer \u00dcberwindung an und pl\u00f6tzlich dreht sich das Blatt und Amanda selbst gibt Anna und Christina Bl\u00f6delfotos von sich und Lars. Allerdings hat sie sich herausgeschnitten. Wenn das kein Verrat an ihrer Freundschaft zu Lars ist? Die Rache folgt auf dem Fu\u00dfe. Die M\u00e4dchen bauen die Fotos in eine Lehrerpr\u00e4sentation mit ein und stellen Amanda als die schlimmste Mobberin der Schule hin.<\/p>\n<p>Amanda erz\u00e4hlt alles ihrer Lehrerin und nun ist sie nicht nur die Mobberin, sondern auch noch die Petze. Alle distanzieren sich von dem M\u00e4dchen, die Lehrerin kassiert die Handys ein und die beteiligten an der Website \u00fcber Lars m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig mit einer Sozialarbeiterin sprechen. Lars jedenfalls ist zutiefst entt\u00e4uscht von seiner vermeintlichen Freundin. Sie hat sich durch ihre Angst vor den Urteilen der anderen selbst in die Isolation getrieben. Niemand redet mehr mit ihr. Ein paar Strafen werden ausgesprochen, aber Anna und Christina lachen nur dar\u00fcber. Sie haben nicht das geringste Unrechtsbewusstsein, ganz im Gegenteil. Nur Amanda leidet schrecklich, dabei war sie gar nicht mal die Anf\u00fchrerin. Wie kann sie ihren Fehler wieder gut machen? Wie kann sie Lars&#8216; Vertrauen wiedergewinnen? Amanda traut sich nicht, Sari anzusprechen, nur zu Kay bekommt sie wieder Kontakt. Beide \u00fcberlegen sich, wie sie Lars davon \u00fcberzeugen kann, dass es ihr leidtut. Amanda muss ihre Angst \u00fcberwinden und sich in einer \u00f6ffentlichen peinlichen Zurschaustellung so richtig blamieren, denn nur so, das ist der Plan, kann eine Entschuldigung glaubw\u00fcrdig sein.<\/p>\n<p>Diese lebensnahe Schulgeschichte ber\u00fchrt ungemein, denn aus Amandas Sicht wird klar, wie  Gruppendynamik in Klassen funktioniert und wie schwer es ist, sich mit Courage gegen den Strom zu stellen. Lars hat genug Selbstbewusstsein, um zu erkennen, dass er durchaus etwas Besonderes ist. Er hat in der Klasse nichts zu lachen, denn niemand, sp\u00e4ter allerdings Adam, wendet sich ihm wirklich zu.<\/p>\n<p>10 000 Kinder in Norwegen haben diese Geschichte von Lars und Amanda zu ihrem Lieblingsbuch erkoren. \\r\\n\\r\\nEine Frage habe ich mir Betrachten des Buchcovers sofort gestellt, warum zeigt der Verlag keinen Jungen mit Down-Syndrom? Niemand ahnt, wenn er den Waschzettel nicht liest, wer wirklich im Zentrum dieser durchaus nicht harmlosen Freundschaftsgeschichte steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Iben Akerlie: Lars, mein Freund, Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger, Deutscher Taschenbuch Verlag, Reihe Hanser, M\u00fcnchen 2018, 252 Seiten, \u20ac12,95, 978-3-423-64039-8 \u201eIch will nicht, dass ich selbst mit hineingezogen werde. 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