{"id":240,"date":"2019-06-21T19:34:23","date_gmt":"2019-06-21T17:34:23","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=240"},"modified":"2019-06-21T19:34:23","modified_gmt":"2019-06-21T17:34:23","slug":"painting-marlene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/painting-marlene\/","title":{"rendered":"Painting Marlene"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sabine Ludwig: Painting Marlene, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck 2011, 379 Seiten, \u20ac12,99, 978-3-499-21612-1<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eKeine Ahnung! Das scheint das Leitmotiv dieser Generation zu sein, denkt Julia.\u201c<\/em><br \/>\nDie 18-J\u00e4hrige Marlene hat ihr Abi hinter sich und einen Urlaub mit ihrer Freundin Rike in Mallorca, da trifft sie die Nachricht wie ein Schlag. Ihr Vater, ein nicht gerade erfolgreicher Maler, ist an einem Herzinfakt gestorben. Als sie ihn das letzte Mal in seiner Wohnung besucht hat, er lebte seit f\u00fcnf Jahren getrennt von der Mutter Julia, hatten sie einen Streit. Marlene zieht in diesem hei\u00dfen Sommer nun in die Wohnung des Vaters in der Berliner Stubenrauchstra\u00dfe. Von den Bildern des Vaters ist nur das Portr\u00e4t von Marlene erhalten. Die anderen Gem\u00e4lde, so die Aussage der Mutter, hat ein Galerist in Kommission genommen.<br \/>\nParallel zu Marlenes Geschichte berichtet eine Person von ihrem Kummer mit dem Vater und der Mutter, die ihn ebenfalls verlassen hat. Er sucht ihr Grab und findet nur das von Marlene Dietrich. Nach und nach wird klar, dass dieser Erz\u00e4hler Marlene beobachtet und den Wunsch versp\u00fcrt sie zu besch\u00fctzen, zu lieben. In Reflexionen erinnert der Unerkannte sich an harmonische Momente mit der Mutter und an seelische Grausamkeiten des Vaters.<br \/>\nMarlene jedenfalls richtet sich in der neuen Wohnung ein und glaubt, sie k\u00f6nne sich so aus der Abh\u00e4ngigkeit und F\u00fcrsorge von ihrer Mutter befreien. Aus der Sicht der Mutter erf\u00e4hrt der Leser von diesem schwierigen Abl\u00f6sungsprozess zwischen Tochter und Mutter.<br \/>\nMarlene hat inzwischen Jasper, einen hochbegabten, wie leicht arroganten Jungen, kennengelernt, der sie fasziniert, aber auch verunsichert. Ihr treuer Schulfreund Georgie, der immer da ist, wenn Marlene ihn braucht, mag Jasper nicht, was auf Gegenseitigkeit beruht. Immer wieder geraten Mutter und Tochter aneinander, denn Marlene kann sich einfach nicht entscheiden. Will sie studieren, will sie eine Ausbildung machen? Wie regelt man die allt\u00e4glichen Dinge, wie Versicherungen u.a.. In einem Caf\u00e8 arbeitet die junge Frau als Aushilfe und wei\u00df doch, dass diese Arbeit nicht die Erf\u00fcllung ist.<br \/>\nGenie\u00dft Marlene die Vorz\u00fcge des freien Lebens ohne unter Beobachtung der Mutter zu stehen, das \u00fcbernimmt jetzt der geifernde, sexuell unbefriedigte Hausmeister, der in der Wohnung unter ihr wohnt.<br \/>\nDoch Marlene ist nicht allein in ihrer Wohnung. Ihr Portr\u00e4t scheint sich von Mal zu Mal zu ver\u00e4ndern, indem jemand die Gesichtsz\u00fcge \u00fcbermalt und ihnen einen neuen, ja fast lassiven Blick verpasst.<br \/>\nAus verschiedenen Perspektiven, der lauernde Blick des Psychopaten im Hintergrund ist ein g\u00e4ngiges Stilmittel, schaut der Leser auf Marlenes Leben. Zum einen schildert Sabine Ludwig, die bisher eher durch ihre Kinderb\u00fccher bekannt wurde, wie die gefrustete und vereinsamte Mutter nicht mit dem Auszug der Tochter fertig wird und jedes Mittel einsetzt, um die Tochter wieder an sich zu binden. Zum anderen ist da der undurchsichtige Jasper, der durchaus f\u00e4hig w\u00e4re, das Bild zu ver\u00e4ndern. Oder ist Marlene selbst eine gespaltene Pers\u00f6nlichkeit und tut Dinge, die ihr nicht bewusst sind?<br \/>\nWie in einem Thriller scheinen alle Figuren als m\u00f6gliche T\u00e4ter in Frage zu kommen und der Leser wei\u00df auch, dass die Mutter das Geheimnis \u00fcber den Tod des Vaters vor der Tochter verbirgt. Nur das Motiv der Fixierung gerade auf diese junge Frau und die Verfolgung durch den offensichtlich verwirrten Unbekannten bleibt verschwommen. Er hadert mit dem Verlust der Mutter, der emotionalen H\u00e4rte des Vaters und nicht von Marlene begehrt zu sein. Er geht in Marlenes Wohnung aus und ein und doch geschieht kaum Aufregendes. Wovor muss er die junge Frau sch\u00fctzen, vor der abh\u00e4ngigen Mutter und ihrer Zuneigung, vor Jasper oder dem \u00fcbergriffigen widerlichen, heftig berlinernden Hausmeister?<\/p>\n<p>Und das ist auch die Schw\u00e4che der Handlung, die zwar um Marlenes Leben kreist, sich aber nicht spannend genug entwickelt oder einfach dann nur von pl\u00f6tzlich pr\u00e4sentierten Tatsachen vorangetrieben wird. Die Anspielung auf Oskars Wildes \u201e Das Bildnis des Dorian Gray\u201c erscheint ebenfalls weit hergeholt und wenig \u00fcberzeugend. So wie Marlene ahnungslos durchs Leben stolpert, die Figuren wenig Konturen haben, d\u00fcmpelt die Handlung vor sich hin und auf keinen H\u00f6hepunkt zu. Auch die Aufl\u00f6sung des Unbekannten am Ende des Romans ist nicht \u00fcberraschend und f\u00fcr den Leser schon lang vor dem Schluss relativ durchsichtig. Es fehlt die wirklich schockierende Wendung, die \u00dcberraschung, die jeder Leser bei einem Thriller erwartet!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine Ludwig: Painting Marlene, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck 2011, 379 Seiten, \u20ac12,99, 978-3-499-21612-1 \u201eKeine Ahnung! 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