{"id":2368,"date":"2019-06-23T09:06:06","date_gmt":"2019-06-23T07:06:06","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2368"},"modified":"2019-06-23T09:06:06","modified_gmt":"2019-06-23T07:06:06","slug":"rimini","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/rimini\/","title":{"rendered":"Rimini"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sonja Heiss: Rimini, Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch, K\u00f6ln 2017, 398 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-462-05044-8<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMasha hatte immer gedacht, dass das K\u00fcmmern erst beg\u00e4nne, wenn ihre Eltern von Alter und Krankheit gezeichnet w\u00e4ren. Aber wie so oft entsprach ihre Familie nicht der Norm.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Der normale Wahnsinn im Alltag der Familie Arnim ist gar nicht so au\u00dfergew\u00f6hnlich, wie der Leser denken k\u00f6nnte. Hans beginnt als Jurist seine Mandanten zu verprellen, in dem er voller Wut sich im Ton vergreift und Bleistifte und Kugelschreiber mit enormer Energie zerbricht. Als Partner in der Kanzlei scheint er bereits auf der Abschussliste zu stehen. Seine Frau Ellen, die mit ihren Kindern in einem gro\u00dfz\u00fcgig geschnittenen Haus lebt, kann ihn nicht mehr ertragen und Sex ist schon mal gar nicht drin.<br \/>\n<em>\u201eEllen hatte es aufgegeben, ein Mensch zu sein, sie war eine Mutter und eine Wirtschaftsjournalistin. Daneben existierte sie nicht mehr. Ebenso wenig wie er, der zum Erziehungsberechtigten reduziert war, in dieser Eigenschaft aber selten \u00fcberzeugte.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Hans Schwester Masha, die kaum beruflich als Schauspielerin \u00fcber die Runden kommt, beschlie\u00dft, da sie stramm auf die vierzig zugeht, dass sie nun ein Kind bekommen m\u00fcsste. Sie hat Georg, einen Arzt, der ziemlich pflegeleicht ist, sie aber eher langweilt als ant\u00f6rnt. Au\u00dferdem riecht er nicht gut und so treibt sie ihn dazu, sie zu verlassen. Die Engagements bleiben aus und die Miete muss aber trotzdem bezahlt werden. Und dann sind da noch Barbara und Alexander, die Eltern von Hans und Masha, die ihr Rentnerdasein pflegen. Alexander liebt seine Tochter hei\u00df und innig und Barbara findet einfach keine richtige Sprache f\u00fcr Masha. Sie reden miteinander, aber immer aneinander vorbei. Die Beziehung der Eltern ist ein Trauerspiel, denn er, der jeden Cent dreimal umdreht und stolz auf alle Schn\u00e4ppchen ist, kann keinen Schritt ohne sie machen und sie f\u00fchlt sich eingeengt, denn sie wei\u00df, dass sie ihn nie geliebt hat. Als sie frisch verheiratet waren und nach Rimini gefahren sind, eine der drei Auslandsreisen in ihrem Leben, empfand sie die intime Begegnung mit dem italienischen Kellner um L\u00e4ngen besser als die mit dem Ehemann. Jeweils aus der Figurenperspektive mit feinster Ironie f\u00e4chert Sonja Heiss nun die einsamen Leben von Hans, Masha und deren Eltern auf. Hans macht eine Therapie und verguckt sich gleich in Frau D. Mandel-Minkic, die vielleicht als einzige in einer entspannten Beziehung lebt. Aber mit der Therapie und dem Gest\u00e4ndnis, dass sich Hans in Frau Doktor vermeintlich verliebt hat, geht die Ehe trotz Wiederbelebungsversuchen in die Br\u00fcche.<br \/>\n<em>&#8222;Du kannst noch nicht mal eine Therapie machen, ohne dass irgendein Schei\u00df passiert.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Masha sucht sich neue M\u00e4nner, l\u00e4sst sich f\u00fcr idiotische Rollen casten und bleibt so unentschlossen wie eh und je. Barbara gibt sich ihrer M\u00fcdigkeit hin und Alexander kauft sich einen Wellensittich.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise entwickelt der Leser Empathien f\u00fcr die ganz normalen Menschen in dieser gew\u00f6hnlichen, ja manchmal auch banalen Alltagsgeschichte oder auch nicht, denn wirklich sympathisch ist kaum einer. Und doch schaut man ihnen gern beim Reden und Fehler machen zu, vielleicht um sich selbst besser zu f\u00fchlen oder einfach dem Humor der Autorin zu folgen und ihrer F\u00e4higkeit, wirklich lebendige Dialoge und Szenen zu entwerfen, die man vor seinem inneren Auge miterleben kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonja Heiss: Rimini, Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch, K\u00f6ln 2017, 398 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-462-05044-8 \u201eMasha hatte immer gedacht, dass das K\u00fcmmern erst beg\u00e4nne, wenn ihre Eltern von Alter und Krankheit gezeichnet w\u00e4ren. 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