{"id":2364,"date":"2019-06-23T09:05:47","date_gmt":"2019-06-23T07:05:47","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2364"},"modified":"2019-06-23T09:05:47","modified_gmt":"2019-06-23T07:05:47","slug":"cafe-morelli","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/cafe-morelli\/","title":{"rendered":"Caf\u00e9 Morelli"},"content":{"rendered":"<p><strong>Giancarlo Gemin: Caf\u00e9 Morelli, Aus dem Englischen von Gabriele Haefs, K\u00f6nigskinder Verlag, Hamburg 2017, 270 Seiten, \u20ac16,99, 978-3-551-56043-8<\/strong><\/p>\n<p>Der vierzehnj\u00e4hrige Joe lebt mit seiner Familie, die urspr\u00fcnglich aus Italien stammt, in Wales. Da ist sein Nonno, sein Opa, der immer Opernmusik h\u00f6rt und nat\u00fcrlich das Caf\u00e9 Morelli, das seine Mutter f\u00fchrt. Seit es dem Gesch\u00e4ft nicht mehr so gut geht, arbeitet Joes Vater wieder als Elektriker.<br \/>\nSeit einiger Zeit erz\u00e4hlt der Opa immer mehr von fr\u00fcher. Einst kam die Familie vor dem zweiten Weltkrieg nach Wales, weil sie hier auf Arbeit hoffte. Aber nun steht das Caf\u00e9 fast vor dem Aus, denn nur noch wenige Kunden finden sich ein und es bringt einfach keinen Umsatz mehr. Prinzipiell geht Joe nicht zur Konkurrenz, auch wenn sein Freund Combi ihm die Pommes vor die Nase h\u00e4lt. Doch dann muss Joes Opa von einem Tag auf den anderen ins Krankenhaus und die zwanzigj\u00e4hrige Cousine Mimi reist an, um der Familie im Caf\u00e9 zu helfen. Mimis Anmut und ihre Kochk\u00fcnste locken die Jungen aus der Umgebung an, sogar Combi schmachtet sie aus der Ferne an. Joe ist ein bisschen eifers\u00fcchtig, aber immer wenn der Opa eine Kassette mit seinen Erinnerungen besprochen hat, h\u00f6rt er sich diese zusammen mit Mimi an. Besonders spannend sind die Passagen, in denen Nonno von seinem Vater berichtet, der im 2. Weltkrieg als<em> \u201eItaliener und Feind\u201c<\/em> interniert und per Schiff nach Kanada abgeschoben werden sollte. Auf dem Weg in die neue Welt wurde das Schiff torpediert und versenkt. Joes Urgro\u00dfvater \u00fcberlebte wie durch ein Wunder, war aber auf britischem Boden nicht sicher und musste sich verstecken. Bewegend liest sich, wie die eigenen Nachbarn die Familie geschnitten, andere wiederum, besonders die Bergleute, den Morellis geholfen haben.<\/p>\n<p>Joe, der nun wie der Opa mit Begeisterung Opern von Verdi oder Puccini h\u00f6rt, befl\u00fcgeln all diese Geschichten und er m\u00f6chte unbedingt das Caf\u00e9 weiterf\u00fchren, aber seine Mutter hat bereits einen Interessenten in Aussicht. Doch Joe gibt nicht auf, er \u00fcberlegt sich eine Gesch\u00e4ftsidee nach der anderen und kann auch Mimi, die wunderbar italienische Gerichte zaubert, begeistern. Wie die beiden gegen viele Widerst\u00e4nde es schaffen, das Caf\u00e9 zu erhalten und was Joe vom Opa \u00fcber Freundschaft lernt, liest sich einfach wunderbar. Giancarlo Gemin, der heute in London lebt, aber selbst Sohn italienischer Eltern ist, schafft es, in seiner feinf\u00fchligen Handlung vom friedlichen Zusammenleben von Menschen unterschiedlichster Nationen zu erz\u00e4hlen. Es ist ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Toleranz, Akzeptanz und vor allem Mitmenschlichkeit.<\/p>\n<p><strong>Schade, dass das Imprint K\u00f6nigskinder im Carlsen Verlag seine Tore demn\u00e4chst schlie\u00dft. Immerhin fanden viele Jugendb\u00fccher mit ausgezeichneten Inhalten und auff\u00e4lligen Covern hier ihren Platz, die vielleicht f\u00fcr den g\u00e4ngigen B\u00fcchermarkt zu sperrig oder auch zu ernst waren, z.B. \u201eDer Himmel \u00fcber Appleton House\u201c von S.E.Durrant,  von Ruty Sepetys \u201eSalz f\u00fcr die See\u201c oder von Que Du Luu \u201eIm Jahr des Affen\u201c. <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Giancarlo Gemin: Caf\u00e9 Morelli, Aus dem Englischen von Gabriele Haefs, K\u00f6nigskinder Verlag, Hamburg 2017, 270 Seiten, \u20ac16,99, 978-3-551-56043-8 Der vierzehnj\u00e4hrige Joe lebt mit seiner Familie, die urspr\u00fcnglich aus Italien stammt, in Wales. 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