{"id":2316,"date":"2019-06-23T09:13:24","date_gmt":"2019-06-23T07:13:24","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2316"},"modified":"2019-06-23T09:13:24","modified_gmt":"2019-06-23T07:13:24","slug":"offshore","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/offshore\/","title":{"rendered":"Offshore"},"content":{"rendered":"<p><strong>Petros Markaris: Offshore, Aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2017, 368 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-257-07003-3 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie einzige Erkl\u00e4rung, die ich liefern kann, ist: Beide Gest\u00e4ndnisse f\u00fchren dazu, dass die entsprechenden F\u00e4lle ad acta gelegt werden. Sie verhindern, dass wir uns mit den eigentlichen Tatmotiven besch\u00e4ftigen. Somit muss man sich fragen, wer die vier zum Gest\u00e4ndnis angestiftet hat, damit die wahren Beweggr\u00fcnde und die Anstifter der Morde im Dunkeln bleiben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es ist Ostern und der Leidensweg der Griechen scheint beendet. Die Leute feiern, denn Geld sp\u00fclt wie magisch ins Land. Die Stra\u00dfen sind wieder mit Autos verstopft, man geht au\u00dfer Haus essen und hofft auf Gehaltserh\u00f6hungen, spricht sogar von 13. und 14. Lohnauszahlungen. Auff\u00e4llig ist auch, dass griechische Reeder mit Firmensitz in London oder Zypern nach Hause zur\u00fcckkehren. Der Sinneswandel der Unternehmen wird mit patriotischen Gef\u00fchlen f\u00fcrs Land erkl\u00e4rt, doch mittlerweile glaubt das in Griechenland kein vern\u00fcnftig denkender Mensch mehr.<\/p>\n<p>Kostas Charitos von der Mordkommission fragt sich eher, woher kommt dieser Finanzsegen und seine Frau Adriani ist skeptisch wie immer. Aber die Familie will sich die gute Laune nicht verderben lassen, denn Kostas Tochter wird sogar f\u00fcr eine gut bezahlte Stelle als Justitiarin auserw\u00e4hlt. Nicht sonderlich begeistert ist Kostas Charitos, der als Querkopf bekannt ist, aus seiner Sicht wird \u00fcbrigens auch das Geschehen erz\u00e4hlt, von der Neuernennung des Vizepolizeipr\u00e4sidenten, ein praktisch unerfahrener Beamter mit guten Kontakten, der alles unter Kontrolle haben will. Auch wenn Kostas seine Wege kennt, um unliebsame Vorgesetzte nicht zu ver\u00e4rgern, diesmal bei\u00dft er allerdings auf Granit.<\/p>\n<p>Alles beginnt wie immer mit einem Mord. Ein korrupter Angestellter der Tourismusbeh\u00f6rde, der f\u00fcr die Vergabe der Hafenstellpl\u00e4tze zust\u00e4ndig ist und offenbar auch noch mit Drogen handelt, wurde in seinem Haus \u00fcberfallen und ermordet. Angeblich ein Raubmord, allerdings vergessen die Einbrecher einen dicken Geldstapel, der in der Bettmatratze versteckt ist, mitzunehmen. F\u00fcr Charitos und seine Assistenten sieht der Fall eher nach Hinrichtung als Raubmord aus. Wie vom Himmel fallen der Polizei auch schnell die T\u00e4ter vor die F\u00fc\u00dfe. Bei einem Afghanen und einem Pakistaner findet die Polizei die pers\u00f6nlichen Sachen des Ermordeten. Und die beiden gestehen ohne Umst\u00e4nde eine Tat, die sie, und das ahnt Charitos, nicht aus eigenem Antrieb begangen haben. Den Auftragsmord kann die Polizei nicht nachweisen, denn bereits der n\u00e4chste Tote wartet. Diesmal ein griechischer Reeder, der seit Jahren in London lebt. Charitos l\u00e4sst seine Beziehungen spielen und erf\u00e4hrt, dass zwei Schiffe des toten Reeders vor kurzer Zeit gesunken sind, es sich aber nicht um Versicherungsbetrug handelt. Und auch hier laufen die T\u00e4ter, zwei Georgier, der Polizei direkt in die Arme. Ein Auftragsmord, keine Frage, aber nicht nachweisbar. Den Kommissar besch\u00e4ftigen erneut die dubiosen Firmengr\u00fcndungen durch Banken von den Kaimaninseln. Ein Blogger, namens <em>Poseidon 16<\/em>, ist ebenfalls beunruhigt und stellt die gleichen Fragen, die Charitos umtreiben. Bevor die Polizei herausfindet, wer dieser <em>Poseidon 16<\/em> ist, wird er erschossen und sein Laptop verschwindet. Und diesmal trifft es auch Charitos, denn hinter den provozierenden Texten im Netz steckt ein alter Bekannter, der Journalist Menis Sotiropoulos. Beide M\u00e4nner waren nicht besten Freunde, aber sie hatten doch fair Informationen ausgetauscht. Und auch hier das gleiche Spiel, ein Iraker gibt sofort zu, dass er den Journalisten ausgeraubt und ermordet hat. Alle T\u00e4ter scheinen geradezu froh zu sein, in griechische Gef\u00e4ngnisse zu wandern. Als Charitos dann jedoch einen Reeder, ohne Genehmigung seines Vorgesetzten zu den Morden befragt, wird er von einer Sekunde zur anderen suspendiert.<br \/>\nDas jedoch ist kein Hinderungsgrund f\u00fcr den Kommissar mit R\u00fcckgrat, um endlich denn wahren T\u00e4tern auf die Spur zu kommen.<\/p>\n<p>Petros Markaris packt den Leser kaum durch einen aufregenden Plot, seine Geschichten faszinieren durch die Charakterisierungen der Protagonisten und das Flair der Stadt Athen. Wie verhalten sich Menschen, die ihre Arbeit, auch noch so schlecht bezahlt, behalten wollen? Schl\u00e4gt man sich auf die Seite des in Ungnade gefallenen Kommissars oder nickt man zu allem, was die Vorgesetzten predigen? Der Sinn f\u00fcr Gerechtigkeit ist nach unguten Erfahrungen, unf\u00e4higen Regierungen und Drangsalierungen aller Art vielen Menschen abhanden bekommen, nur Kostas Charitos will die Wahrheit erfahren und die ist bitter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Petros Markaris: Offshore, Aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2017, 368 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-257-07003-3 \u201eDie einzige Erkl\u00e4rung, die ich liefern kann, ist: Beide Gest\u00e4ndnisse f\u00fchren dazu, dass die entsprechenden F\u00e4lle ad acta gelegt werden. 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