{"id":2314,"date":"2019-06-23T09:14:08","date_gmt":"2019-06-23T07:14:08","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2314"},"modified":"2019-06-23T09:14:08","modified_gmt":"2019-06-23T07:14:08","slug":"sieh-mich-an-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/sieh-mich-an-2\/","title":{"rendered":"Sieh mich an"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mareike Kr\u00fcgel: Sieh mich an, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2017, 256 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-492-05855-1 <\/strong><\/p>\n<p><em>&#8222;Das Etwas sitzt in meiner linken Brust und tut alles, was es nicht tun soll: Es wird nicht kleiner, ist nicht beweglich und schmerzt nicht. Es ist, was es ist. Aber es ist schlie\u00dflich auch nicht seine Aufgabe, mir Hoffnung zu machen.\\&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Seit Jahren liegt Katharina Theodoroulakis angefangene Doktorarbeit in der Schublade. Immer wieder denkt sie an ihr Studium, an Costas, ihren Mann, der nun als Architekt in Berlin arbeitet und ihr langsam fremd wird, obwohl er regelm\u00e4\u00dfig zur\u00fcck nach L\u00fcbeck kommt, um jeden Sonntagabend im sinnlosen Streit mit ihr wieder loszufahren. Katharina zieht als Ich-Erz\u00e4hlerin an einem Tag Bilanz und das hat einen ganz einfachen Grund, sie sp\u00fcrt ein Etwas in ihrer Brust und sie ahnt, was es sein k\u00f6nnte. Als sie kaum erwachsen war, starb ihre Mutter an Krebs. K\u00fcmmern musste sich Katharina, um den Vater und die j\u00fcngere, schwer pubertierende Schwester. Aber dann bem\u00fchte sich Costas um sie, sie heirateten kurz vor Alex&#8216; Geburt und zogen ins Haus der Schwiegereltern, die weit fort zogen. In allen ihren Gedanken st\u00f6\u00dft die Anfang vierzigj\u00e4hrige Katharina immer wieder auf eine Frage: War das alles wirklich richtig so? Wollte sie dieses Leben f\u00fchren? \\r\\nIhrem Notizbuch vertraut die Protagonistin all ihre Ideen an, sie macht To-do-Listen von allen m\u00f6glichen Dinge, die ihr so durch den Kopf gehen und durch die sie sich eine Struktur erhofft, die einfach nicht eintritt. Musik durchzieht die gesamte Handlung, so arbeitet Katharina in Kinderg\u00e4rten und gibt schlecht bezahlte Musikkurse, liebt Schumann; ihre Schwester ist Cellistin, den siebzehnj\u00e4hrigen Alex zieht es zum Musical.<\/p>\n<p>Es dauert eine Weile, ehe man sich auf Katharina und ihr turbulentes Leben, im Pr\u00e4sens erz\u00e4hlt, einlassen kann. Zu viele seltsam kuriose Begebenheiten geschehen, die offenbar aber zu ihrem Leben dazugeh\u00f6ren. Da verliert der st\u00e4ndig werkelnde Nachbar seinen Daumen, Katharina setzt sich mit ihrer extrem verhaltensauff\u00e4lligen elfj\u00e4hrigen Tochter Helli auseinander, die wie ein Vulkan losgeht, wenn ihr etwas nicht passt. Nach und nach verliert sich Katharina in ihren Tagtr\u00e4umen, bei denen sie schon mal den Seitenspiegel vom Auto abf\u00e4hrt, in Selbstmordfantasien. Bei allen Tiefs, die Katharina durchstehen musste, auch zusammen mit Costas, immerhin hat sie ihr drittes Kind Berenike tot geboren, blitzt szenenweise viel Witz und auch Distanz in all den Selbstbetrachtungen dieser ganz durchschnittlichen Frau auf. Einige Lebensweisheiten wirken stellenweise deplatziert, andere wiederum komisch und zutreffend.<\/p>\n<p>Zum Ende hin nimmt die Handlung derma\u00dfen Fahrt auf, dass man gar nicht wei\u00df, ob man nun lachen, sich fremdsch\u00e4men oder weinen soll, denn Muttertier und Ehefrau Katharina muss einfach handeln oder untergehen. Keine Frage, interessieren wird diese Geschichte auf jeden Fall nur Frauen, und wenn es gut beworben wird, dann wird es vielleicht ein Bestseller. Die Filmrechte sind angeblich schon verkauft. Wenn es allerdings stimmt, dass dieses Manuskript einer Autorin, die zugegeben schreiben kann, hochbezahlt wurde und somit unter Erfolgsdruck steht, dann frage ich mich allerdings, was es von anderen Familien- wie Frauengeschichten so gravierend unterscheidet, sicher nicht der Humor und schon gar nicht die Turbulenzen im Leben der Katharina, die alles in den Sand setzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mareike Kr\u00fcgel: Sieh mich an, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2017, 256 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-492-05855-1 &#8222;Das Etwas sitzt in meiner linken Brust und tut alles, was es nicht tun soll: Es wird nicht kleiner, ist nicht beweglich und schmerzt nicht. 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