{"id":2062,"date":"2019-06-23T08:09:54","date_gmt":"2019-06-23T06:09:54","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2062"},"modified":"2019-06-23T08:09:54","modified_gmt":"2019-06-23T06:09:54","slug":"die-geheimnisse-der-kueche-des-mittleren-westens","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-geheimnisse-der-kueche-des-mittleren-westens\/","title":{"rendered":"Die Geheimnisse der K\u00fcche des Mittleren Westens"},"content":{"rendered":"<p><strong>J. Ryan Stradal: Die Geheimnisse der K\u00fcche des Mittleren Westens, Aus dem Amerikanischen von Anna-Nina Kroll, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2016, 422 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-257-06975-4<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eErster Gang  &#8211; Sautierte Zanderfilets auf Golden \u2013 Bantam- Succotash ( Zuckermais \/ rote Zwiebel \/ gr\u00fcne Blule-Lake -Bohnen ) \u2026.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Ein Auszug aus dem Pop-up-Dinner von Eva Thorvald, auf das, um es zu genie\u00dfen, Menschen jahrelang warten und hohe Summen zahlen. Doch wer ist diese junge Frau, die ganz Minnesota mit ihrem Essen bet\u00f6rt?<\/p>\n<p>In mehreren Episoden und in Zeitspr\u00fcngen verfolgt der amerikanische Autor den Lebensweg dieser ungew\u00f6hnlichen K\u00f6chin. Mal steht sie selbst im Zentrum der Geschichte, mal wird sie von anderen Menschen beobachtet und eingesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Ihren wahren Vater, einen engagierten Koch, der sie sehr geliebt hat, hat Eva nie kennengelernt, denn er ist an einem Herzinfakt gestorben, da war sie nur wenige Monate alt. Kurz zuvor hat sich ihre Mutter mit einem gutaussehenden Sommelier in Richtung Australien aus dem Staub gemacht. Sie wollte einfach diese Mutterrolle nicht ausf\u00fcllen und ob sie ihren Mann geliebt hat, bleibt offen. Eva wurde dann vom j\u00fcngeren Bruder des Vaters Jarl und seiner Frau Fiona aufgezogen, die eher Fast Food liebten als ein gesundes Essen. Ihr Cousin Randy, ein junger Mann mit Drogenproblemen und ihre Cousine Braque, die sie eigentlich f\u00fcr ihre Geschwister hielt, stehen ihr immer zur Seite und werden sie bei ihrem letztendlich erfolgreichen Unternehmen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ziemlich st\u00e4mmig ist Eva als Kind und sie wei\u00df sich mit Chili\u00f6l zu wehren, wenn die Jungs sie nerven. Eva hat einen ausgezeichneten Geschmackssinn, der nicht nur ihr auff\u00e4llt. Da die Familie nie viel Geld hat, geht sie gern in Restaurants arbeiten und lernt dabei vieles, was sie beim Kochen sp\u00e4ter anwenden kann. Eva orientiert sich an der regionalen K\u00fcche und favorisiert frische Zutaten. Sie entwickelt einen Sinn f\u00fcrs Gesch\u00e4ftliche und beginnt mit Dinnerpartys, auf denen sie kocht und Leute einl\u00e4dt. Das erste Essen sollte f\u00fcr den kranken Jarl und seine Arztrechnungen sein, um den sie sich gek\u00fcmmert hat, obwohl sie inzwischen wusste, dass er nicht ihr wahrer Vater war. Loyal, ohne All\u00fcren und bodenst\u00e4ndig wirkt die junge Frau. Ihr Erfolg jedoch ruft auch Neider auf den Plan.<\/p>\n<p>Zuletzt wird auch Evas Mutter auf die Tochter aufmerksam, zumal sie auch als Sommelier arbeitet. Zur\u00fcckgekehrt aus Australien nimmt sie an einem Pop-up-Dinner teil, dass am Ende wie ein Reigen der Menschen und Gerichte wirkt, die sie bisher begleitet haben.<\/p>\n<p>Vieles muss der Leser sich an biografischen Details bei diesem konventionell, sehr unterhaltsam erz\u00e4hlten Deb\u00fctroman dazudenken, aber das macht den Reiz der Geschichte aus, denn J. Ryan Stradal psychologisiert nicht. So wie der Leser in den Lebensabschnitt eintaucht, so verl\u00e4sst er ihn auch wieder und manche Figuren tauchen in folgenden Episoden wieder auf. Eva ist eine interessante Protagonistin, die sich nie in den Vordergrund dr\u00e4ngt. Sie erobert sich ihren Platz in einer Gesellschaft, in der das feinsinnige Essen, jedes Lebensmittel wird durch pomp\u00f6se Namen erh\u00f6ht, pl\u00f6tzlich mehr Raum einnimmt als eine kluge Konversation. Und doch steht hinter all dem exklusiven Pomp ein Mensch, dessen Geschichte sich einfach gut liest und die amerikanische Gesellschaft des Mittleren Westens in den Mittelpunkt r\u00fcckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J. 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