{"id":2043,"date":"2019-06-23T08:16:46","date_gmt":"2019-06-23T06:16:46","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=2043"},"modified":"2019-06-23T08:16:46","modified_gmt":"2019-06-23T06:16:46","slug":"jessicas-traum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/jessicas-traum\/","title":{"rendered":"Jessicas Traum"},"content":{"rendered":"<p><strong>D\u00f6rthe Binkert: Jessicas Traum, Deutscher Taschenbuch Verlag premium, M\u00fcnchen 2016, 250 Seiten, \u20ac14,90, 978-3-423-26109-8<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIch habe immer bewundert, wie gut Jess mit Menschen umgehen kann. Die Leute vertrauten ihr sofort; man hat einfach das Gef\u00fchl, man k\u00f6nne ihr alles sagen. Sie selbst hat mit niemandem dar\u00fcber gesprochen, warum sie nicht mehr leben wollte. Nicht einmal mit mir.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ann kann es nicht fassen, ihre Freundin hat sich die Pulsadern aufgeschnitten und Tabletten genommen. Dabei hat sie doch mit ihrem Mann Nick ihren Traum gelebt, den Traum vom freien, unabh\u00e4ngigen Leben in der unber\u00fchrten Natur Wales. Kennengelernt haben sich die beiden deutschen Frauen beim Studium in London. Es war wie magische Anziehung und ein Verstehen auf den ersten Blick.<br \/>\nAls Jessica dann Nick in einem Pub trifft und beide einander kennenlernen, ist es die gro\u00dfe Liebe. Jess l\u00e4sst alles hinter sich. Sie beendet ihr Studium nicht, sondern zieht mit Nick in ein ziemlich verfallenes Cottage in Wales, das Graig Ddu genannt wird.<br \/>\nBeide haben kaum Geld, leben von staatlicher Unterst\u00fctzung. Nick malt wie besessen, ihn fasziniert die Stille, die bet\u00f6rende Landschaft. Doch wie lebt es sich wirklich ohne Strom, ohne Wasser, ohne Auto und abgelegen von aller Zivilisation?<br \/>\nWenn Tess in den kleinen Ort gehen will, dann hat sie eine lange Laufstrecke vor sich und sie kann nur hoffen, dass sie jemand mitnimmt. Nur ein Gel\u00e4ndewagen schafft die Auffahrt nach Graig Ddu. Als Tess dann schwanger wird, ist die Freude gro\u00df, doch das Leben wird immer schwerer. Niemand aus Tess&#8216; Familie besucht sie, denn sie hat eigentlich nur noch die ziemlich strenge Oma, die sie auch gro\u00dfgezogen hat. Als Tess klein war, hat die Mutter sie verlassen, angeblich f\u00fcr einen Mann. Den engsten Kontakt pflegt die junge, lebensfrohe und sehr attraktive Frau zu ihrer Freundin, aus deren Sicht die Geschichte auch erz\u00e4hlt wird.<\/p>\n<p>Ann geht ihren eigenen Weg als Kunsthistorikerin. Die Idee f\u00fcr einen Mann alles aufzugeben, k\u00e4me ihr nicht in den Sinn. Dann erh\u00e4lt Ann die ersten Briefe von Jess, die sie leicht verunsichern. Die Freundin kann die einsamen Wintermonate nicht mehr ertragen. Langsame Schwermut schleicht sich in ihr Leben, auch wenn sie ein fr\u00f6hliches aufgewecktes Kind hat. Nick vergr\u00e4bt sich in seiner Malerei, hat eine erste Ausstellung und pflegt sein Image als K\u00fcnstler ohne Bed\u00fcrfnisse. Dabei ist er ein eifers\u00fcchtiger Ehemann und missg\u00f6nnt seiner Frau jeden noch so kleinen Luxus.<br \/>\nTess hat sich zwar mit Leuten aus dem Ort angefreundet, aber sie ordnet sich in allem ganz Nicks W\u00fcnschen unter. Der allerdings hat im Ort die Buchh\u00e4ndlerin mehr als nur ins Herz geschlossen. Das verr\u00e4t er Ann, als Jess erneut schwanger, ihr Kind verliert und nun seltsame Dinge \u00fcber sich erz\u00e4hlt. Nick enttarnt in gewisser Weise seine Doppelmoral. Aber Ann kann sich nicht um Nicks Befindlichkeiten k\u00fcmmern.\\r\\nSie muss endlich Tess\\&#8216; Tagebuch lesen, dass Nick ihr ausgeh\u00e4ndigt hat, um endlich zu verstehen, warum die Freundin keinen Ausweg sah.<\/p>\n<p><em>\u201eNick wollte sich auf keinen Fall den Zw\u00e4ngen der Gesellschaft beugen. Aber der Natur unterwarf er sich. Immerhin, das war eine freie Entscheidung&#8230;. Aber stimmte das Gleiche auch f\u00fcr Jess? Auch ohne ihre Liebe zueinander infrage zu stellen \u2013 sie waren immer noch zwei unterschiedliche Wesen, auch wenn sie dachten, sie seien eins.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Trotz H\u00fchnern, Hund, Kind und Mann \u2013 die kontaktfreudige Tess kann das Eremitenleben nicht mehr ertragen. Sie kann aber auch nicht zur\u00fcck, glaubt sie. Ihre Depressionen verst\u00e4rken sich im Winter und schlagen von Lethargie auch um in Aggression, mal gegen ihre Tochter, mal gegen sich. Hat ihr Mann ein erf\u00fclltes Leben, ist sie mittlerweile weit davon entfernt. \\r\\nAnn versteht, warum Tess nicht gehen kann. Sie will nicht so sein, wie ihre Mutter.<\/p>\n<p>Als Ann jedoch mit der Oma von Tess telefoniert, h\u00f6rt sie eine ganz andere Geschichte.<br \/>\nGefangen im Traum, in der vermeintlichen Liebe sieht Tess f\u00fcr sich nur den Selbstmord als Befreiung. Eine fatale Entscheidung.<\/p>\n<p>Beim Lesen ahnt man nat\u00fcrlich, warum Tess ihr Gl\u00fcck in Wales nicht findet, auch wenn sie es sich noch so sehr w\u00fcnscht. Sicher bleibt man bis zu letzten Seite bei ihr, weil die Geschichte faszinierend erz\u00e4hlt wird und die Tr\u00e4ume anderer Menschen anregen \u00fcber das eigene Leben nachzudenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00f6rthe Binkert: Jessicas Traum, Deutscher Taschenbuch Verlag premium, M\u00fcnchen 2016, 250 Seiten, \u20ac14,90, 978-3-423-26109-8 \u201eIch habe immer bewundert, wie gut Jess mit Menschen umgehen kann. 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