{"id":1885,"date":"2019-06-22T16:22:25","date_gmt":"2019-06-22T14:22:25","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1885"},"modified":"2019-06-22T16:22:25","modified_gmt":"2019-06-22T14:22:25","slug":"endlich-mein-commissario-brunettis-vierundzwanzigster-fall","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/endlich-mein-commissario-brunettis-vierundzwanzigster-fall\/","title":{"rendered":"Endlich mein, Commissario Brunettis vierundzwanzigster Fall"},"content":{"rendered":"<p><strong>Donna Leon: Endlich mein, Commissario Brunettis vierundzwanzigster Fall, Aus dem Englischen von Werner Schmitz, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2016, 320 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-257-06943-3 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eUnerkl\u00e4rliche Gewaltverbrechen duldeten keinen Aufschub. Wenn er mit seiner Interpretation der Ereignisse richtig lag, war nicht auszuschlie\u00dfen, dass Francesca nur ein erstes Opfer gewesen war; Flavia k\u00f6nnte das zweite werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die amerikanische Autorin Donna Leon mit langj\u00e4hrigem Wohnsitz in Venedig liebt Opern, am liebsten die von Georg Friedrich H\u00e4ndel und Zeitgenossen. Auch ihre Heldin, die Starsopranistin Flavia Petrelli (bereits Hauptfigur in Brunetti-F\u00e4llen wie<em> \u201eVenezianisches Finale\u201c<\/em> und <em>\u201eAcqua Alta\u201c<\/em>) freut sich auf das Einstudieren der H\u00e4ndelst\u00fccke. Allerdings muss sie noch einige Vorstellungen der Giacomo Puccini Oper<em> \u201eTosca\u201c<\/em> hinter sich bringen. Keine Frage, die Atmosph\u00e4re im Opernhaus La Fenice ist nicht die Beste. Der Dirigent ist ihr keine St\u00fctze, der Tenor zu jung und der Bariton, der den Scarpia singt, ein selbstverliebter Kollege, wie sie viele kennt. Strahlend l\u00e4chelnd steht die Diva vor ihrem jubelnden Publikum und nimmt die Ovationen entgegen. Dreht sie sich zum B\u00fchnenraum um, ist die angebliche Freude sofort aus dem Gesicht verschwunden. Wie wohltuend waren fr\u00fcher die pers\u00f6nlichen Begegnungen mit den Fans am Ausgang der Opernh\u00e4user. Heute ist Flavia nach dem Adrenalin-Schub auf der B\u00fchne nur noch m\u00fcde. Sie sehnt sich nach einem Essen, etwas Wein und einem langen Schlaf. Flavia ist eine erfahrene S\u00e4ngerin und nicht mehr die J\u00fcngste. Abends skypt sie mit ihren fast erwachsenen Kindern und sie ist nicht mehr neugierig aufs Reisen oder Hotelaufenthalte. In Venedig wohnt sie in der Wohnung ihres einstigen Geliebten, Freddy. Auch er hat inzwischen Familie, Kinder und Frau.<br \/>\nAls sie in einem Gespr\u00e4ch Commissario Brunetti, der mit seiner Frau Paola nat\u00fcrlich die Opernauff\u00fchrung besucht, an den Glamour erinnert, der sie umgibt, kann sie nur noch abwinken. L\u00e4ngst ist die Presse nur noch an privaten Verfehlungen, Aff\u00e4ren und Skandalen interessiert, kaum an k\u00fcnstlerischen Themen.<br \/>\nBei allen Huldigungen, die Menschen, die in der \u00d6ffentlichkeit stehen, ertragen m\u00fcssen, geh\u00f6ren sicher auch Blumenstr\u00e4u\u00dfe. Nur Flavia wird mit gelben Rosen nur so \u00fcberh\u00e4uft. Allerdings f\u00fchrt der Blumensegen bis vor ihre T\u00fcr. Niemand kann sich erkl\u00e4ren, wie der Mann oder die Frau ins Haus gelangt sind. Bei einem privaten Essen im Hause von Brunettis Schwiegereltern \u00e4u\u00dfert Flavia ihre Besorgnis \u00fcber das Rosen-Stalking, das sie bereits in St. Petersburg und London erlebt hat. Eine unglaublich teure Kette findet die Operndiva ebenfalls in ihrer Garderobe.<\/p>\n<p>Aber zu diesem Zeitpunkt ist bereits ein Verbrechen geschehen. Eine junge S\u00e4ngerin, Francesca Santello, wurde von einer Treppe gesto\u00dfen und hat sich durch den Sto\u00df erhebliche Arm- und Kopfverletzungen zugezogen. Kurz vor dem Sturz wurde ihr mit verstellter Stimme zugefl\u00fcstert:<em> \u201e\u00c8 mia<\/em>\u201c. Sie geh\u00f6ren mir oder sie geh\u00f6rt mir, beides w\u00e4re in der \u00dcbersetzung m\u00f6glich. Brunetti vermutet eine Verbindung zwischen dem brutalen Angriff auf die junge S\u00e4ngerin und Flavia einen Zusammenhang, denn diese hat der jungen Frau bei einer Probe zugeh\u00f6rt und sie sehr gelobt. Nat\u00fcrlich liegt er richtig. Signorina Elettra, die kurzzeitig streikt, weil Alvise von Tenento Scarpa ungerecht behandelt wurde, geht der Herkunft der Kette auf die Spur und wird f\u00fcndig.<\/p>\n<p>Jeder neue Brunetti \u2013 Roman ist ein Muss f\u00fcr Fans. Ob der Fall kompliziert oder eher doch, wie beim 24. Fall, durchschaubar ist, spielt keine Rolle mehr. Jeder Opernliebhaber h\u00f6rt beim Lesen die unvergleichliche Musik Puccinis, das Flehen der Tosca um ihren Geliebten Cavaradossi, die tiefe Sehnsucht nach Liebe und Gier des skrupellosen Scarpia und vor allem die tiefen Emotionen, die in allen Arien liegen. Als Brunetti und Vianello hinter der B\u00fchne Flavia besch\u00fctzen, verliebt sich Vianello in diese wunderbaren Kompositionen. Zum Gl\u00fcck muss er mit seiner Frau zu Hause nicht <em>\u201eDownton Abbey\u201c<\/em> sehen.<\/p>\n<p>Donna Leons Romane sind mittlerweile Selbstl\u00e4ufer und nat\u00fcrlich sieht man vor seinem inneren Auge, wenn man die Handlung verfolgt und die deutsche Serie mag, die Darsteller Uwe Kockisch, Karl Fischer, Annett Renneberg oder Julia J\u00e4ger als Brunetti, Vianello, Elettra oder Paola, Brunettis Frau, die wenn sie liest, um sich herum nichts mehr h\u00f6rt und sieht.<br \/>\nMit <em>\u201eEndlich mein\u201c<\/em> verbringt man einen unterhaltsamen Nachmittag auf dem Sofa, ist gedanklich im totgesagten und so lebendigen Venedig und zum Gl\u00fcck geschieht dieses Mal kein Mord.<\/p>\n<p>Und wie wunderbar, ob im Roman oder Film, alle Hauptfiguren werden \u00e4lter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Donna Leon: Endlich mein, Commissario Brunettis vierundzwanzigster Fall, Aus dem Englischen von Werner Schmitz, Diogenes Verlag, Z\u00fcrich 2016, 320 Seiten, \u20ac24,00, 978-3-257-06943-3 \u201eUnerkl\u00e4rliche Gewaltverbrechen duldeten keinen Aufschub. 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