{"id":1869,"date":"2019-06-22T16:25:58","date_gmt":"2019-06-22T14:25:58","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1869"},"modified":"2019-06-22T16:25:58","modified_gmt":"2019-06-22T14:25:58","slug":"kreuzfahrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/kreuzfahrt\/","title":{"rendered":"Kreuzfahrt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mireille Zindel: Kreuzfahrt, Verlag Kein &amp; Aber, Z\u00fcrich 2016, 288 Seiten, \u20ac19,90, 978-3-0369-5737-1 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWieso konnte ich es nicht als k\u00f6rperliche Anziehung sehen? Zwei Menschen langweilen sich in ihrer Ehe \u2013 das kommt vor &#8211; , und zur Abwechslung treffen sie jemand anderen. Aber nein, ich musste an eine einzigartige Begegnung glauben, in jeder Ber\u00fchrung einen magischen Moment, eine tiefe Verbindung zu dir sp\u00fcren.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Meret schreibt an Jan, ihren heimlichen Geliebten, den sie l\u00e4ngst verloren hat, denn er kann sich nach einem schweren Unfall nicht mehr an sie erinnern. Als Meret mit ihrem Mann Dres in Italien Urlaub macht, \u00fcberkommt sie der Wunsch, ihre zwei kleinen Jungen und ihren Mann mal f\u00fcr eine Weile allein zu lassen.<\/p>\n<p><em>\u201eFr\u00fcher hatte das Leben so viele M\u00f6glichkeiten. Dann schlie\u00dft man das Studium ab, beginnt zu arbeiten, hat Familie, und pl\u00f6tzlich ist man auf dieser Autobahn f\u00fcr die n\u00e4chsten 25 Jahre. Nicht dass ich Angst h\u00e4tte, dass ich diese Jahre abstrampeln w\u00fcrde, aber Gedanken macht man sich schon.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Meret setzt sich auf eine Terrasse und lernt Jan kennen, auch er ben\u00f6tigte eine Familienpause. Zwischen beiden scheint es irgendwie zu funken. Aber da steht schon Romy, Jans Frau, mit den Kindern neben Jan. Meret entdeckt, dass sie Romy bereits kennt. Beider Wohnungen liegen in Z\u00fcrich nur ein paar Stra\u00dfen auseinander. Alle sehen sich nach dem Urlaub wieder und Jans Familie zieht sogar in das Haus von Meret.<\/p>\n<p>Merets Ehe mit dem schweigsamen Dres ist nicht mehr aufregend, beide haben getrennte Schlafzimmer, wie auch Romy und Jan.<\/p>\n<p>Meret, die mit ihren vierzig Jahren an einem Scheidepunkt steht, spricht Jan in ihrem Aufzeichnungen immer wieder an, als w\u00fcrde sie mit ihm in Zwiesprache treten. Romy und Meret sehen sich ziemlich oft, zum einen durch die Kinder, zum anderen treffen sie sich auch in Caf\u00e9s. Dabei mag Meret die esoterisch angehauchte \u00fcberaktive Romy nicht sonderlich, zumal Romy ihr sogar ihren Mann anbietet.<\/p>\n<p>Es dauert doch eine ganze Weile, ehe Meret und Jan sich finden. Seltsam unbeteiligt wirkt Jan seiner eigenen Familie, seinen S\u00f6hnen gegen\u00fcber. Er ist beruflich viel auf Reisen und investiert viel Zeit in seine Marathonl\u00e4ufe. Romy hingegen reist sehr oft zu ihrer Familie nach Schweden. Um sich lebendig zu f\u00fchlen, betont Romy st\u00e4ndig ihre verschiedenen Wohnorte in ihrem Blog und ihre Beziehung zu Engeln. Der neueste Plan ist der Umzug nach New York.<br \/>\nMeret betrachtet Romys Aktivismus mit Distanz. Niemand bemerkt, dass sich zwischen Meret und Jan, die gemeinsame Wochenenden in Paris oder Mailand verbringen, eine Beziehung anbahnt. Im \u00dcberschwang der Gef\u00fchle will Meret sogar eine Entscheidung von Jan, zu der es nicht mehr kommt, denn der Unfall beendet die Aff\u00e4re.<br \/>\nParallel erz\u00e4hlt Meret die Geschichte einer \u00e4lteren allein reisenden Frau, die sich auf der Kreuzfahrt befindet und pl\u00f6tzlich f\u00fcr einen jungen Offizier attraktiv wird. Gut verheiratet g\u00f6nnt sie sich die Aff\u00e4re und legt doch mit der Zeit mehr in sie hinein als sie sich eigentlich zugesteht.<br \/>\nFinanziell abgesichert besch\u00e4ftigen sich die Frauen in diesem Roman mit Selbstdarstellungen und Nichtigkeiten und nebenbei auch mit ihren Kindern. Sicher kann man vieles unterstreichen, was Meret beobachtet, aber man m\u00f6chte ihr auch gern sagen, dass man sie als Wohlstandsverwahrloste nicht bemitleidet. Auch die M\u00e4nner wirken als Ern\u00e4hrer der Familie mittlerweile wie Auslaufmodelle, egozentrisch und blutleer. Nach au\u00dfen scheinen die Familien heil, vielleicht sogar gl\u00fccklich, aber im Inneren sind sie alles andere als intakt. Jeder ist seine eigene Insel suggeriert das Buchcover und trifft vielleicht den Kern der Geschichte. Allerdings funktioniert die Familie mit Kindern auf dieser Basis kaum. Auch wenn die Figuren nicht gerade sympathisch sind, ihre Sehnsucht nach Liebe verst\u00e4ndlich, die Geschichten dieser beiden Familien spiegeln ein gesellschaftliches Ph\u00e4nomen, die permanente Angst nicht genug vom Leben zu bekommen, nicht das Gl\u00fcck zu erleben, das einem doch zusteht, immer mehr zu wollen und doch verunsichert am gewohnten festzuhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mireille Zindel: Kreuzfahrt, Verlag Kein &amp; Aber, Z\u00fcrich 2016, 288 Seiten, \u20ac19,90, 978-3-0369-5737-1 \u201eWieso konnte ich es nicht als k\u00f6rperliche Anziehung sehen? 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