{"id":184,"date":"2019-06-21T19:47:45","date_gmt":"2019-06-21T17:47:45","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=184"},"modified":"2019-06-21T19:47:45","modified_gmt":"2019-06-21T17:47:45","slug":"jockels-schweigen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/jockels-schweigen\/","title":{"rendered":"Jockels Schweigen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Adriana Stern: Jockels Schweigen, Jacoby &amp; Stuart Verlagshaus, Berlin 2011, 318 Seiten, \u20ac14, 95, 978-3-941787-26-1<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Das Gesicht des Menschen bleibt unsichtbar. Ich sehe die Seele meines kleinen Bruders vor meinen Augen zerbrechen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der 16-j\u00e4hrige David und ist mit Jewdokin, den die einen Jeff nennen, aber auch Chip, befreundet. Beide sind Juden und leben in K\u00f6ln. Chip ist ein exzellenter Computerprogrammierer, David liefert die Ideen. Sie sind ein Team und doch schieben sich zwischen diese Freundschaft immer wieder ungekl\u00e4rte Fragen, die Chip nicht beantworten will und aggressiv reagiert. Woher hat Chip so viel Geld? Wie kann es sein, dass er seinem Vater, der einen Billardsalon betreibt, immer den R\u00fccken freih\u00e4lt? Vor f\u00fcnf Jahren kam die Familie Sapoznikow aus Russland nach Berlin. Als Juden wurden sie nicht anerkannt, da Chips Mutter Christin ist. Den schweren Anfang erleichtert der Familie der Vermieter Herr Kirsch und alles l\u00e4uft bestens dank Chips sprachlicher Vermittlung. Doch warum hat Chip solche Furcht vor Herrn Kirsch und warum will er nicht, dass Davis kleiner Bruder Jockel zu dieser Agentur geht, um seinen Herzenswunsch Schauspieler zu werden, wahr machen kann? Chip wei\u00df, dass diese angebliche Agentur von Kirsch geleitet wird.<br \/>\nAls dann Davids Mutter wieder ihrer Arbeit nachgeht, der Vater als Narkosearzt einen schweren beruflichen Fehler begeht und niemand sich so richtig um die Kinder k\u00fcmmert, beginnt das Drama. David unterzeichnet das Aufnahmeformular, gegen den Willen der Eltern, f\u00fcr die Agentur und Jockel ger\u00e4t in die F\u00e4nge eines P\u00e4dophilenringes. Der Junge ver\u00e4ndert sich in seinem Verhalten, wirkt unberechenbar aggressiv, meidet bestimmte Speisen und reagiert auf Ber\u00fchrungen \u00e4u\u00dferst schreckhaft. Nach und nach verlieren die Eltern den Kontakt und sp\u00fcren, wie weit weg ihr Kind ist.<br \/>\nDavid steht zwischen allen Fronten. Chips Verhaltensmuster sind schwer zu durchschauen. Er schwankt zwischen seiner verhassten Aufgabe, Kirsch Jungen im entsprechenden Alter zuzuf\u00fchren, eigenen Verletzungen und der Verantwortung f\u00fcr den Vater. Chip wendet sich von David ab und auch Jockel reagiert r\u00fcde und aggressiv gegen ihn. Es ist die Angst, dass David ahnen k\u00f6nnte, welches schreckliche Geheimnis er h\u00fcten muss. Zwar bemerken Eltern und Schule, dass irgendetwas nicht stimmt, finden aber keine Antworten. Jockels L\u00fcgen sind zu durchsichtig und plakativ als dass die Mutter sie glauben kann und doch ist sie hilflos.<\/p>\n<p>Aus zwei Perspektiven erz\u00e4hlt Adriana Stern Jockels Geschichte. Zum einen lernt der Leser Chip und seine Art zu denken kennen und zum anderen berichtet David aus seinem Blickwinkel von den Geschehnissen. Realistisch und deutlich wird berichtet, wie der P\u00e4dophilenring und deren Drahtzieher ( die Geschehnisse gehen auf eine wahre Begebenheit 2008 in Berlin zur\u00fcck ) die Jungen anlockt und sie dann mit Schuldgef\u00fchlen gef\u00fcgig macht.<\/p>\n<p>Der Balanceakt zwischen der Darstellung einer psychologisch \u00fcberzeugenden Handlung und unmissverst\u00e4ndlicher Aufkl\u00e4rung \u00fcber sexuellen Missbrauch ist nur teilweise gelungen. Vieles wirkt einfach nur konstruiert und viele \u00dcberschneidungen in der Handlungsf\u00fchrung sind doch sehr zuf\u00e4llig. Aber eines muss man \u201eJockels Schweigen\u201c zugute halten, das Jugendbuch kl\u00e4rt mit aller Deutlichkeit auf, wie es geschehen kann, dass Jungen sexueller Gewalt ausgeliefert sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Adriana Stern: Jockels Schweigen, Jacoby &amp; Stuart Verlagshaus, Berlin 2011, 318 Seiten, \u20ac14, 95, 978-3-941787-26-1 \u201e Das Gesicht des Menschen bleibt unsichtbar. 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