{"id":1822,"date":"2019-06-22T16:50:42","date_gmt":"2019-06-22T14:50:42","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1822"},"modified":"2019-06-22T16:50:42","modified_gmt":"2019-06-22T14:50:42","slug":"eine-fast-perfekte-familie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/eine-fast-perfekte-familie\/","title":{"rendered":"Eine fast perfekte Familie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Meg Mitchell Moore \u2013 Eine fast perfekte Familie, Deutsch von Sabine Schwenk, Bloomsbury Verlag, Berlin 2016, 423 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-8270-1283-8 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWie kompliziert und verwickelt doch alles war. Leben. Familie. Aber einen anderen Weg gab es doch gar nicht, oder? Man musste einfach weitergehen und immer sch\u00f6n einen Fu\u00df vor den anderen setzen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Familie Hawthorne, wohlsituierte amerikanische Mittelschicht, wohnt in einem gro\u00dfen Haus unweit von San Francisco. Nora arbeitet trotz ihrer drei M\u00e4dchen als Immobilienmaklerin f\u00fcr ausgew\u00e4hlte exklusive Objekt, Gabe, eigentlich auf einer Ranch in Wyoming aufgewachsen, ist Partner in einer gutgehenden Consulting-Firma. Die 17-j\u00e4hrige, ehrgeizige Angela ackert f\u00fcr ihre Fr\u00fchbewerbung in Harvard, d.h. sie muss ausgezeichnete Leistungen in allen F\u00e4chern vorweisen, sportlich aktiv sein, im Theaterklub eine Rolle \u00fcbernehmen, karikativ t\u00e4tig sein, ein Instrument spielen und m\u00f6glichst noch nebenher jobben. Wie eine Sch\u00fclerin das alles perfekt schaffen soll, wird im Laufe der Handlung eindringlich thematisiert. Aber dann ist da noch Cecily, zehn Jahre alt und Noras Sonnenschein, ein fr\u00f6hliches M\u00e4dchen, dass sich ihren famili\u00e4ren Wurzeln entsprechend gern zu irischen Melodien bewegt. Kostspielig ist diese Tanzschule und vor allem auch anspruchsvoll. Um Maya mit ihren sieben Jahren sorgt sich Nora, denn das M\u00e4dchen kann immer noch nicht lesen. Als Maya noch ein Baby war, hatte Nora ihre Mutter an der Ostk\u00fcste besucht. In einem unbeobachteten Moment ist das Kind vom Sofa gerollt, eine gro\u00dfe Delle am Kopf war die Folge. Nie hat Nora ihrem Mann von diesem Unfall erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Hawthornes wirken auf den ersten Eindruck wie eine ganz normale Familie, die mit ihren Alltags- und zum Teil auch Luxusproblemen fertig werden muss, so wie alle anderen auch. Doch alle Familienmitglieder, au\u00dfer Maya, verbergen Geheimnisse voreinander, die im Zeitraum von drei Monaten, so lang dauert die Handlungsspanne, zu Tage treten werden. Ist es der Hang zur Vollkommenheit, die tr\u00fcgerische, vielleicht doch nicht so garantierte Sicherheit in einer Ellenbogengesellschaft, der die Hawthornes anspornt oder der Stolz auf die Leistungen der Kinder, der durch nichts getr\u00fcbt werden soll?<\/p>\n<p>Alles beginnt mit einem alarmierenden Anruf des Kalifornien Security Office der Golden Gate Bridge, die sich um die Selbstmordgef\u00e4hrdeten k\u00fcmmern. Nora springt in ihr Auto, um wen es wirklich geht, bleibt noch ungewiss.<\/p>\n<p>Nora hat arge Schlafprobleme und schreibt nachts lange E-Mails an ihre Schwester Marianne, die an der Ostk\u00fcste, woher die beiden stammen, immer noch lebt. Mit leichter Ironie und einen Schuss Sarkasmus betrachtet Nora ihren Tagesablauf und kaschiert damit auch ihre Sorgen um Angelas immenses Arbeitspensum und ihre Stellung als Jahrgangsbeste, Mayas be\u00e4ngstigende Leseschw\u00e4che, Gabes neue, sehr junge Assistentin, Cecilys Unkonzentriertheit beim Tanzwettbewerb und ihre Konflikte mit potentiellen K\u00e4ufern und Verk\u00e4ufern von millionenschweren Anwesen.<\/p>\n<p>Meg Michell Moore erz\u00e4hlt aus den Blickwinkeln aller Familienmitglieder und der Vertrauten um sie herum. Somit gewinnt der Leser Eindr\u00fccke aus der Innen- und Au\u00dfenperspektive. Auch wenn sich Nora ihr Kinderspiel aus vergangenen Zeiten oft in Erinnerung ruft, ein Geist gew\u00e4hrt drei W\u00fcnsche, beginnt die heile Familienfassade langsam zu br\u00f6ckeln.<br \/>\nNora ist v\u00f6llig zerrissen zwischen der Kindererziehung, all den Terminen in der Schule, im Freizeitbereich, gesundem Essen, das auf dem Tisch stehen muss und den eigenen beruflichen Anforderungen ( der Babysitter h\u00e4ngt mehr am Smartphone als das er sich um die M\u00e4dchen k\u00fcmmert ). Panisch muss sie feststellen, dass sie eine gesch\u00fctzte Pflanze bei einem Hausverkauf \u00fcbersehen und die K\u00e4ufer \u00fcber deren Existenz nicht informiert hat. Sollten diese sie verklagen, w\u00e4re das ihr finanzieller Ruin. Angela beginnt Tabletten zu nehmen, um sich wach zu halten. Diese Drogen klaut sie allerdings beim Babysitten dem ADHS-Kind von nebenan. Und dann fliegt die allergr\u00f6\u00dfte L\u00fcge auf, die Gabe als Geheimnis \u00fcber Jahrzehnte geh\u00fctet hat. Die Wahrheit k\u00f6nnte den Familienzusammenhalt sprengen.<\/p>\n<p>Meg Mitchell Moore hat einen unterhaltsamen, ja filmreifen, nie oberfl\u00e4chlichen Plot erfunden, in dem sich Familien in Teilen wiedererkennen k\u00f6nnen. Dreht sich doch alles um Ehrlichkeit in der kleinsten Zelle der Gesellschaft, um Vertrauen und Offenheit. All dies k\u00f6nnen die Hawthornes nicht bieten und doch bleiben sie sympathisch, weil menschlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meg Mitchell Moore \u2013 Eine fast perfekte Familie, Deutsch von Sabine Schwenk, Bloomsbury Verlag, Berlin 2016, 423 Seiten, \u20ac20,00, 978-3-8270-1283-8 \u201eWie kompliziert und verwickelt doch alles war. Leben. Familie. Aber einen anderen Weg gab es doch gar nicht, oder? 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