{"id":1812,"date":"2019-06-22T16:53:01","date_gmt":"2019-06-22T14:53:01","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1812"},"modified":"2019-06-22T16:53:01","modified_gmt":"2019-06-22T14:53:01","slug":"i-saw-a-man","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/i-saw-a-man\/","title":{"rendered":"I saw a man"},"content":{"rendered":"<p><strong>Owen Sheers: I saw a man, Aus dem Englischen von Thomas Mohr, Deutsche Verlags-Anstalt, M\u00fcnchen 2016, 304 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-421-04669-7<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Er w\u00fcrde auf ewig ein Betr\u00fcger sein. Nicht wie beim Schreiben, zum Zwecke gr\u00f6\u00dferer Klarheit, sondern im Leben, einer Unterlassung, einer L\u00fcge wegen. Er war zu einer Verk\u00f6rperung seiner schriftstellerischen Technik geworden; er hatte sich aus diesen Minuten im Haus des Nelsons ebenso getilgt wie aus seinen Texten.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Zwei Menschen werden in dieser Geschichte sterben und beider Tod ist sinnlos. Es sind Unf\u00e4lle, Ursache des einen ist die globale kriegerische Auseinandersetzung, der andere geschieht in der vermeintlichen Idylle einer Familie.<\/p>\n<p>Alles lief im Leben von Michael Turner bisher glatt. Als Journalist und Buchautor konnte er erfolgreich in den USA den Markt erobern, um dann nach Gro\u00dfbritannien, frisch verheiratet mit Caroline, zur\u00fcckzukehren. Als Auslandskorrespondentin hatte sich Michaels Frau einen Namen gemacht. Um zur Ruhe zu kommen und zu schreiben, ziehen beide nach Wales. Michael erkennt schnell, dass er nicht der Geschichtenerfinder ist, den ein guter Roman braucht. Und so sucht er sich reale Schicksale von Menschen, begleitet diese eine Weile und verarbeitet das Gesehene, Erlebte mit dichterischer Freiheit.<\/p>\n<p>\u00dcber sein Leben res\u00fcmiert Michael als er ein Jahr sp\u00e4ter an einem hei\u00dfen Sommertag ins Haus seines Freundes in Hampstead Heath und Nachbarn Josh Nelson geht, um einen ausgeborgten Schraubenzieher zur\u00fcckzuholen. Doch niemand scheint zu Hause zu sein. Michael wei\u00df, dass Samantha, Joshs Frau, unterwegs ist. Aber wo ist Josh, wo sind die M\u00e4dchen Rachel und Lucie? Michael schaut sich auf diesem fremden Territorium um, betritt R\u00e4ume, die er vorher nie gesehen hat. Bei seinem Rundgang beginnt der Gedankenstrom \u00fcber Ereignisse der vergangenen Zeit. Caroline ist von ihren Dreharbeiten in Pakistan nicht zur\u00fcckgekehrt, Michael hat das Haus nach kurzer Ehe verkauft und ist nach London gezogen. Zu seinen Nachbarn, der Familie Nelson, er ist bei der Lehmann Bank, sie war Fotografin, entwickelt sich eine enge Freundschaft. Der Witwer verbringt zur Verwunderung seiner Umgebung viel Zeit mit den Nelsons, die gut situiert ein v\u00f6llig anderes Leben als Michael f\u00fchren. Doch Michael ist schnell in den Alltag integriert, ob er nun mit Samantha die Kinder in die Schule bringt, an Feiertagen dabei ist oder mit Josh joggt. Aber Michael sp\u00fcrt auch, dass in der Ehe nicht alles rund l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Szenenwechsel: Major Daniel McCullen fliegt um der Familie willen keine Eins\u00e4tze mehr in Kriegsgebieten, sondern f\u00e4hrt jeden Morgen zu seiner Arbeit. Er bet\u00e4tigt Drohnen und wird auf der Suche nach einem gef\u00e4hrlichen Terroristen einen Konvoi beschie\u00dfen, in dem auch das Team von Caroline mitf\u00e4hrt. Der zuf\u00e4llige Tod dieser jungen Journalistin l\u00e4sst McCullen keine Ruhe. Er beginnt zu trinken, wird aus der Armee wegen einer posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung entlassen, sucht Antworten und kehrt auch seiner Familie den R\u00fccken. Daniel ist verzweifelt \u00fcber den Tod des vermeintlichen Mannes, den er gesehen haben will.<br \/>\n<em>\u201e Er w\u00fcrde den Mann ausfindig machen, den Caroline Marshall geheiratet hatte, und ihm schreiben. Er w\u00fcrde ihm schildern, was geschehen war.  Nicht aus Pflichtgef\u00fchl, sondern weil er nicht anders konnte. Weil er wusste, dass er nur dann w\u00fcrde weiterleben k\u00f6nnen. Er war es leid, unsichtbar zu sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aber dann geschieht im Haus der Nelsons das Ungl\u00fcck und Michael, der nichts tun konnte, wird schweigen. Eine L\u00fcge folgt der n\u00e4chsten und die Familie Nelson bricht auseinander.<br \/>\nMit der zunehmenden Digitalisierung scheint die Welt kleiner zu werden und  aufgrund der Vernetzung angeblich berechenbarer. Wir sind besser informiert und doch entstehen immer mehr \u00c4ngste, Unw\u00e4gbarkeiten und Konflikte, die wir im Kleinen wie im Gro\u00dfen nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Brite Owen Sheers, der gut sieben Jahre an diesem, seinem zweiten Roman gearbeitet hat, entwirft ein weltumspannendes Szenario, das im Privaten endet und wiederum von den wirtschaftlichen Ereignissen \u00fcberrollt wird.<br \/>\nEr ist ein gro\u00dfer Erz\u00e4hler und hat einen Roman mit glaubw\u00fcrdigen Wendungen  geschrieben, den man kaum aus den H\u00e4nden legen kann, bevor man die letzte Seite umgebl\u00e4ttert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Owen Sheers: I saw a man, Aus dem Englischen von Thomas Mohr, Deutsche Verlags-Anstalt, M\u00fcnchen 2016, 304 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-421-04669-7 \u201e Er w\u00fcrde auf ewig ein Betr\u00fcger sein. 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