{"id":1749,"date":"2019-06-22T17:10:50","date_gmt":"2019-06-22T15:10:50","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1749"},"modified":"2019-06-22T17:10:50","modified_gmt":"2019-06-22T15:10:50","slug":"finderlohn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/finderlohn\/","title":{"rendered":"Finderlohn"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stephen King: Finderlohn, Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt, Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2015, 544 Seiten, \u20ac22,99, 978-3-453-27009-1<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e Als Pete j\u00fcnger war, hat er die Notizb\u00fccher lediglich als vergrabenen Schatz betrachtet. Als seinen Schatz. Inzwischen wei\u00df er es besser, nicht nur weil er sich in John Rothsteins boshafte, lustige und manchmal unglaublich bewegende Prosa verliebt hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>1978 \u2013 eine entlegene Farm in New Hampshire. Drei M\u00e4nner dringen ins Haus ein und t\u00f6ten den bekannten Autor John Rothstein, der in den 1960er Jahren seine Trilogie \u00fcber Jimmy Gold ver\u00f6ffentlicht hat. Bevor Rothstein stirbt, f\u00fchrt er einen Dialog mit einem der Kriminellen. Es ist Morris Bellamy, gerade aus der Jugendstrafanstalt entlassen und ein literarisch interessierter Psychopath. Morris ist \u00fcber das Ende des dritten Bandes w\u00fctend und versucht mit seiner Literaturkritik auf Rothstein Eindruck zu machen. Aber dieser verh\u00f6hnt ihn nur und provoziert so seine Hinrichtung.<\/p>\n<p>Die Einbrecher \u00f6ffnen den Safe, nehmen das Geld und 165 Notizb\u00fccher aus der Reihe Moleskine mit. 18 Jahre hat Rothstein an zwei Fortsetzungen seiner Roman-Reihe geschrieben. Aber Morris wird diese Notizb\u00fccher nicht lesen, denn nachdem er seine Komplizen erschossen hat und in seinem Heimatort seinen Kumpel Andrew Halliday aufgesucht hat, wei\u00df er, er muss die Beweisst\u00fccke f\u00fcr eine bestimmte Zeit verschwinden lassen. Halliday, der von seinem eigenen Buchladen tr\u00e4umt, kann nicht fassen, dass sein Freund diese Tat begangen hat. Er wei\u00df auch, wie hei\u00df die Ware ist.<br \/>\nMorris geht f\u00fcr eine Vergewaltigung 38 Jahre in den Knast. F\u00fcr den skrupellosen M\u00f6rder, der nie f\u00fcr seine Taten belangt wird, dreht sich alles nur um die Literatur und das Schreiben. Im Gef\u00e4ngnis wird er, auch um sich vor sexuellen \u00dcbergriffen zu sch\u00fctzen, f\u00fcr die H\u00e4ftlinge, gut formulierte Briefe nach Hause senden.<\/p>\n<p>Inzwischen hat die USA die Wirtschaftskrise ereilt. 2009 wird sich Tom Saubers im City Center nach Arbeit anstellen und von Hartsfield, der in die Menge rasen wird, angefahren. <em>\u201eMr. Mercedes\u201c<\/em> hei\u00dft der Vorg\u00e4ngerroman von <em>\u201eFinderlohn\u201c<\/em>, dessen Handlung aber f\u00fcr sich steht.<\/p>\n<p>Tom Saubers Familie leidet unter den Folgen der Arbeitslosigkeit. Die permanenten Streitereien zwischen den Eltern belasten die Kinder, Pete und Tina. Sie sp\u00fcren, dass ihre Familie bald auseinanderbricht. Und dann geschieht das Wunder. Pete findet das von Morris vergrabene Geld und die Notizb\u00fccher, denn die Saubers wohnen in seinem ehemaligen Elternhaus. Pete ahnt, dass seine Mutter dieses Geld nie annehmen w\u00fcrde und so schickt er der Familie jeden Monat ca. 500 Dollar per Post. Diese edle Tat rettet die Familie und langsam erholt sich auch der Vater von seinen Verletzungen, findet wieder Arbeit. Aber die Geldquelle ist irgendwann versiegt und Pete, der ebenfalls ein belesener Sch\u00fcler ist, erkennt welchen <em>\u201eSchatz\u201c<\/em> er noch gefunden hat, den Nachlass des ermordeten Autors, der in einer Reihe mit John Updike genannt wird.<\/p>\n<p>Ausgerechnet dem schmierigen Andrew Halliday, der nun wirklich ein Antiquariat, aber einen miesen Ruf hat, bietet der nun 17-J\u00e4hrige als James Hawkins die Notizb\u00fccher an. Der H\u00e4ndler soll Kontakte zu Sammlern kn\u00fcpfen und einen guten Preis aushandeln. Fast zeitgleich wird Morris entlassen und hat nur eins im Sinn, die Notizb\u00fccher.<\/p>\n<p>Und jetzt kommt Bill Hodges ins Spiel, ein Kriminalbeamter im Ruhestand, der einfach weiterarbeiten muss.<\/p>\n<p>Schon lange Zeit ahnt Petes Schwester Tina, dass ihr Bruder der<em> \u201eSchutzengel\u201c<\/em> der Familie ist und hinter der Geldgeschichte steckt. Sie hat Angst um ihren Bruder, denn dieser ist in letzter Zeit extrem nerv\u00f6s und verschwiegen. Pete und Morris werden sich gegen\u00fcberstehen und eins ist klar, Pete will auf gar keinen Fall dem unberechenbaren und brutalen Morris seinen <em>\u201eSchatz\u201c<\/em> kampflos \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Dramaturgisch genial, unterschwellig sehr brutal und vor allem \u00e4u\u00dferst spannend liest sich dieser Roman von Stephen King \u00fcber die Liebe und Leidenschaft zur Literatur. Immer wieder erz\u00e4hlen die Figuren von ihren Lieblingsgeschichten, aber auch Filmen. Sie entdecken, ob sie zum Schreiben oder eher zum Analysieren der Literatur geschaffen sind. Stephen King l\u00e4sst seine Figuren \u00fcber das Schreiben philosophieren, \u00fcber den Einfluss der Literatur und die Rolle des Autors im Leben bestimmter Menschen.<\/p>\n<p><em>\u201eDass er im Hauptfach Englisch w\u00e4hlen w\u00fcrde, stand au\u00dfer Frage. Teilweise hatte diese Gewissheit mit John Rothstein und den Romanen \u00fcber Jimmy Gold zu tun; soweit Pete wusste, war er der einzige Mensch in Amerika, der die letzten zwei gelesen hatte, und die hatten sein Leben ver\u00e4ndert.\u201c <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephen King: Finderlohn, Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt, Heyne Verlag, M\u00fcnchen 2015, 544 Seiten, \u20ac22,99, 978-3-453-27009-1 \u201e Als Pete j\u00fcnger war, hat er die Notizb\u00fccher lediglich als vergrabenen Schatz betrachtet. Als seinen Schatz. 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