{"id":1727,"date":"2019-06-22T17:16:27","date_gmt":"2019-06-22T15:16:27","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1727"},"modified":"2019-06-22T17:16:27","modified_gmt":"2019-06-22T15:16:27","slug":"affenbruder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/affenbruder\/","title":{"rendered":"Affenbruder"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kenneth Oppel: Affenbruder, Aus dem Englischen von Gerold Anrich und Martina Instinsky-Anrich, Beltz &amp; Gelberg Verlag, Weinheim 2015, 493 Seiten, \u20ac17,95, 978-3-407-81206-3 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEr durfte kein Schimpanse sein. Er musste ein Mensch sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Bens Familie ist extra von einem Ende Kanadas in das andere gezogen, damit Bens Vater als Verhaltenspsychologe sein Projekt verwirklichen kann. Nur die Universit\u00e4t in Victoria finanziert die Idee, einem Schimpansenkind die Zeichensprache beizubringen. Ben, der Ich-Erz\u00e4hler, ist \u00fcber die Ver\u00e4nderungen nicht begeistert.  Allerdings denkt er sich den Namen f\u00fcr das Tierbaby aus, Zan von Tarzan. Bens Mutter k\u00fcmmert sich intensiv um den kleinen Schimpansen, der viel zu fr\u00fch von seiner eigenen Mutter getrennt wurde.<\/p>\n<p>Wie ein menschliches Baby wird das Tier behandelt. Bens Eltern bringen ihm die Zeichen f\u00fcr Mum und Dad bei. Ben jedoch ist unbehaglich bei der Vorstellung, dass er der Affenbruder sein soll. Er ist nicht eifers\u00fcchtig, er sieht den Schimpansen als Schimpansen und nicht als Mensch, der er nun sein soll.<\/p>\n<p>Bens Mutter arbeitet an ihrer Dissertation \u00fcber Fremdpflege und schreibt \u00fcber Zan.<\/p>\n<p>Langsam gew\u00f6hnt sich Ben an den neuen Ort, findet einen Freund und f\u00fchlt sich auch an der neuen Privatschule wohl, sicher auch weil Jennifer, die Tochter vom Chef seines Vaters, in seinem Jahrgang ist. Immer wieder gibt es jedoch Auseinandersetzungen mit Bens Vater, der viel von seinem Sohn erwartet. Aber Ben ist ein lausiger Sch\u00fcler. Ben kann auch nicht verstehen, warum der Vater so wenig Zeit mit Zan verbringt und zu ihm keine Beziehung eingeht. Der Junge jedenfalls schlie\u00dft das Affenkind immer mehr in sein Herz und das Zeichen f\u00fcr Umarmung ist das erste, dass Zan zu Ben macht. Eine kleine Sensation.<\/p>\n<p>Ben und angeheuerte Studenten, u.a. auch Peter, versorgen den kleinen Affen am Tag und versuchen ihm mit Konsequenz Zeichen beizubringen. Aber Zan benimmt sich nicht wie ein Mensch, er sitzt nicht ordentlich am Tisch und isst brav sein Essen.<\/p>\n<p>Er ist mal unruhig, mal verspielt, mal kreischend aufgeregt, mal in sich gekehrt, mal unberechenbar.<\/p>\n<p>Ben versteht langsam, dass Zan f\u00fcr den Vater und auch die Mutter ein Versuchstier ist, das man nicht lieb haben sollte. Doch Ben kann das nicht. Als die Kameras im Haus angebracht werden, um Zan rund um die Uhr zu filmen, sagt er nichts. Als jedoch der sogenannte Lernstuhl angeschafft wird, an den Zan auch gefesselt wird, wenn er nicht spurt, regt Ben sich gemeinsam mit Peter auf. Nach einem Eklat mit einem Studenten, den Zan nach der Tortur auf dem Stuhl gebissen hat, muss Ben mit der Betreuung Zans aufh\u00f6ren. Seine Eltern wollen ihn aus dem Projekt herausnehmen, f\u00fcr das er sogar bezahlt wurde. Ben sei zu emotional und zu sentimental. Der Lernstuhl jedoch wird dem gesamten Projekt schaden. Die F\u00f6rdergelder bleiben aus und Zan entwickelt sich nicht zu dem eifrigen Lerner, den Bens Vater erhoffte.<\/p>\n<p>Als das Projekt nach zwei Jahren eingestellt wird, bleibt die Frage, wohin mit dem Affen. Er solle, da Eigentum der Universit\u00e4t, der Wissenschaft dienen. Ben bef\u00fcrchtet nun, dass Zan, den er mittlerweile wirklich liebt wie einen Bruder, f\u00fcr medizinische Experimente gequ\u00e4lt werden k\u00f6nnte. Die Familie beschlie\u00dft mit Peters Hilfe, ihn nach Nevada an die Universit\u00e4t zu bringen. Hier leben ebenfalls Schimpansen artgerecht in Gefangenschaft. Der Abschied f\u00e4llt Ben schwer. Er sorgt sich um seinen Freund. Als Ben und seine Mutter Zan nach zwei Monaten besuchen, stellen sie fest, dass die Uni drei Affen f\u00fcr medizinische Versuche verkaufen will. Zan als j\u00fcngstes Tier ist dabei. Ben ist emp\u00f6rt, denn die Verabredung war, den Affen leben zu lassen.<\/p>\n<p>Ben und seine Mutter sehen nur eine M\u00f6glichkeit, sie entf\u00fchren Zan und handeln sich mehr als \u00c4rger ein.<\/p>\n<p>Erst soll Zan ein Mensch sein, dann wiederum ein Schimpanse. Er soll klug sein, obwohl er ein Tier ist und er soll funktionieren. Als Zan in seiner Entwicklung retardierte, nicht mehr als vierzig Zeichen lernte und angeblich nicht eigenst\u00e4ndig mit Sprache umgehen konnte, sondern nur imitierte, war Schluss. Ben glaubt, dass sein Vater ihn nicht lieben kann, weil er seinen Erwartungen nicht entspricht.<\/p>\n<p>Thematisch wirft der fl\u00fcssig, spannend und auch witzig geschriebene Roman viele Fragen auf. Er spielt zwar vor gut vierzig Jahren und doch bleiben alle Konflikte zwischen Mensch und Tier aktuell. Wie weit darf die Wissenschaft gehen? Sind Tiere wirklich nur Testexemplare f\u00fcr Experimente? Kommt der Mensch in seinem Wissensdrang ohne Tierexperimente aus?<\/p>\n<p>Kenneth Oppel hat eine ber\u00fchrende Geschichte geschrieben, ohne die wirklichen Konflikte aus dem Auge zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kenneth Oppel: Affenbruder, Aus dem Englischen von Gerold Anrich und Martina Instinsky-Anrich, Beltz &amp; Gelberg Verlag, Weinheim 2015, 493 Seiten, \u20ac17,95, 978-3-407-81206-3 \u201eEr durfte kein Schimpanse sein. Er musste ein Mensch sein.\u201c Bens Familie ist extra von einem Ende Kanadas&#8230; <a class=\"more-link\" href=\"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/affenbruder\/\">Weiterlesen &rarr;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-1727","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jugendbuch"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1727","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1727"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1727\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1954,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1727\/revisions\/1954"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1727"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1727"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1727"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}