{"id":1702,"date":"2019-06-22T17:38:18","date_gmt":"2019-06-22T15:38:18","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1702"},"modified":"2019-06-22T17:38:18","modified_gmt":"2019-06-22T15:38:18","slug":"das-menschliche-gleichgewicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-menschliche-gleichgewicht\/","title":{"rendered":"Das menschliche Gleichgewicht"},"content":{"rendered":"<p><strong>Margit Schreiner: Das menschliche Gleichgewicht, Sch\u00f6ffling &amp; Co. Verlag, K\u00f6ln 2015, 240 Seiten, \u20ac19,95, 978-3-89561-280-0<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e In jedem Paradies steckt immer schon der Schrecken.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Vier Wochen im September auf einer einsamen Insel ohne Storm, ohne flie\u00dfendes Wasser einfach nur die Seele baumeln lassen, das erhoffen sich die \u00f6sterreichische Erz\u00e4hlerin, eine Schriftstellerin, ihr Mann und die gemeinsamen Freunde. Logistisch muss vieles vorbereitet werden, denn die kleine kroatische zerkl\u00fcftete Insel ist gut drei Stunden Bootsfahrt von der Zivilisation entfernt.<\/p>\n<p>Endlich in aller Ruhe schreiben, das erhofft sich die Autorin von der Zeit. Keine Kinder reisen mit, die bespielt werden wollen und dann, wie aus heiterem Himmel steht die 20-j\u00e4hrige Sarah mit ihrem Hund Habibi vor der T\u00fcr und bittet um Unterkunft. Die Erz\u00e4hlerin kennt Sarah seit sie ein Kind ist, denn sie war mit ihrer Mutter Marieluise bekannt. Marieluise ist mit ihrem Mann Jakob jedoch vor Jahren nach Israel ausgewandert und sie wurden dort vor f\u00fcnf Jahren ermordet. Die Erz\u00e4hlerin hatte geschrieben, aber nie eine Antwort erhalten. Auch Sarahs Halbbruder Daniel ist tot und ihr Bruder Noah hat sich das Leben in Israel vor gut sieben Monaten genommen. Die Erz\u00e4hlerin kann diese junge Frau nicht einfach auf die Zeit nach dem Urlaub vertr\u00f6sten, sie nimmt sie mit. Josefine, die Freundin und Psychologin, zweifelt, ob das eine gute Idee ist, diese junge Frau mit ihren Traumata auf eine einsame Insel zu verfrachten. Medikamente werden gehortet.<\/p>\n<p>Die Reise beginnt und dabei sind au\u00dfer der Erz\u00e4hlerin, ihrem Mann Bruno, Sarah, Josefine, noch ihr Mann Willi und die jungen Frauen Maya und Filippa, die sich gleich zu Sarah hingezogen f\u00fchlen.<br \/>\nDie Insel jedoch bietet mit ihren zwei Fischerh\u00fctten kaum Ausweichm\u00f6glichkeiten. Wieder muss die Erz\u00e4hlerin auf ihren ruhigen Schreibplatz verzichten, denn dort wohnt nun Sarah. Zwischen dem Meer mit all seinen Schattierungen, den wild wachsenden Kr\u00e4utern wie Rosmarin, Thymian oder Salbei gelangt der Erz\u00e4hlerin jedoch keine Entspannung. Sie wird von den Erinnerungen an Sarahs Eltern eingeholt, an die Zeit in Hamburg und Berlin.<\/p>\n<p>Sarah, das sp\u00fcren die anderen, trauert um ihren Bruder, mit dem sie eigentlich in Berlin neu anfangen wollte. Er, der Astronom werden wollte, hat sich, nachdem er Sarah eine SMS geschickt hat, von einem Observatorium gest\u00fcrzt.<br \/>\nSarahs Gem\u00fctsschwankungen beeinflussen die kleine Gruppe. Und dann legt Sarah ihr Krankentagebuch der Erz\u00e4hlerin aufs Bett. Sie beginnt zu lesen und erf\u00e4hrt, dass das M\u00e4dchen nach seinem f\u00fcnfzehnten Lebensjahr, der Zeit als die Morde geschahen, mehrmals versucht hatte, sich umzubringen. In der Psychiatrie sucht sie nach der richtigen Therapie. Klar wird auch, wer die Eltern ermordet hat. Es war Daniel, einer der drogenabh\u00e4ngigen S\u00f6hne Jakobs aus erster Ehe. Seltsam kalt und selbstkontrolliert erinnert die Erz\u00e4hlerin das Paar Marieluise und Jakob. Er hasst die Deutschen und benimmt sich aber preu\u00dfischer als jeder Deutscher. Auch Marieluise ist die Intellektuelle, die keine Gef\u00fchle den Kindern zeigt und mit ihren Phobien k\u00e4mpft. Es muss sehr viel Streit in Israel gegeben haben, zumal Jakob immer religi\u00f6ser wurde und Marieluise sogar konvertierte. Bei ihrem letzten Telefonat mit der Erz\u00e4hlerin berichtet sie, das sie nach Deutschland zur\u00fcckkehren will.<\/p>\n<p>Einerseits erz\u00e4hlt die gut Sechzigj\u00e4hrige nun vom Inselleben und seinen Bewohnern und sie zitiert aus dem Tagebuch Sarahs. Es wird viel getrunken und die Emotionen kochen ab und zu hoch, wenn einer glaubt, er m\u00fcsse mehr tun als die anderen. Alles ger\u00e4t zwischen den Personen zeitweilig aus dem Gleichgewicht, denn die Urlaubsharmonie stellt sich nicht so richtig ein. Bruno offenbart, dass er so gar nicht am Zusammensein interessiert ist. Josefine kritisiert, dass die Erz\u00e4hlerin Sarah zu nah kommt und Distanz suchen sollte.<\/p>\n<p>Als Sarah dann auf Abstand geht, entstehen neue Konflikte.<\/p>\n<p>Margit Schreiner erz\u00e4hlt ihre doppelb\u00f6dige Geschichte in eleganten und weich schwingenden Satzkonstruktionen. Sie beschreibt die unglaublich beeindruckende zeitlose Inselnatur und setzt die menschliche Trag\u00f6die dazu ins Verh\u00e4ltnis. Die Erz\u00e4hlerin f\u00fchlt sich durch Sarahs Geschichte herausgefordert. Aber will Sarah das \u00fcberhaupt? Letztendlich ist Sarahs Tagebuch genau der Erz\u00e4hlstoff, den die Schreibende ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p><em>\u201eMein einziges Talent war von jeher das Erkennen von Mustern im Allt\u00e4glichen, die Kaffeeflecken auf der wei\u00dfen Sonntagstischdecke und die Milchk\u00e4nnchen und Zuckerdose, die meine Mutter daraufgestellt hatte, um sie zu verdecken.\u201c <\/em><br \/>\n(<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Margit Schreiner: Das menschliche Gleichgewicht, Sch\u00f6ffling &amp; Co. 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