{"id":1677,"date":"2019-06-22T17:28:43","date_gmt":"2019-06-22T15:28:43","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1677"},"modified":"2019-06-22T17:28:43","modified_gmt":"2019-06-22T15:28:43","slug":"liebten-wir","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/liebten-wir\/","title":{"rendered":"Liebten wir"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nina Blazon: Liebten wir, Ullstein Verlag, Berlin 2015, 560 Seiten, \u20ac9,99, 978-3-5482-8577-1 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMenschen haben Geheimnisse. Ausgerechnet Aino sollte das wissen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Ein ungleiches Paar begibt sich auf den Weg nach Helsinki, Moira, die junge Fotografin, die nach den griechischen Schicksalsg\u00f6ttinnen benannt wurde und Aino, eine gebrechliche grimmige alte Frau im Rollstuhl. Dabei kennen die beiden sich gar nicht. Moira, auch Mo genannt, lebt seit kurzem mit Leo, dem Enkel der Alten zusammen und beide sehen sich zum ersten Mal auf der Geburtstagsfeier von Leos Vater Michael. Mo liebt Familienkonstellationen. Sie fotografiert allzu gern Hochzeiten, um in ihren Bildern innige Beziehungen wie abgrundtiefen Hass zwischen Familienmitgliedern dezent festzuhalten. Sie hat einfach einen Blick f\u00fcr Unausgesprochenes. Auch in ihrer Familie schwelgen diese Konflikte seit Jahren. So hat sie ein gespanntes Verh\u00e4ltnis zu ihrer Schwester Danae und zu ihrem Vater, der wieder eine neue Frau und neuerdings auch ein Kind mit ihr hat. Als Leo Mo bittet ihn zur Familienfeier mitzunehmen, will er auch zu gern Danae kennenlernen. Er ahnt nicht, wie sehr ihn diese Schwester, die als Anw\u00e4ltin Autorit\u00e4t und als Frau Attraktivit\u00e4t ausstrahlt, beeindrucken wird. Als Mo bemerkt, das Leo Danae gek\u00fcsst hat, haut sich ab. Im Schlepptau die offensichtlich verwirrte alte Aino versucht Mo diese loszuwerden, aber Aino zwingt Mo sie nach Norden zu fahren. Mit geklautem Geld und der Polizei im Nacken gehen die beiden auf die F\u00e4hre nach Finnland und ein Abenteuer beginnt.<\/p>\n<p>Bevor dies alles geschieht, hatte Mo einen Brief erhalten. Sie soll einen Karton von einer unbekannten Frau abholen. Dieser Karton ist von Suzana, der Frau, die Mo mit Schl\u00e4gen und Geh\u00e4ssigkeiten aufgezogen hat. Mos immer abwesender Vater hatte ihr die Hochzeit versprochen, aber nie eingel\u00f6st. Danae war l\u00e4ngst im Internat und verfolgte ihre eigenen Wege. Suzana ist verstorben und \u00fcbt auf ihre Weise im Nachhinein noch Rache. Das ahnt Mo.<\/p>\n<p>Familie, um dieses heikle Thema, kreist Nina Blazons Roman. Die Autorin hat sich einen Namen mit ihrer fantastischen Literatur f\u00fcr jugendliche Leser gemacht. Nun legt sie eine spannende Handlung, aus der Sicht von Mo erz\u00e4hlt, vor, in der es um gegenw\u00e4rtige wie l\u00e4ngst vergangene und doch immer noch aufw\u00fchlende Geschichten geht.<\/p>\n<p>Aino, eine unberechenbare, mal zug\u00e4ngliche dann wieder abweisende Person, hat ein Aquarell ihrer damaligen Freundin Matilda entdeckt. Als dieses Bild entstand, so glaubte, Aino, sei Matilda bereits tot. Das hatte die Familie so weitergegeben. Als die beiden Frauen sich kennenlernten wurde Helsinki unter Beschuss genommen und die 14-j\u00e4hrige Aino rettete einem M\u00e4dchen das Leben. Matilda bewunderte sie daf\u00fcr und das Arbeiterkind Aino und die aus wohlhabenden Haus stammende Matilda, die in Paris Malerin werden wollte, wurden Freundinnen. Und doch hat Matilda Aino etwas verschwiegen. Warum und was damals geschehen ist, das will Aino, die ahnt, dass sie nicht mehr lang zu leben hat, herausfinden. Und sie will, das erkennt Mo allerdings zu sp\u00e4t, sich r\u00e4chen.<\/p>\n<p>Beharrlich verfolgt Aino die Spur des Bildes und gelangt an ihr Ziel. Sie lernen Aarto kennen, einen Verwandten von Matilda, der ohne es zu ahnen ihre Hinterlassenschaften von seinem Vater in seiner Wohnung aufbewahrt. Aino quartiert sich und Mo bei ihm ein und die Suche nach der Vergangenheit kann beginnen.<br \/>\nAuch Aarto verweigert jeglichen Familiensinn und br\u00fcskiert Mo damit, die sich doch immer ein intaktes Familienleben gew\u00fcnscht hat. Sie, die immer einsam und ein sogenannter Freak war, hat sich sogar bei einer Familie als Kind einquartiert, sogar das Familienalbum gestohlen, um sich per Foto im Kreis ihrer Wunschfamilie zu verewigen.<\/p>\n<p>Nina Blazon taucht tief in die Strukturen verschiedener Familien ein, ob es nun die Leons ist oder die zerr\u00fcttete von Mo. Die Autorin neigt etwas zur Melodramatik und f\u00e4ngt doch alles wieder durch ihre \u00fcberzeugend konstruierte Geschichte auf. Jede Figur gewinnt bei Nina Blazon individuelle Gestalt, am st\u00e4rksten jedoch sind die Frauen, die sich auf ihre Weise im Leben behaupten m\u00fcssen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nina Blazon: Liebten wir, Ullstein Verlag, Berlin 2015, 560 Seiten, \u20ac9,99, 978-3-5482-8577-1 \u201eMenschen haben Geheimnisse. 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