{"id":1636,"date":"2019-06-22T20:11:12","date_gmt":"2019-06-22T18:11:12","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1636"},"modified":"2019-06-22T20:11:12","modified_gmt":"2019-06-22T18:11:12","slug":"die-kreuzfahrt-mit-der-asche-meines-verdammten-vaters","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/die-kreuzfahrt-mit-der-asche-meines-verdammten-vaters\/","title":{"rendered":"Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters"},"content":{"rendered":"<p><strong>Thorsten Nesch: Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters, Rowohlt Taschenbuch Verlag, rotfuchs, Reinbek 2015, 333 Seiten, \u20ac9,99, 978-3-499-21699-2<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDoch ich hatte mir nie den Tod meines leiblichen Vaters vorgestellt. Rocco. Wozu auch? Sein Tod h\u00e4tte keinen Effekt auf mich und mein Leben, nichts w\u00e4re unverr\u00fcckbar anders danach, lediglich mein leiblicher Vater w\u00fcrde irgendwo umkippen wie ein Sack Reis in China, und die Welt w\u00fcrde sich normal weiterdrehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das ist schon eine verr\u00fcckte Geschichte, die der 17-j\u00e4hrige J\u00f6rn erleben wird. Eigentlich wollte er in den Ferien mit einem Kumpel nach Holland radeln, aber dann steht pl\u00f6tzlich ein Fremder vor der T\u00fcr und alles kommt ganz anders. Allerdings hat der Kumpel auch abgesagt und J\u00f6rn verlockt vielleicht doch das Angebot des Fremden, mit einem Kreuzfahrtschiff allein im Mittelmeer auf Reisen zu gehen.<br \/>\nDer Haken an der ganzen Sache, J\u00f6rn soll w\u00e4hrend der Fahrt in Viaggio unter einem Olivenbaum die Asche seines Vaters Rocco begraben. Zum einen sind solche Aktionen eindeutig illegal, zum anderen hat J\u00f6rn diesen Vater nie gesehen, nie gesprochen, nie eine Karte von ihm bekommen und Unterhalt gezahlt hat <em>\u201edas Kriechtier\u201c,<\/em> wie die Mutter ihn nannte, auch nicht.<br \/>\nRocco spielte also nie in J\u00f6rns Leben eine Rolle und sein Tod kann ihm somit nicht nahe gehen. J\u00f6rns Mutter, so scheint es, hat nicht viel Gl\u00fcck mit M\u00e4nnern. Immerhin hat J\u00f6rn zwei Geschwister und alle Kinder sind von unterschiedlichen M\u00e4nnern. J\u00f6rn h\u00e4ngt nun zwischen den Seilen, zum einen h\u00e4tte er die zehn Tage Zeit, zum anderen wartet er, und hier w\u00e4re eine Abwechslung wirklich angesagt, auf die Zusage der Bundeswehr f\u00fcr einen Ausbildungsplatz als Mechatroniker.<\/p>\n<p>Aber gut, die Reise ist mit allem Drum und Dran gebucht und ein Taschengeld ist auch noch dabei und zehn Briefe, die der Vater an den unbekannten Sohn geschrieben hat. J\u00f6rns Mutter hat nicht viel Geld und Rocco, der offenbar auch immer pleite war, hat diese Schifffahrt, die f\u00fcr ihn gedacht war, nun seinem Sohn \u00fcberschrieben.<br \/>\nJ\u00f6rn setzt sich in den Flieger und besteigt das Kreuzfahrtschiff. In seinem Gep\u00e4ck befindet sich ein Rainmaker, ein Effektinstrument, in dem die Asche des Vaters deponiert ist. Da dieser Rainmaker wie eine Schlagstock aussieht, hat J\u00f6rn immer wieder Schwierigkeiten mit der Security.<\/p>\n<p>Barcelona, Neapel, Korsika und Monaco stehen auf dem Reiseplan und kaum an Bord, lernt J\u00f6rn auch gleich Elizabeth, ein absolut attraktives M\u00e4dchen mit ziemlich reichen Eltern, kennen.<\/p>\n<p>In einer Achterbahn der Gef\u00fchle durchlebt J\u00f6rn nun die erholsamen, sonnigen Tage an Bord. Wie sein Vater, den die See offenbar magisch angezogen hat, wird er auch bei Sturm nicht seekrank und einer der Barkeeper, Carlos, erkennt J\u00f6rn sogar als Roccos Sohn, denn es muss eine unverkennbare \u00c4hnlichkeit bestehen. Aber J\u00f6rn hat wenig Lust sich auf den Vater und seine sp\u00e4ten Bekenntnisse in den Briefen einzulassen. Zu tief sitzt der Schmerz \u00fcber seine Abwesenheit und sein offenbares Desinteresse am Sohn. Es kann ihn nicht ber\u00fchren, dass der Vater nun schreibt, dass er ihn immer geliebt hat.<\/p>\n<p>Mit Elizabeth zusammen erobert J\u00f6rn Barcelona und bemerkt wie schnell er sich in dieses M\u00e4dchen verlieben k\u00f6nnte. So viel Gl\u00fcck hatte er an seiner alten Schule kaum. Als Elizabeth allerdings einen Brief von Rocco \u00fcber Bord gehen l\u00e4sst, sie wei\u00df ja nicht, welche Bedeutung diese Zeilen f\u00fcr J\u00f6rn haben, entsteht eine erste richtige Unstimmigkeit zwischen den beiden. Vorsichtig versucht J\u00f6rn alles herunterzuspielen. Als Carlos ihn dann erkennt, erf\u00e4hrt Elizabeth vom toten Vater, den Briefen und letztendlich auch von der Asche.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Elizabeth wird J\u00f6rn dann auch nach Viaggio reisen und nach einigen Querelen, die Asche seines Vaters begraben. Und er wird in dem kleinen Ort jemanden kennenlernen, von dem ihm ebenfalls niemand erz\u00e4hlt hatte.<\/p>\n<p>In gewisser Weise st\u00fcrzt diese Reise J\u00f6rn in eine Krise und \u00e4u\u00dferst dramatische Momente, auch wenn er versucht, alle Gef\u00fchle weit von sich zu weisen. Kann er den ersten Brief seines Vaters nur mit sarkastischen Kommentaren lesen, so setzt sich doch auch durch die Reise und die Gespr\u00e4che \u00fcber Rocco mit ehemaligen Freunden ein Bild zusammen, das nicht unbedingt negativ ist. Als J\u00f6rn dann jedoch mit seiner Mutter telefoniert und von ihr die ganze Wahrheit \u00fcber die damalige Trennung wissen will, kippt dieser Eindruck wieder.<\/p>\n<p>Thorsten Nesch, und das ist das wunderbare an diesem temporeich geschriebenen Jugendroman, gleitet nie ins Sentimentale ab. Er bleibt ganz nah an seinem sympathischen Protagonisten, der sich zum ersten Mal so richtig verliebt und gleichzeitig Entscheidungen treffen muss, die ihn fast aus der Bahn werfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thorsten Nesch: Die Kreuzfahrt mit der Asche meines verdammten Vaters, Rowohlt Taschenbuch Verlag, rotfuchs, Reinbek 2015, 333 Seiten, \u20ac9,99, 978-3-499-21699-2 \u201eDoch ich hatte mir nie den Tod meines leiblichen Vaters vorgestellt. Rocco. Wozu auch? 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