{"id":1627,"date":"2019-06-22T20:11:50","date_gmt":"2019-06-22T18:11:50","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1627"},"modified":"2019-06-22T20:11:50","modified_gmt":"2019-06-22T18:11:50","slug":"makarionissi-oder-die-insel-der-seligen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/makarionissi-oder-die-insel-der-seligen\/","title":{"rendered":"Makarionissi oder Die Insel der Seligen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen, Verlag Kiepenheuer und Witsch, K\u00f6ln 2015, 464 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-462-04742-4 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eSelbst in den gr\u00f6\u00dften Krisen hatten sie das Grundvertrauen geteilt, stets ein wichtiger Mensch im Leben des anderen zu sein. Doch nun sahen sie sich an und stellten wortlos fest, dass nichts mehr war wie fr\u00fcher. Lefti war kein Teil mehr von Elenis Leben, und Eleni war kein Teil mehr von Lefits.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Hoch in den Bergen an der griechisch-albanischen Grenze liegt Varitsi, ein Dorf in dem noch die jahrhundertealten Regeln gelten. Vom Aberglauben beeinflusst sieht Gro\u00dfmutter Maria die Zeichen falsch und forciert einen Komplott, der zwei Menschen nicht gl\u00fccklich machen wird. Cousin und Cousine, Lefti und Eleni, werden gezeugt, um sp\u00e4ter zu heiraten und das Erbe sichern. Als Kinder eng verbunden trennen sich ihre Wege als Lefti mit zw\u00f6lf Jahren Freiheiten erh\u00e4lt, die die j\u00fcngere Eleni nie haben wird. Sie kassiert f\u00fcr ihr Temperament und ihren Gerechtigkeitssinn eher Ohrfeigen. Schon fr\u00fch schreit Eleni allen, die es h\u00f6ren wollen in die Ohren, dass sie Lefti nie heiraten w\u00fcrde. Sie will eine Amazone sein, eine Heldin wie in den Geschichten der Gro\u00dfmutter. Lefti jedoch f\u00fcgt sich allem, was die Familie von ihm erwartet. Als die Milit\u00e4rdiktatur Griechenland beherrscht landet Eleni f\u00fcr ihre linke Gesinnung sogar im Gef\u00e4ngnis. Sie ahnt, sie kann ihrer Herkunft nur entfliehen und frei leben, wenn sie Lefti heiratet und mit ihm nach Deutschland geht.<\/p>\n<p>Die Lebenswege und Gl\u00fcckserwartungen dieser zwei so unterschiedlichen Menschen verfolgt die \u00f6sterreichische Autorin Vea Kaiser bis in unsere Gegenwart. Immer die Perspektiven wechselnd erz\u00e4hlt sie atmosph\u00e4risch dicht und vor allem sehr nah an ihren Figuren.<\/p>\n<p>Wird die Welt f\u00fcr Lefti und Eleni immer gr\u00f6\u00dfer, so verkleinert sich ihr Dorf. Lefti ahnt, dass er eigentlich nie mehr zur\u00fcckkehren m\u00f6chte. Das junge Paar, das sich wenig zu sagen hat, landet nun in Hildesheim, weil Lefti einen Arbeitsvertrag in der Gummifabrik unterschrieben hat. Eleni kann das <em>\u201eNein\u201c <\/em>der Deutschen, das sehr oft zu h\u00f6ren ist, zu Beginn nicht verstehen, aber mit der Zeit ist sie auch gegen alles, gegen Atomkraft, gegen die Diktatur. Sie engagiert sich bei Griechen e.V.. Lefti dagegen hat sich gegen die Politik entschieden, denn die Querelen der Kommunisten und der K\u00f6nigstreuen in seinem Dorf sind ihm noch gut in Erinnerung.<\/p>\n<p>Eleni verliebt sich in einen Deutschen, den Musiker Otto aus Bayern und Lefti findet seine gro\u00dfe Liebe in Trudi, seiner Deutschlehrerin. Als Eleni jedoch von Otto schwanger wird, will er das Kind nicht. Gegen alle Vorbehalte kehrt Eleni in ihr Dorf zur\u00fcck, um ihr Kind in einer bitterkalten Nacht zu geb\u00e4ren. Sie behauptet vor den Familien, dass es Leftis Kind sei und er sie verlassen habe. Daraufhin l\u00f6st sich die Familie von Lefti, eine Entscheidung, die ihn hart trifft.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst geschieden, Eleni hat ihre Tochter Aspas\u00eda bei der Mutter gelassen, geht Lefti mit Trudi nach St. P\u00f6lten, ihrem Heimatort. Hier hat sie ein Haus geerbt und beide er\u00f6ffnen ein griechisches Restaurant.<\/p>\n<p>Als Eleni bereits drei Jahre in Chicago lebt und langsam versteht, dass sie nichts in ihrem Leben erreicht hat, heiratet sie einen in den USA reich gewordenen Griechen im Alter ihres Vaters, Milton. Sie will endlich mit ihrer Tochter zusammenleben. Milton liebt Aspas\u00eda vom ersten Augenblick an. Er entschlie\u00dft sich mit Frau und Kind auf seine Heimatinsel Makarionissi zur\u00fcckzukehren, dort ein Hotel zu bauen und alt zu werden. Eleni holt mit ihrer Energie aus den M\u00e4nnern, mit denen sie lebt, immer das Beste heraus. Otto hat sie zu guten Texten inspiriert und Milton zum F\u00fchren eines gut laufenden Hotels. Auf der Insel jedoch genie\u00dft Eleni einen seltsamen Ruf. Sie steht f\u00fcr die Moderne. Sie sorgt daf\u00fcr, dass ein ordentlicher Lohn gezahlt wird, energiesparend gebaut wird, die M\u00fclltrennung ist ihr wichtig und sie k\u00e4mpft gegen den Aberglauben. Als Milton zu fr\u00fch an Herzversagen stirbt, finden Eleni und Aspas\u00eda keinen Weg der Verst\u00e4ndigung. Aspas\u00eda wird minderj\u00e4hrig schwanger und bekommt Zwillinge. Die Jungen sind der Augenstern der Gro\u00dfmutter. Einen wird es auf seinem Weg in die Schweiz weit fort von der Familie ziehen. Auch hier hat die kluge wie sture Eleni ihre Finger im Spiel.<\/p>\n<p>Vea Kaiser ist eine sprachlich ausufernde und doch konzentrierte Erz\u00e4hlerin, die ihre Romanhandlung \u00fcber mehrere Generationen hinweg zwischen Tradition und Moderne konzipiert hat. Sie h\u00e4lt alle F\u00e4den in der Hand und verkn\u00fcpft sie geschickt und klug. Als Leser taucht man tief zwischen Ernsthaftigkeit aber auch Situationskomik in die Mentalit\u00e4ten und Rollenvorstellungen der griechischen und griechisch-deutschen Familien ein, in die K\u00e4mpfe, Streitereien und vor allem auch Vers\u00f6hnungen. Aufgebaut wie der Gesang der Ilias erz\u00e4hlt die Autorin von den Irrfahrten ihrer Helden, den H\u00f6hepunkten und Niederlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vea Kaiser: Makarionissi oder Die Insel der Seligen, Verlag Kiepenheuer und Witsch, K\u00f6ln 2015, 464 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-462-04742-4 \u201eSelbst in den gr\u00f6\u00dften Krisen hatten sie das Grundvertrauen geteilt, stets ein wichtiger Mensch im Leben des anderen zu sein. 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