{"id":1615,"date":"2019-06-22T20:15:43","date_gmt":"2019-06-22T18:15:43","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1615"},"modified":"2019-06-22T20:15:43","modified_gmt":"2019-06-22T18:15:43","slug":"das-echo-der-verlorenen-dinge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/das-echo-der-verlorenen-dinge\/","title":{"rendered":"Das Echo der verlorenen Dinge"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anita Shreve: Das Echo der verlorenen Dinge, Aus dem Englischen von Mechthild Sandberg, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2015, 304 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-492-05654-0<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eNein. Nichts mehr ist normal. Wie sollte es das auch sein? Ich wei\u00df immer noch nicht, wer ich bin. Und wenn ich es erfahre, entdecke ich vielleicht, dass ich \u00fcberhaupt kein guter Mensch bin. Davor f\u00fcrchte ich mich. Ich m\u00f6chte wissen, wer ich bin, und habe Angst davor, es zu erfahren. Aber noch mehr Angst habe ich davor, es nie zu erfahren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach einer schweren Verletzung an den F\u00fc\u00dfen durch Granatsplitter wacht eine Frau, die offensichtlich Sanit\u00e4tsschwester ist, im Krankenhaus von Marne 1916 auf. Nach und nach glaubt die Amerikanerin, sich an Dinge erinnern zu k\u00f6nnen. Sie meint, dass ihr Name Stella Bain sei. Sie wei\u00df, sie kann einen Milit\u00e4rwagen fahren und sie kann wunderbar zeichnen. Warum sie all diese F\u00e4higkeiten besitzt, kann sie sich nicht erkl\u00e4ren. Unsicherheit begleitet ihre schwere Zeit im Kriegsgebiet. Sie leidet unter zeitweiliger Taubheit, Beinschmerzen und Ged\u00e4chtnisausf\u00e4llen. Irgendetwas hat ihr gesagt, sie m\u00fcsse nach London in die Admiralit\u00e4t. Sie irrt durch die Stadt und h\u00e4tte Lily Bridge Stella nicht auf der Stra\u00dfe entdeckt, wer wei\u00df, was geschehen w\u00e4re.<br \/>\nSie nimmt sie im Haus auf und rettet ihr das Leben, denn Stella erkrankt schwer. Lilys Ehemann ist Psychologe und Neurologe, er ahnt, dass mit Stella etwas nicht stimmen kann. Alle Symptome weisen auf eine Hysterie hin, die er in einer Gespr\u00e4chstherapie mit ihr und ihren Zeichnungen, die sie selbst nicht deuten kann, eruieren will. Immer wieder geht er mit ihr in die Admiralit\u00e4t, in der Hoffnung jemand erkennt Stella. Schlagartig kehren die Erinnerungen bei Stella ein. Als sie erkannt wird, wei\u00df sie wieder, das sie Etna Bliss hei\u00dft und Kinder hat.<\/p>\n<p>Langsam bl\u00e4ttert Anita Shreve dieses ungew\u00f6hnliche Frauenleben auf. Mit den Erinnerungen tauchen auch die dramatischen Szenen aus Etnas Privatleben auf, ihre ungl\u00fcckliche Ehe mit Nicholas Van Tassel, die Vergewaltigung, die Bilder ihrer Kinder Clara und Nicky und die Begegnung mit Phillip Asher, dem Etnas Mann so viel Leid angetan hat. Etna ist Phillip in den Krieg gefolgt, um etwas gutzumachen. Sie hat ihre Kinder in New Hampshire verlassen und nun muss sie um sie k\u00e4mpfen. Ein Sorgerechtsprozess soll ihr zumindest den Kontakt zum jetzt neunj\u00e4hrigen Nicky, den der Vater in ein Internat gesteckt hat und sich kaum k\u00fcmmert, regeln. Clara wird demn\u00e4chst achtzehn Jahre und kann selbst entscheiden, wie sich der Kontakt zur Mutter, nach dem Zerw\u00fcrfnis mit dem Vater, gestalten soll. Aber Etnas Chancen stehen schlecht.<\/p>\n<p>Geschickt verbindet die amerikanische Autorin die Leiden des ersten Weltkrieges mit einem Frauenschicksal, das bei allen Beschreibungen der uns\u00e4glichen Schmerzen, die die Armeeangeh\u00f6rigen erleiden mussten, einem nahe geht. Etna f\u00fchlt eine moralische Verpflichtung und wird f\u00fcr ihr positives Handeln schwer bestraft. Ihr Leben wird von den Kriegsverletzungen beeinflusst und sie verliert den Prozess. Sie wird nach London zu Dr. Bridge zur\u00fcckkehren und ihre Gespr\u00e4chstherapie vorzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Anita Shreve best\u00e4tigt auch in ihrem neuen Roman ihren Ruf als routinierte Erz\u00e4hlerin. Sie geht nicht psychologisch in die Tiefe und das muss sie auch nicht, denn ihr Buch liest sich ohne oberfl\u00e4chlich zu sein mit den schnellen Handlungsverl\u00e4ufen, Ortswechseln und dramaturgischen Wendungen \u00e4u\u00dferst unterhaltsam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anita Shreve: Das Echo der verlorenen Dinge, Aus dem Englischen von Mechthild Sandberg, Piper Verlag, M\u00fcnchen 2015, 304 Seiten, \u20ac19,99, 978-3-492-05654-0 \u201eNein. Nichts mehr ist normal. Wie sollte es das auch sein? 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