{"id":1566,"date":"2019-06-23T04:16:13","date_gmt":"2019-06-23T02:16:13","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1566"},"modified":"2019-06-23T04:16:13","modified_gmt":"2019-06-23T02:16:13","slug":"papierfliegerworte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/papierfliegerworte\/","title":{"rendered":"Papierfliegerworte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dawn O&#8217;Porter: Papierfliegerworte, Aus dem Englischen von Martina Tichy, Carlsen Verlag, Hamburg 2015, 288 Seiten, \u20ac16,99, 978-3-551-58321-5 <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIhr Kummer macht meinen irgendwie weniger isoliert, l\u00e4sst mich weniger denken, dass nur f\u00fcr mich die Welt untergeht. Sally kennt keinen Kummer und deswegen auch kein Mitleid, und M\u00e4dchen wie Carla und Gem haben keine Ahnung, wie es ist, wenn Familien zerbrechen. Ren\u00e9e und ich schon. Wir wissen beide, wie es sich anf\u00fchlt, wenn das Schlimmste passiert, was man sich nur vorstellen kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>1994: Noch leben die Jugendlichen auf der Kanalinsel Guernsey ohne Smartphone,  tausende Freunde auf Facebook oder andere soziale Netzwerke. Florence, kurz Flo genannt, Ren\u00e9e, Sally, Gem und Carla konzentrieren sich in ihrem zehnten Schuljahr an der M\u00e4dchenschule Tudor Falls auf die Pr\u00fcfungen am Ende des Jahres. Erz\u00e4hlt wird die Geschichte der M\u00e4dchen aus zwei Erz\u00e4hlpositionen, aus der Sicht von Flo und Ren\u00e9e.<\/p>\n<p>Flo ist eher ein zur\u00fcckhaltendes M\u00e4dchen, sie k\u00fcmmert sich Zuhause liebevoll um ihre vierj\u00e4hrige Schwester Abi, ertr\u00e4gt die Missachtung des \u00e4lteren Bruders Julian und der Mutter, die nun wieder arbeiten gehen muss, da sie sich von ihrem Mann getrennt hat. Dieser vegetiert in einem kleinen H\u00e4uschen so vor sich hin, hat sich irgendwie aufgegeben, trinkt zu viel und ist sich der Liebe seiner Tochter aber sicher. Flo ist in der Schule mit der herrschs\u00fcchtigen und unsensiblen Sally befreundet.<\/p>\n<p><em>\u201eBeste Freundinnen sein\u201c<\/em> gibt den 15-j\u00e4hrigen M\u00e4dchen Sicherheit und eine gewisse Stellung innerhalb der Klasse. Ren\u00e9e ergeht es da ganz anders, denn sie ist eher der aufm\u00fcpfige Klassenclown ohne eine wirkliche Freundin. Sie hat vor sieben Jahren ihre Mutter verloren und wohnt nun mit ihrer j\u00fcngeren Schwester Nell bei ihren Gro\u00dfeltern, Nana und Pop, die nicht erkennen, wie schlecht es den beiden Enkelinnen geht. Pop traktiert die M\u00e4dchen mit seinen Launen und Nana schafft es nicht, ein ordentliches Essen zu kochen. Nie wird \u00fcber die Mutter geredet und schon gar nicht \u00fcber den Vater, der nun mit einer neuen Familie in Spanien lebt. Ren\u00e9e und Flo fehlt es an W\u00e4rme, an Zuneigung oder Wertsch\u00e4tzung. Sie werden herumkommandiert, angefeindet, haben wenig Geld und k\u00f6nnen sich selbst nicht entfalten. Ren\u00e9e futtert pausenlos Pommes oder Chips, Flo dagegen fl\u00fcchtet in die B\u00fccher und hofft, durch einen guten Abschluss endlich das Elternhaus verlassen zu k\u00f6nnen. Wenn Partys sind dann lassen sich die M\u00e4dchen gnadenlos volllaufen, obwohl sie nichts vertragen. Auf der Fete von Gem und Carla hilft Ren\u00e9e der v\u00f6llig zugedr\u00f6hnten Flo auf die Beine und bringt sie nach Hause ins Bett. Sally k\u00fcmmert sich nie um die sogenannte Freundin, dabei l\u00e4sst sie keine Gelegenheit vergehen, um mit dem gutaussehenden, aber oberfl\u00e4chlichen Julian zu sprechen. Ren\u00e9e lernt ihn nun bei Flo kennen und verliebt sich wie alle M\u00e4dchen in ihn.<\/p>\n<p>Als Flos Vater pl\u00f6tzlich an einem Herzinfakt stirbt, bricht f\u00fcr das empfindliche M\u00e4dchen eine Welt zusammen. Sally ist mit ihren dummen Spr\u00fcchen keine Hilfe, nur  Ren\u00e9e kann nachempfinden, was in Flo vor sich geht. Immer wieder schreiben sich die M\u00e4dchen kleine Zettel, Papierflieger. Flo und Ren\u00e9e, die auch zur Beerdigung geht, kommen sich langsam n\u00e4her. Allerdings darf die b\u00f6sartige Sally nichts von dieser Beziehung wissen, denn sie w\u00fcrde auf ihrer Alleinstellung beharren und Flo das Leben und den Schulalltag noch schwerer machen. In der Freundschaft finden die beiden M\u00e4dchen das Vertrauen und die N\u00e4he, die sie ben\u00f6tigen. Sie k\u00f6nnen \u00fcber alles reden, \u00fcber ihre Probleme zu Hause, die Schule, Jungs und Sex. Ren\u00e9e jedoch pocht auf Ehrlichkeit und fordert Flo auf, sich endlich zu ihr zu bekennen.<br \/>\nAls Ren\u00e9e Flo zu Hause besucht und diese mit Sally im Kino ist, trifft sie auf Julian und l\u00e4sst sich mit ihm intim ein. Allerdings versteht sie nicht, dass Julian nie etwas wirklich von ihr wollte. Ren\u00e9e zieht sich zur\u00fcck und beginnt auch Flo zu ignorieren, die Sally nun endlich die Meinung gesagt hat.<\/p>\n<p>Welchen Wert hat eine enge Freundschaft? Diese Frage spielt Dawn O&#8217;Porter, ohne auf den Unterhaltungswert eines Zickenkrieges zu bauen, in ihrem lebensnahen, wie konfliktreichen Jugendroman durch. Die englische Autorin, die selbst fr\u00fch ihre Mutter verlor und auf Guernsey lebte, las in ihren Tageb\u00fcchern und lie\u00df sich f\u00fcr ihre letztendlich fiktive, gut lesbare Geschichte davon inspirieren.<br \/>\nLeicht \u00fcberzeichnet sind Dawn O&#8217;Porters Figuren und trotzdem bieten sie f\u00fcr Leserinnen die M\u00f6glichkeit, bei ihrer Suche nach dem Weg erwachsen zu werden sich zu identifizieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dawn O&#8217;Porter: Papierfliegerworte, Aus dem Englischen von Martina Tichy, Carlsen Verlag, Hamburg 2015, 288 Seiten, \u20ac16,99, 978-3-551-58321-5 \u201eIhr Kummer macht meinen irgendwie weniger isoliert, l\u00e4sst mich weniger denken, dass nur f\u00fcr mich die Welt untergeht. 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