{"id":1560,"date":"2019-06-23T04:16:31","date_gmt":"2019-06-23T02:16:31","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1560"},"modified":"2019-06-23T04:16:31","modified_gmt":"2019-06-23T02:16:31","slug":"doppeltot","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/doppeltot\/","title":{"rendered":"Doppeltot"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gideon Samson: Doppeltot, Aus dem Niederl\u00e4ndischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2015, 220 Seiten, \u20ac14,95, 978-3-8369-5799-1<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e So wie Rifka es sagt, klingt es tats\u00e4chlich recht einfach. Trotzdem kommt es mir schwierig vor.  Es darf nichts schiefgehen und bei seltsamen L\u00fcgengeschichten geht fast immer alles schief.\u201c<\/em><\/p>\n<p>R.D.F. bedeutet Rif+D\u00fc\u00fcv Forever. Sie sind unzertrennliche Freundinnen, die charismatische, geltungss\u00fcchtige, einfallsreiche Rifka, die sicher mal sp\u00e4ter eine Sch\u00f6nheit sein wird und D\u00fc\u00fcv, das zw\u00f6lfj\u00e4hrige M\u00e4dchen, das die einzige Freundin von Rifka ist. Rifka ist nicht die Queen, sie ist der \u201eKing\u201c in der Klasse, der alles bestimmt. Sie raucht, sie ist extrem schadenfroh und sie lacht gern boshaft \u00fcber die Schw\u00e4chen ihrer Mitsch\u00fcler, die sie als Dummtussis und L\u00f6deld\u00f6del bezeichnet. D\u00fc\u00fcv ist froh, dass sie die Freundin von Rifka ist und doch schwingt auch immer ein hauchd\u00fcnner Zweifel in D\u00fc\u00fcvs Gef\u00fchlen Rifka gegen\u00fcber. Besonders dann, wenn es da ist, das Gef\u00fchl, die Angst, besonders in der Nacht. Dann weint D\u00fc\u00fcv und niemand kann sie tr\u00f6sten, auch nicht ihr \u00e4lterer Bruder Olivier.<\/p>\n<p>Als Mori, der neue Mitsch\u00fcler, in die Klasse kommt, denkt sich Rifka vieles aus, um ihn zu \u00e4rgern. Dabei hat Mori ein ernsthaftes Herzproblem und nachdem er nicht mit zur Klassenfahrt gekommen ist, wei\u00df der Lehrer gar nicht, wie er es den Mitsch\u00fclern beibringen soll. Mori ist gestorben. Rifka und D\u00fc\u00fcv wollten dem Jungen, den sie Pferdeschwanz nennen, eigentlich am letzten Tag der Fahrt die Haare abschneiden.<br \/>\nD\u00fc\u00fcv war heilfroh, dass Mori zu Hause geblieben ist.<br \/>\nDie Trauer und die Zeremonie in der Kirche bringen Rifka auf eine fatale Idee. Sie m\u00f6chte ihre eigene Beerdigung inszenieren, vielleicht sogar noch besser, ihre Entf\u00fchrung und dann die Beerdigung auch ohne Leiche. Sie w\u00fcrde sich unter die zahlreichen Trauernden mischen, denn bei ihr w\u00fcrde ja alles noch viel r\u00fchrender und trauriger sein, sei als bei dem kleinen Mori. Und dann w\u00fcrde sie sich halbtot lachen. D\u00fc\u00fcv ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass sie alle hinters Licht f\u00fchren werden. Meistens ist Rifka bei D\u00fc\u00fcv, denn Rifkas Eltern sind oft nicht zu Hause. Als Rifka erz\u00e4hlt, auf welche weiterf\u00fchrende Schule sie gehen wird, ohne mit D\u00fc\u00fcv vorher zu sprechen, ist sie entt\u00e4uscht. D\u00fc\u00fcvs Mutter betrachtet Rifka mit Distanz und erkl\u00e4rt D\u00fc\u00fcv, das sie auch ohne ihre beste Freundin ihren Weg gehen kann. Dabei hat sich Rifka D\u00fc\u00fcv als Freundin gesucht, weil sie an Olivier interessiert ist. Aber dieser hat sich l\u00e4ngst ein anderes M\u00e4dchen erw\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die beiden bereiten nun ihren Coup vor. Als D\u00fc\u00fcv bemerkt, dass sie vieles kaufen m\u00fcssen und kein Geld haben, fordert Rifka D\u00fc\u00fcv auf, es doch zu klauen. Und D\u00fc\u00fcv klaut ein Messer, traut sich aber nicht die Geldb\u00f6rse ihrer Eltern zu pl\u00fcndern, so wie Rifka das offensichtlich mehrmals zu Hause getan hat.<br \/>\nSie entwerfen zwei Briefe aus Zeitungsbuchstaben. Der erste k\u00fcndigt die Entf\u00fchrung an und fordert L\u00f6segeld, im zweiten steht die Todesdrohung.<br \/>\nD\u00fc\u00fcv soll beide Briefe in der Stadt einwerfen.<br \/>\n<em>\u201eWenn du die Briefe vertauschst, bist du tot. Ja. Das hat sie gesagt. Wenn ich sie nicht in den Briefkasten werfe, bin ich ganz bestimmt doppeltot. Dann bin ich genauso eine Dummtussi wie alle anderen M\u00e4dchen. Nie mehr R.D.F., sondern forever vorbei.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aber D\u00fc\u00fcv schafft es nicht, diese Briefe auf den Weg zu bringen, denn sie trifft die Mutter von Mori im Dorf, die ihr erz\u00e4hlt, wie gut ihr Sohn \u00fcber die beiden M\u00e4dchen gesprochen hatte. Pl\u00f6tzlich wird ihr klar, welches Doppelspiel Rifka veranstaltet und mit welchen L\u00fcgen sie durchkommt. Aber D\u00fc\u00fcv wei\u00df auch, an welchem Abhang sie steht, wenn sie nicht das tut, was Rifka von ihr verlangt. M\u00f6glicherweise ist sie dann das Mobbingopfer und das w\u00fcrde sie nicht ertragen. Am liebsten m\u00f6chte D\u00fc\u00fcv alles abblasen, aber Rifka zeigt nun ihr wahres, egoistisches Gesicht.<\/p>\n<p>In sich verschachtelt und zeitversetzt erz\u00e4hlt der niederl\u00e4ndische Autor Gideon Samson aus den Perspektiven von D\u00fc\u00fcv, ihrem Bruder Olivier und Rifka die Geschehnisse. Am Ende geraten die sogenannten besten Freundinnen aneinander und D\u00fc\u00fcv gehen die Nerven durch. Die Eskalation endet in einer Trag\u00f6die.<\/p>\n<p>Rifkas Beziehung zu ihren Eltern scheint k\u00fchl zu sein, lieblos. Sie w\u00e4hlt D\u00fc\u00fcv als Freundin, um jemanden fest an sich zu binden, denn es geht nicht um Freundschaft oder Gef\u00fchle, sondern um Manipulation. Diesem Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis stellt Gideon Samson die innige Beziehung zwischen D\u00fc\u00fcv und ihrem Bruder Olivier gegen\u00fcber. Er liebt seine Schwester, m\u00f6chte sie besch\u00fctzen und ahnt nicht, was auf ihn zukommt. Samsons Jugendroman endet mit einem Zeitungsausschnitt und l\u00e4sst den Leser im Ungewissen zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gideon Samson: Doppeltot, Aus dem Niederl\u00e4ndischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2015, 220 Seiten, \u20ac14,95, 978-3-8369-5799-1 \u201e So wie Rifka es sagt, klingt es tats\u00e4chlich recht einfach. Trotzdem kommt es mir schwierig vor. 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