{"id":1553,"date":"2019-06-23T04:18:39","date_gmt":"2019-06-23T02:18:39","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1553"},"modified":"2019-06-23T04:18:39","modified_gmt":"2019-06-23T02:18:39","slug":"teo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/teo\/","title":{"rendered":"Teo"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lorenza Gentile:&nbsp; Teo, Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki, Deutscher Taschenbuch Verlag, Hardcover, M\u00fcnchen 2015, 200 Seiten, \u20ac19,90, 978-3-423-28051-8<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWenn ich Napoleon treffen wollte, musste ich unsichtbar werden wie er. Und das wollte ich, denn nur so w\u00fcrde ich herauskriegen, was ich tun musste, um Mama und Papa zu helfen, die Schlacht zu gewinnen, und sie gl\u00fccklich zu machen, bevor sie f\u00fcr immer verloren hatten und wie die Eltern von Giulia wurden, die geschieden waren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Welt ist kompliziert und f\u00fcr einen achtj\u00e4hrigen Jungen ist es nicht so leicht, sich darin auszukennen. Wer kommt ins Paradies und wer muss in die H\u00f6lle? Was ist Reinkarnation? Wie kann es sein, dass Gott nicht mit einem spricht? Geht man in die falsche Kirche, wohnt er woanders? Und was bedeuten diese Zeichen, die er angeblich aussendet? Schwierig, schwierig, schwierig.<\/p>\n<p>Aber Teo hat sich fest vorgenommen, er muss mit Napoleon, der ja angeblich alle Schlachten gewonnen hat, sprechen. H\u00e4tte Teo mal sein Sachbuch \u00fcber Napoleon, das er zum Geburtstag, zumindest besser als Fu\u00dfb\u00e4lle oder Ringelsocken, bekommen hat, zu Ende gelesen. Auf jeden Fall ist der Junge, der aus seiner Perspektive erz\u00e4hlt, von der Idee besessen, dass nur der bedeutende Feldherr ihm und seiner Familie helfen kann. Nur leider ist er schon tot.<\/p>\n<p>Unertr\u00e4glich sind die Streitereien der Eltern. Nie k\u00f6nnen sie sich unterhalten, ohne dass die W\u00e4nde wackeln und Teo in sein Zimmer flieht. Seine \u00e4ltere Schwester Matilde reagiert auf die angespannte Situation in der Familie eher mit Wutausbr\u00fcchen.<br \/>\nTeo erkundet die Welt mit Fragen und auch diese sind f\u00fcr Mama wie Papa einfach nur nervig. Sie reagieren mit Ausfl\u00fcchten oder Allgemeinpl\u00e4tzen, dabei sind die Fragen gar nicht so kompliziert: Was ist b\u00f6se, was ist gut? Wo und wann kann Teo mit Gott sprechen?<br \/>\nSusu, Teos Kinderm\u00e4dchen, ist da schon gr\u00fcndlicher in ihren Antworten, aber manchmal kann Teo auch sie nicht verstehen. Als Matilde Teo r\u00e4t doch die Bibel zu lesen, scheint das wie ein Befreiungsschlag zu sein. Aber die Bibel ist ziemlich dick und langweilig, zumindest f\u00fcr Teo. Er ben\u00f6tigt einen Experten und das kann nur Gott sein. Aber Gott redet nicht mit Teo, auch nicht am Sonntag in der Kirche.<\/p>\n<p>Teo sammelt alle Informationen \u00fcber die H\u00f6lle, das Paradies und die verschiedenen Religionen. Auch in der Klasse ist Teo, der in Mathe ziemlich schwach, in Geschichte aber gut ist, isoliert. Als die Lehrerin, die ihre Sch\u00fcler leicht inkompetent als<em> \u201ekleine Biester\u201c<\/em> bezeichnet, das Mathe-Ass Xian-wei neben Teo setzt, erf\u00e4hrt der Junge gleich etwas \u00fcber Zahlen. Xian-wei kl\u00e4rt seinen Banknachbarn \u00fcber die negativen Zahlen im chinesischen Denken auf und das bringt Teo etwas weiter.<\/p>\n<p>Die Spannungen in Teos Familie nehmen immer mehr zu. Nach den lauthalsen Ausseinandersetzungen folgt die verh\u00e4ngnisvolle Stille zwischen den Eltern, die Teo \u00fcberhaupt nicht vertragen kann. Und dann f\u00e4hrt auch noch Teos Vater weg und die Mutter empf\u00e4ngt den franz\u00f6sischen Maler Rimbaud, um ein Portr\u00e4t von sich anfertigen zu lassen. Als Rimbaud auch noch behauptet, er k\u00f6nne Teo zu Napoleon bringen, w\u00fcrde der Junge am liebsten die Schule schw\u00e4nzen. Aber er muss sich gedulden. Doch die Entt\u00e4uschung ist gro\u00df, denn in der Nationalbibliothek erwartet Teo nicht der leibhaftige Napoleon, sondern nur Bilder und Statuen. Und doch ist Napoleon ja anwesend.<\/p>\n<p>Jetzt f\u00e4llt der Groschen bei Teo, er muss unsichtbar werden und das hei\u00dft, er muss sterben. V\u00f6llig pragmatisch geht Teo an dieses Problem heran, er erz\u00e4hlt auch seinem neuen chinesischen Freund von seinem Vorhaben. Und da Teo ja bald unsichtbar ist, ben\u00f6tigt er auch nicht mehr das Buch \u00fcber Napoleon und so schenkt er es Xian-wei. Der jedoch ist ein schneller Leser und am Montag, dem Tag, an dem Teo vor die U-Bahn springen will, erz\u00e4hlt er ihm, dass Napoleon durchaus eine wichtige Schlacht verloren hat \u2013 Waterloo.<\/p>\n<p>Wunderbar sprachlich elegant bringt die junge italienische Autorin Lorenza Gentile diese Geschichte eines achtj\u00e4hrigen Jungen zu einem guten Ende. Auf den letzten Seiten bleibt dem Leser der Atem weg, denn Teos knallharte Analyse, seine Beharrlichkeit und sein Kampfgeist, die Familie wieder ins Lot zu bringen, ber\u00fchren und beunruhigen zutiefst. \\r\\nLorenza Gentiles Sprache ist trotz der Erz\u00e4hlweise eines Kindes nie einfach strukturiert oder gar altklug. Es macht Spa\u00df, Teos Gedanken zu folgen, die Dinge aus seiner Sicht zu betrachten als h\u00e4tte man nie \u00fcber den Tod, das Leben, den Glauben oder die Liebe nachgedacht.<\/p>\n<p>Sicher ist das ein Buch f\u00fcr Erwachsenen, aber genauso gut k\u00f6nnen auch Jugendliche es lesen, denn sie werden sich und ihre eigenen Fragen und Probleme wiederfinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lorenza Gentile:&nbsp; Teo, Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki, Deutscher Taschenbuch Verlag, Hardcover, M\u00fcnchen 2015, 200 Seiten, \u20ac19,90, 978-3-423-28051-8 \u201eWenn ich Napoleon treffen wollte, musste ich unsichtbar werden wie er. 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