{"id":1551,"date":"2019-06-23T04:18:58","date_gmt":"2019-06-23T02:18:58","guid":{"rendered":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/?p=1551"},"modified":"2019-06-23T04:18:58","modified_gmt":"2019-06-23T02:18:58","slug":"jagd","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/karinhahnrezensionen.com\/lese24\/jagd\/","title":{"rendered":"Jagd"},"content":{"rendered":"<p><strong>Liza Marklund: Jagd, Aus dem Schwedischen von Anne Bubenzer und Dagmar Lendt, Ullstein Verlag, Berlin 2015, 375 Seiten, \u20ac17,50, 978-3-550-08061-6<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIm einen Fall war das Opfer gestorben, im anderen hatte es \u00fcberlebt. Der eine Mann war bekleidet, der andere nicht. Die Methoden waren unterschiedlich. Lerberg war ein angesehener B\u00fcrger, der andere ein Au\u00dfenseiter.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Gleich zu Beginn wird der Politiker Ingemar Lerberg, ehemaliger Parlamentsabgeordneter und Unternehmer, auf brutalste Weise gefoltert. Er \u00fcberlebt, wird ins k\u00fcnstliche Koma versetzt und die Polizei beginnt zu ermitteln. Nina Hoffmann arbeitet nun als Fallanalytikerin mit Kommissar Q zusammen. Sie kennt Annika Bengtzon, die hartn\u00e4ckige Boulevardjournalistin der gr\u00f6\u00dften schwedischen Nachrichtenzeitung Abendblatt aus vergangenen Zeiten. Annika hat sich, nicht ohne Gewissensbisse und doch \u00fcberzeugt vom Ende der Beziehung, von ihrem Mann Thomas nach den Geschehnissen in Somalia, Thomas wurde die linke Hand regelrecht abgehakt, getrennt. Thomas tut sich mittlerweile nur noch leid und er hasst seine Ex-Frau. In Jimmy, dem Staatssekret\u00e4r im Justizministerium hat Annika einen neuen Lebensgef\u00e4hrten gefunden. Allerdings harmoniert die Patchworkfamilie mit Annika und ihren Kindern Kalle und Ellen und Jimmy mit den Zwillingen Serena und Jakob \u00fcberhaupt nicht. Serena signalisiert Annika in jedem Moment ihres Zusammenseins, dass sie sie vehement ablehnt. Aber Annika versucht alles, um einen Kontakt zu dem M\u00e4dchen herzustellen.<\/p>\n<p>Je mehr Annika \u00fcber den Christdemokraten Lerberg recherchiert, um so unangenehmer wird ihr das Opfer. Vor gut sieben Jahren zog sich Lerberg als Politiker zur\u00fcck, da ihm Steuerbetrug vorgeworfen wurde. Und innerhalb dieser Jahre hat er mehrere Unternehmen in den Sand gesetzt, konnte sich aber immer wieder aufrichten. Seine politischen Ansichten behagen Annika kaum, denn er pl\u00e4diert eindeutig f\u00fcr den Abbau des Sozialstaates und Sanktionen gegen Menschen, die ihre Arbeit verloren haben. Annika recherchiert im Umfeld von Lerberg und stellt fest, dass Nora, die 18 Jahre j\u00fcngere Frau von Lerberg, wie vom Erdboden verschwunden ist. Die drei Kleinkinder halten sich bei Lerbergs Schwester auf, die jedoch mit der Kinderbetreuung \u00fcberfordert ist. Annika besucht die wohlsituierten Nachbarinnen von Nora. Niemand wei\u00df, wo Nora sich aufhalten k\u00f6nnte. Dass sie ein Doppelleben gef\u00fchrt hat, erkundet Nina mit ihrem Sp\u00fcrsinn f\u00fcr Details. Als treusorgende Hausfrau hat Nora angeblich alles allein gemanagt. Sie legte nicht viel Wert auf enge Kontakte zu den Nachbarinnen, sie wollte nicht beim Leseclub mitmachen, obwohl sie st\u00e4ndig H\u00f6rb\u00fccher h\u00f6rte. Doch warum flog sie so oft in die Schweiz? Wer verbirgt sich hinter dieser jungen Frau?<\/p>\n<p>Als dann ein Alkoholiker und scheinbar auf der Stra\u00dfe lebender Mann, Kaggen, ebenfalls durch Folter get\u00f6tet wird, ergeben sich pl\u00f6tzlich Parallelen in dem Fall.<\/p>\n<p>Als dann Anders Schymann, der Chefredakteur vom Abendblatt, von einem Blogger im Netz angegriffen wird, er\u00f6ffnet sich f\u00fcr Annika noch ein Fall. Der Blogger behauptet, dass Schymann vor achtzehn Jahren eine Dokumentation \u00fcber das Verschwinden der Milliard\u00e4rin Viola S\u00f6derland ver\u00f6ffentlicht h\u00e4tte, die eindeutig auf falschen Informationen beruhte. Angeblich ist S\u00f6derland als Steuerschuldnerin abgetaucht und hat sich in Russland ein neues Zuhause gesucht. Der Blogger beschimpft Schymann nun als unseri\u00f6sen Journalisten und als Betr\u00fcger.<\/p>\n<p>Annika soll nun, so hofft Schymann, die verschwundene Viola S\u00f6derland finden.<\/p>\n<p>Alle Ermittlungen f\u00fchren zu einem verbindenden Element \u2013 Geldw\u00e4sche. Nora hatte ihre Flucht von langer Hand geplant. Die Details ihrer Machenschaften, f\u00fcr die ihr Ehemann nun grausam b\u00fc\u00dfen musste, erkundet Nina Hoffmann. Sie soll mit Annika auch in dem Fall S\u00f6derland zusammenarbeiten, was Nina, die als Einzelg\u00e4ngerin nicht erpicht ist auf Familienanschluss, so gar nicht passt.<\/p>\n<p>Auch wenn sich vieles aufkl\u00e4rt, einiges bleibt in der Schwebe. Der Leser, der wiedermal viele brutale Beschreibungen von Foltermethoden \u00fcber sich ergehen lassen muss, wei\u00df diesmal mehr \u00fcber die Peiniger als die Presse und die Kriminalpolizei. Einzelne Handlungsstr\u00e4nge stehen nebeneinander als w\u00fcrde die schwedische Autorin Liza Marklund neue Konstellationen f\u00fcr weitere Romane einf\u00fchren.<\/p>\n<p>Spannend jedoch bleiben die Geschichten um den Workaholic Annika Bengtzon, die nicht nur schreibt, sondern nun auch noch f\u00fcrs Web-Radio und den TV-Sender des Abendblattes arbeitet. Fragt sich immer, wo bleibt die Zeit f\u00fcr zeitlich l\u00e4ngere seri\u00f6se Recherchen und wohin f\u00fchrt die F\u00fclle an sinnlosen Informationen. Wie sich Journalisten durch Informationen manipulieren lassen, welche Macht ein anonymer Blogger einnehmen kann, das muss Annikas Chef fast am Ende seiner beruflichen Karriere erfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liza Marklund: Jagd, Aus dem Schwedischen von Anne Bubenzer und Dagmar Lendt, Ullstein Verlag, Berlin 2015, 375 Seiten, \u20ac17,50, 978-3-550-08061-6 \u201eIm einen Fall war das Opfer gestorben, im anderen hatte es \u00fcberlebt. 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